Lacroix-Roben veredeln „Pelleas et Melisande“ in Klagenfurt
Klagenfurt (APA) - Als Koproduktion mit drei französischen Opernhäusern entstand Eric Rufs Inszenierung von Debussys einziger vollendeter Op...
Klagenfurt (APA) - Als Koproduktion mit drei französischen Opernhäusern entstand Eric Rufs Inszenierung von Debussys einziger vollendeter Oper „Pelleas et Melisande“. Die Premiere am Donnerstag in Klagenfurt stieß auf geteilte Zustimmung des Publikums. Unfreiwillig komische Szenen und überfrachtete Symbolik konnten der musikalischen Qualität und Ästhetik der Produktion aber nur wenig anhaben.
Wie ein Bild von Gustav Klimt steht Melisande im goldenen Kleid in einem erleuchteten Fenster des dunklen Schlosses und kämmt ihr flammend rotes Haar. Als sie es mehrere Meter lang hinunterlässt, wickelt sich ihr heimlicher Geliebter Pelleas sehnsüchtig darin ein, was statt erotisch eher plump überzeichnet wirkt. Doch mit dieser Rapunzel-Szene illustriert Eric Ruf (Regie und Bühne) zugleich den Glanz und das Leuchten, das die rätselhafte Melisande in das finstere Königreich Allemonde bringt. Märchenmotive wie dieses und die Jugendstil-Ästhetik des Fin de Siecle prägen eine Inszenierung, die mit ihrer traumhaften, klaustrophobischen Atmosphäre besticht.
Der verwitwete Königssohn Golaud hatte die verängstigte Melisande im Wald gefunden und als seine Frau in sein Reich gebracht. Doch die schöne Fremde ist nicht glücklich, vermisst die Sonne und den freien Blick auf den Himmel. In Golauds Halbbruder Pelleas begegnet sie einem Seelenverwandten, und die Dreiecksgeschichte entwickelt sich zu einem Eifersuchtsdrama, in dem der rasende Kraftlackel Golaud Pelleas ermordet. Auch Melisande stirbt schließlich an den Folgen der Geburt einer Tochter, die nun an ihrer Stelle leben soll.
Alte Wälder ohne Licht, Wasser und Fischernetze, Grotten und Brunnen, bläuliche Dämmerung und die kalte Behausung der Königsfamilie, dargestellt durch eine kurvige Betonwand, die an das Innere eines Silos denken lässt, stehen im Kontrast zur Klangpoesie der mäandernden Tondichtung von Claude Debussy. Das symbolistisch überladene Libretto zur 1902 in Paris uraufgeführten Oper stammt vom Belgier Maurice Maeterlinck, der 1911 den Literaturnobelpreis erhielt. Die verschlissene Eleganz der stilvollen Kostüme von Designer Christian Lacroix, die in den Klagenfurter Werkstätten gefertigt wurden, wirkt wie ein schimmernder Lichtreflex in all der Dunkelheit und dem Pathos.
Anders als bei der Premiere in Frankreich, wo Debussy laut Kritiken stellenweise zu sehr nach Richard Wagner geklungen hat, ist die musikalische Umsetzung durch das Kärntner Sinfonieorchester sehr klar und gelungen: Farbig, differenziert und mit pulsierenden Tempi führte Nicholas Carter seine Musiker durch den dreieinhalbstündigen Abend.
Dabei beeindruckte ein starkes Sängerensemble mit intensivem Ausdruck und Stimmsicherheit. Allen voran Oliver Zwarg als verzweifelter Macho Golaud, der mit seinem markanten Bariton eine breite Gefühlsskala zwischen Verliebtheit und unbeherrschter Raserei abdeckte. Ilse Eerens war als seine Melisande weniger erotische Kindfrau als erstarrte Puppe, ätherisch und schön. Ihr schlanker Sopran brachte anfangs Licht und Leidenschaft in das versteinerte Leben des Königreichs, bevor er wie eine Flamme erlosch. Der jugendliche Charme von Pelleas wurde durch Jonathan McGovern und seinem lyrischen Bariton verkörpert, mit darstellerischer Präsenz beeindruckte auch Nicolas Cavallier als König Arkel. Alexandra Kloose als Mutter Genevieve und Lisa Marie Lebitschnig als Golauds Sohn aus erster Ehe vervollständigten souverän diese beklemmende Familienaufstellung.
(SERVICE - „Pelleas et Melisande“, Drame lyrique in fünf Akten und zwölf Bildern von Claude Debussy, Text von Maurice Maeterlinck, Stadttheater Klagenfurt, Koproduktion mit dem Theatre des Champs-Elysees Paris, der Opera de Dijon und dem Theatre du Capitole Toulouse. In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Musikalische Leitung: Nicholas Carter, Regie und Bühne: Eric Ruf, Einstudierung der Premiere in Klagenfurt: Laurent Delvert, Kostüme: Christian Lacroix, Lichtdesign: Bertrand Couderc, Julien Chatenet, Choreinstudierung: Günter Wallner, Dramaturgie: Markus Hänsel. Mit: Nicolas Cavallier (Arkel), Alexandra Kloose (Genevieve), Jonathan McGovern (Pelleas), Oliver Zwarg (Golaud), Ilse Eerens (Melisande), Lisa Marie Lebitschnig (Yniold), Taras Kuzmych (Arzt/Hirte). Kärntner Sinfonieorchester, Chor des Stadttheaters Klagenfurt. Weitere Aufführungen: 19., 21., 23., 27. Februar und 1., 8., 13., 16. März, jeweils 19.30 Uhr http://www.stadttheater-klagenfurt.at/de/produktionen/pelleas-et-mel isande/)
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