Arbeitsmarkt

Liebe und Individualität sichern das Überleben

Handbuchbinder Bernhard Sanders wünscht sich eine „lebende Werkstätte“.
© Marcella Ruiz Cruz

Peter Köll und Bernhard Sanders haben in Innsbruck als Handbuchbinder erfolgreich eine Nische gefunden. Altmodisch ist das ganz und gar nicht.

Von Markus Stegmayr

Innsbruck –Als Zauberwort nennt Peter Köll, der sein Unternehmen 1996 gründete, immer wieder Individualität. „Von den großen Handbuchbinder-Firmen haben einige zusperren müssen“, erläutert er in seiner Werkstatt in Wilten, in der man unter anderem Speisekartenmappen, Diplomarbeiten, Visitenkarten und alte, reparaturbedürftige Bücher vorfindet. Mögliche Gründe für das „Sterben“ der Big-Player hat Köll schnell zur Hand. „Ich denke, dass dort einige Mitarbeiter nicht so gut ausgebildet waren.“ In der heutigen Zeit ein Todesstoß, denn es werde „immer spezieller“. Oder eben der Wunsch der Kunden nach einem individuellen Produkt immer stärker.

Unter diesem Gesichtspunkt wirkt das Handbuchbinder-Gewerbe ganz und gar nicht mehr altmodisch. Neben dem Trend zu maßgeschneiderten Buch- oder Papiererzeugnissen ist es auch noch die gegenwärtige Sehnsucht nach Haptik, die den Handbuchbindern, von denen es mittlerweile in Tirol nur noch vier gibt, entgegenkommt. Das sieht auch Bernhard Sanders so, der eine „lebende Werkstätte“ anbieten will und nicht daran denkt, „zu einem Museum zu werden“. Deshalb bietet er auch Buchbinde-Seminare an, die gut besucht sind. „Ich möchte auch Bewusstsein für dieses schöne Handwerk schaffen“, erklärt Sanders.

Obwohl Köll und Sanders demselben Handwerk nachgehen, unterscheiden sie sich doch im Fokus ihres Tuns. „Man übergibt uns einen Auftrag im Wissen, dass wir auf die Gestaltung noch Einfluss nehmen“, sagt etwa Sanders, der sagt, dass ihm „Produkt-Design“ liege. Etwas abgeschwächt formuliert es Köll, wenn er meint, dass man zwar bei den Ideen mitarbeite, oft aber auch Werbeagenturen mit fix-fertigen Konzepten auf ihn und seine fünf Mitarbeiter zukommen würden. Insgesamt scheint sich Köll ein wenig mehr als „Umsetzer“ von individuellen Wünschen zu sehen, Sanders geht zusammen mit seinen vier Mitarbeitern in eine etwas künstlerischere Richtung. Er ist darüber hinaus bestens mit der lokalen Künstler- und Gestalter-Szene vernetzt. Kein Wunder, dass man bei ihm zahlreiche aufwendig gestaltete Kataloge von bildenden Künstlern findet.

Doch die beiden Unternehmer und deren Werkstätten eint letzten Endes mehr, als sie trennt. Man bekommt alte Maschinen zu Gesicht, für die es keine Ersatzteile mehr gibt. Der Geruch von Papier und Leim liegt in der Luft. Fadenheftung und Klebebindung stehen sowohl bei Sanders als auch bei Köll an der Tagesordnung. Messer, Schere und Nadel sind stets am Anschlag. Hier wie dort ist spürbar, dass mit viel Liebe zur Sache gearbeitet wird. „Wie oft so eine alte Maschine im Einsatz ist, kann man nicht sagen“, meint Köll und setzt sich hinter das Gerät, das im Team nur er bedienen darf. Ob sich solche Gerätschaften rechnen, ist offenbar zweitranging. Diese Liebe zu ihrem Handwerk merkt man Sanders und Köll in jedem Augenblick an.