Ex-Anwalt Cohen rechnet schonungslos mit Trump ab

„Er ist ein Rassist. Er ist ein Betrüger. Er ist ein Schwindler“: Der Ex-Anwalt von Donald Trump, Michael Cohen, hat seine Drohung wahr gemacht und vor dem Repräsentantenhaus kein gutes Haar am US-Präsidenten gelassen.

© AFP

Washington – Donald Trump will Weltgeschichte schreiben in Hanoi, er strebt nach dem Friedensnobelpreis. Doch daheim stiehlt ihm sein zu einer Gefängnisstrafe verurteilter Ex-Anwalt großteils die Show. Während Trump mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un über die atomare Abrüstung verhandelt, spricht Michael Cohen am Mittwoch im US-Kongress über Trump.

Es ist eine schonungslose Abrechnung mit dem US-Präsidenten vor laufenden Kameras.

„Er ist ein Rassist. Er ist ein Betrüger. Er ist ein Schwindler“ - mit diesem vernichtenden Urteil über seinen vormals glühend bewunderten Ex-Chef leitet Cohen seine Aussage ein. Seine Vorwürfe untermauert der 52-Jährige dann mit einer Vielzahl brisanter Details, darunter zur Russland-Affäre und dem Schweigegeld für den Pornostar Stormy Daniels.

Cohen führt etwa ins Feld, dass Trump im Wahlkampf 2016 schon vorab von den Wikileaks-Publikationen über seine Rivalin Hillary Clinton gewusst habe. Die von der Plattform veröffentlichten E-Mails waren mutmaßlich von russischen Hackern gestohlen worden. Und Cohen beschuldigt Trump, er habe sich noch nach dem Einzug ins Weiße Haus an den Bemühungen beteiligt, die Zahlung an seine angebliche frühere Sexpartnerin Stormy Daniels zu kaschieren.

Trump wetert aus Hanoi

Die dreitägige Vernehmung Cohens durch drei Kongressausschüsse zwingen den US-Präsidenten in Hanoi dazu, seinen Fokus immer wieder von der hohen Diplomatie wegzulenken: Trumps Verbalschläge gegen Cohen erwecken gar den Eindruck, als bereite ihm sein früherer Intimus größere Sorgen als das nordkoreanische Atomwaffenarsenal. „Er lügt, um seine Zeit im Gefängnis zu verringern“, wettert der Präsident über Twitter.

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Cohen hat sich die dreijährige Gefängnisstrafe – die er erst im Mai antreten muss – allerdings großteils mit Delikten eingehandelt, die er im Dienste Trumps begangen hat. Seine vom New Yorker Gericht als illegale Wahlkampffinanzierung eingestufte Schweigegeldzahlung von 130.000 Dollar an Stormy Daniels gehört ebenso dazu wie seine einstigen Lügen gegenüber dem Kongress über ein vom Trump-Konzern während des Wahlkampfs 2016 verfolgtes Hochhausprojekt in Moskau.

In seinem Auftritt am Mittwoch vor dem Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses - die einzige der drei sukzessiven Cohen-Anhörungen, die vor der Öffentlichkeit stattfindet - präsentiert sich Trumps früherer Ausputzer als zerknirschter und geläuterter Sünder: „Ich schäme mich, dazu beigetragen zu haben, Herrn Trumps unerlaubte Handlungen zu verschleiern, statt auf mein eigenes Gewissen zu hören.“

Cohen präsentiert Belege

Cohen spricht ruhig und gefasst. Und er ist gründlich vorbereitet. So präsentiert er nicht nur Details, sondern auch Dokumente – darunter die Kopie eines von Trump nach Amtsantritt unterzeichneten 35.000-Dollar-Schecks, der eine Teilerstattung für die Stormy-Daniels-Zahlung gewesen sei. Das brisante Dokument soll belegen, dass der Präsident in eine Straftat verwickelt war.

Für mögliche illegale Absprachen mit Moskau hat Cohen hingegen laut eigener Schilderung keine Belege. Doch schildert er eine verdächtige Episode aus dem Juni 2016. Diese deutet womöglich darauf hin, dass Trump entgegen seiner Beteuerungen in das damalige ominöse Treffen zwischen seinem Sohn und einer russischen Anwältin eingeweiht war. Cohen sagt, Donald junior habe dem Vater zugeraunt: „Für das Treffen ist alles vorbereitet“. Und dieser habe geantwortet: „Ok, gut. Gib mir Bescheid“.

Cohen berichtet auch von einem Telefonat zwischen Trump und dessen Vertrauten Roger Stone, in dem es um die bevorstehenden Wikileaks-Veröffentlichungen gegangen sei. Und erneuert der frühere Trump-Adlatus seinen Vorwurf, Trump habe ihn zum Meineid in seinen Aussagen zum Moskauer Immobilienprojekt angestiftet.

Klagsdrohungen gegen Trumps Schulen

Eine von Cohen lancierte Anschuldigung könnte den Präsidenten im fernen Hanoi aber womöglich besonders schmerzen. Laut seiner Schilderung drohte er vormals auf Anweisung seines Ex-Chefs dessen früheren Schulen mit Klagen, sollten sie Trumps Noten veröffentlichen – der selbst ernannte Friedensnobelpreisträger in spe beschreibt sich gerne selber als „Genie“ (APA/AFP)


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