Klimawandel: Alpen droht Erwärmung um mindestens zwei Grad

Ein Forscherteam rechnet im Alpenraum zu allen Jahreszeiten und in allen Höhen mit einem Temperaturanstieg. Die Schneedecke in den Mittelgebirgen geht zurück.

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Bergauf geht es laut einem Positionspapier der Top-Forschungseinrichtungen langfristig auch mit den Temperaturen.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Mehr als 20 Wissenschafter aus 14 Klima- und Sportforschungseinrichtungen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz haben das erste länderübergreifende Positionspapier auf Basis des Forschungsstands zu möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf den Wintersport verfasst. Aus Österreich waren die ZAMG, das MCI, die Akademie der Wissenschaften und die Uni Innsbruck dabei.

Demnach erwarten die Experten unisono, dass sich die Jahresmitteltemperatur im Alpenraum und den Mittelgebirgen (ca. 1500 bis 1800 m) bis Ende des Jahrhunderts um mindestens 2 Grad Celsius erhöhen wird. „Die Zunahme der Temperatur betrifft alle Jahreszeiten“, erklären die Fachwissenschafter. Nur durch tiefgreifende Maßnahmen zur Emissionsreduktion könne dieser Wert unterschritten werden. Marc Olefs von der ZAMG ergänzt, dass die Erwärmung auch hochalpine Lagen betrifft.

Als Folge der Erwärmung werde die für den Schneesport geeignete natürliche Schneedecke langfristig bis in mittlere Lagen im Alpenraum und in den Mittelgebirgen weiter zurückgehen. „Die Dauer der Schneebedeckung verkürzt sich im Spätwinter um Wochen, etwas weniger stark auch im Frühwinter. Die wintertouristischen Kernmonate Januar und Februar sind geringer betroffen“, erklärt Olefs.

In Mittelgebirgslagen werde es weniger Tage geben, an denen es kalt genug ist, um künstlich zu beschneien. Im hochalpinen Gelände bleibe es trotz der zu erwartenden Erwärmung kalt genug, dass Niederschlag als Schnee fällt oder die Schneekanonen angeworfen werden können, so Olefs.

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Aussagen zur nahen Zukunft seien schwieriger zu treffen, weil kurzfristig natürliche Schwankungen den langfristigen Temperaturanstieg überlagern können. Die Kombination aus hohen Schwankungen und kontinuierlicher Erwärmung führe jedoch dazu, „dass es immer wieder neue Temperaturhöchstwerte geben wird“. Beim Niederschlag ließen sich wegen hoher Schwankungen kaum Trends ausmachen.

Es gebe aber Anzeichen dafür, dass durch die Auswirkungen des Klimawandels die Wetterlagen länger andauern und z. B. eine Wintersaison prägen können, meinen die Forscher. Ebenso mehren sich die Anzeichen, dass Extremereignisse sich häufen und verstärken. Die Ursachen müssten noch genauer erforscht werden.

„Uns ist es wichtig, die Diskussion über den Klimawandel und seine Folgen zu versachlichen“, sagt Ralf Roth von der Deutschen Sporthochschule Köln. „Seilbahnbetreibern, Unternehmen, Wintersportverbänden und Destinationen bietet sich auf dieser Basis die Chance, sich an der Herausforderung Klimawandel mit entsprechenden Maßnahmen [...] zu beteiligen“, schreiben die Forscher. Es sollten „ausgewiesene Fachleute [...] eingebunden werden, die [...] eine wissenschaftsbasierte Beratung leisten können“. Zur Zukunftssicherung des Wintersports sei es unter anderem nötig, Angebote zu diversifizieren und erneuerbare Energien zu forcieren. (mas)


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