Grundstücksdeal empört Bewohner von Ladis

Mandatar kaufte 2480 m² Freiland um eine Mio. Euro und kassierte zwei Mio. Euro von Investorengesellschaft. Die Gemeinde wurde laut BM Klotz bei Umwidmung getäuscht.

In Ladis steht ein Gemeinderatsmitglied im Kreuzfeuer der Kritik, ihm wird ein spekulatives Grundstücksgeschäft zum Nachteil für die Dorfentwicklung vorgeworfen. BM Florian Klotz legte ihm den Rücktritt nahe.
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Von Helmut Wenzel

Ladis –Eines gleich vorweg: Ein im Dorf umstrittenes Grundstücksgeschäft ist rechtlich offenbar hieb- und stichfest. Eingefädelt hat es Gemeinderatsmitglied Alexander Röck bereits im Jahr 2017. Er hatte im Ortsteil Vallenbrunnen 2480 Quadratmeter Freiland zum Preis von einer Million Euro gekauft und um zwei Millionen Euro an eine Investorengesellschaft weiterverkauft. Laut Bürgermeister Florian Klotz habe Röck gewusst bzw. spekuliert, dass der Gemeinderat eine Baulandwidmung beschließen wird. Was dieser 2018 auch gemacht hat.

Seit wenigen Wochen steht der neue Eigentümer, die Vaya Holding GmbH, im Grundbuch. Die Vaya mit Firmensitz in Innsbruck ist eine Tochter des holländischen Reiseveranstalters Sunweb. Beim Kaufvertrag im Oktober 2017 trat der holländische Geschäftsführer Franciscus Wilhelmus Cornelis auf. Inzwischen ist bereits eine Vaya Ladis GmbH mit Geschäftsführer Romeijn Joost Albert im Firmenbuch eingetragen.

Im Oberland betreibt die Vaya Hotels in Sölden, St. Anton und Serfaus. Zwei davon werden als Investorenmodelle geführt. Das funktioniert so: Appartements werden meist an ausländische Anleger verkauft. Die Quartiere werden zur Touristenvermietung genutzt, die Anleger können sie aber auch selbst nutzen. Im Internet bewirbt das nach Eigendefinition „anerkannte, renommierte Unternehmen mit höchster Kompetenz im Verkauf von exklusiven Ferienresorts in den Alpen“ derzeit mehrere Anlegerprojekte in Tirol und Salzburg.

Der Bürgermeister reagiert mit scharfer Kritik auf die „vollendeten Tatsachen“: „Röck hat mit diesem Grundstücksdeal die Gemeinde hinters Licht geführt und uns belogen. Den Gremien hat er gesagt, er selbst werde Projektbetreiber sein.“ Jetzt könne der Vaya-Deal nach geltender Rechtslage nicht mehr rückgängig gemacht werden. Klotz sieht das Land gefordert, „damit derartigen Fällen ein Riegel vorgeschoben werden kann“. Um einem „Ausverkauf“ der Gemeinde vorzubeugen, soll die Einführung einer Vertragsraumordnung diskutiert werden.

Mandatar Röck habe klar „gegen die Interessen unserer Dorfentwicklung gehandelt“, zeigt der Bürgermeister auf. Unser Siedlungsraum ist knapp. Wenn die jüngere Generation keine Perspektiven zum Aufbau einer Existenz mehr hat, wandert sie ab.“

Vor diesem Hintergrund habe er Röck den Rücktritt nahegelegt. „Auch weil er seine Wähler getäuscht hat.“ Bei der Gemeinderatswahl 2016 kündigte der Listenerste Alexander Röck an: „Die Dorfliste steht für transparente und offene Gemeindepolitik sowie für verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen.“

Auf TT-Anfrage zu den Vorwürfen gab sich Röck gestern Mittwoch wenig auskunftsfreudig. Er rede nur über seinen Anwalt. Dann fasste er dennoch zusammen: „Das Grundstücksgeschäft ist sauber und korrekt gelaufen. Ein paar Neider wird es immer geben.“ Übrigens habe er der Gemeinde im Zuge der Baulandumlegung in Vallenbrunnen 40 Quadratmeter Fläche zur Verfügung gestellt. Die Rücktrittsaufforderung des Bürgermeisters quittierte er mit „Kein Kommentar“.

Der Fall sorgt auch in der Lader Bevölkerung für Empörung. Bei der TT trafen dazu mehrere Hinweise und Kurznachrichten ein, teils mit Namen, teils anonym. „Geplant war, dass dieser Bereich ursprünglich zur Baulandentwicklung für die heimische Bevölkerung und nicht für touristische Nutzung vorgesehen war“, schreibt ein Lader. „Die Einheimischen, die auf neuen Wohnraum gehofft haben, schauen jetzt durch die Finger.“


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