Grazer Oper grub „König Roger“ aus und ließ ihn strahlen
Graz (APA) - Wirkungsvolle archaische Bilder und in Klänge gegossene Gefühlsaufwallungen prägten die polnische Oper „König Roger“ von Karol ...
Graz (APA) - Wirkungsvolle archaische Bilder und in Klänge gegossene Gefühlsaufwallungen prägten die polnische Oper „König Roger“ von Karol Szymanowski, die am Donnerstag in Graz Premiere gehabt hat. Unter der Stabführung von Roland Kluttig entfesselten die Grazer Philharmoniker einen wirkungsvollen Klangrausch, der - ebenso wie die ausgezeichneten Sängerleistungen - die eher statische Regie ausglichen.
„König Roger“ ist kein Dauerbrenner auf den Spielplänen, was nicht zuletzt am schwierigen polnischen Libretto liegen dürfte, das für Sänger eine ziemliche Herausforderung darstellt. Das Werk wurde 1926 uraufgeführt und nun erstmals in Graz gezeigt. Die Handlung - König wird durch Hirt auf den Weg zu sich selbst geführt - ist überschaubar und einfach, der Fokus liegt auf den inneren Vorgängen. Szymanowski schuf dazu eine rauschhafte, in allen Schattierungen schimmernde Musik, die diese Seelenzustände abbildet. Sie erinnert an Korngolds „Wunder der Heliane“ ebenso wie an Debussys „Pelleas et Melisande“, auch geistliche Choräle spielen hinein. Das alles ergibt eine effektvolle Mischung, die von Dirigent Roland Kluttig - ab Herbst 2020 Musikchef der Grazer Oper - wirkungsvoll umgesetzt wird. Dabei bleibt alles präzise und hörbar, der Klangrausch wird mit sicherer Hand gezähmt.
Mit der dunkel-glühenden Musik korrespondierte die sehr schlichte Inszenierung von Holger Müller-Brandes, wobei die schwarz-goldenen Bilder der ersten beiden Akte eine fast archaische Bildgewalt hatten (Bühne und Kostüme: Katrin Lea Tag, Lejla Ganic). Schwarze Wände, goldener Boden und durchwegs schwarz gekleidete Gestalten ergaben ikonenhafte Momente. Der dritte Akt zeigte einen erdigen Untergrund, auf dem sich nun bunte Gestalten extaktisch bewegten. Das Ende, bei dem sich der König aus dem Grab seiner früheren Zwänge erhebt, ist wirkungsvoll klar und schlicht. Allerdings kann man die Pause vor den letzten rund 20 Minuten nur als Unfug bezeichnen - wieso zerstört man die starke Magie des zweiten Aktes mutwillig? Von Personenführung war nicht viel zu sehen, es blieb bei Andeutungen einer schwierigen Beziehung zwischen dem König und seiner Frau oder auch seiner Zuneigung zum Hirten, aber meistens wähnte man sich eher in einer konzertanten Aufführung.
Kay Stiefermann stellte einen zerrissenen König dar, der es mit sicherem Bariton durch die Partie schaffte und auch als Persönlichkeit überzeugte. Die Figur des Hirten, die irgendwo zwischen Heilsprediger und Gott angesiedelt ist, wurde von Andrzej Lampert mit heller, leichter Stimme gesungen. Zu leicht vielleicht für manche Stellen, die vom Orchester zugedeckt wurden. Eine eindrucksvolle Figur stellte Manuel von Senden (Edrisi) auf die Bühne, der als geheimnisvoller Berater außerhalb der Seelenqualen des Königs blieb. Seine Frau (Roxane) versah Aurelia Florian mit sehnsüchtigen Zügen und extaktischem Gesang. Ausgezeichnet der Chor unter der Leitung von Bernhard Schneider, das Ballett durfte am Ende noch bodennahe Zuckungen (Beate Vollack) beisteuern. Ein durchwegs stimmiger Opernabend, der ein zu Unrecht selten gespieltes Werk ins Licht rückt, ohne es mit Bedeutung zu überfrachten.
(S E R V I C E: „König Roger“ von Karol Szymanowski in der Grazer Oper. Musikalische Leitung: Roland Kluttig, Inszenierung: Holger Müller-Brandes, Choreografie: Beate Vollack, Bühne und Kostüme: Katrin Lea Tag, Kostüme: Lejla Ganic, Chor: Bernhard Schneider. Mit: Kay Stiefermann (Roger II.), Aurelia Florian (Roxane), Manuel von Senden (Edrisi), Andrzej Lampert (Der Hirte), Wilfried Zelinka (Erzbischof), Marijana Grabovac (Diakonissin). Nächste Vorstellungen: 16., 27.2., 1., 7., 17., 27.3., 5., 28.4., 4.5.2019. http://www.oper-graz.com)
Kommentare