ARCO-Messe - Eröffnung wurde für König Felipe VI. zum Spießrutenlauf

Madrid (APA) - Für König Felipe VI. wurde die Eröffnung der Madrider Kunstmesse ARCO am Donnerstag zum regelrechten Spießrutenlauf. Am Stand...

Madrid (APA) - Für König Felipe VI. wurde die Eröffnung der Madrider Kunstmesse ARCO am Donnerstag zum regelrechten Spießrutenlauf. Am Stand der finnischen Galerie Forsblom wartete etwa ein Werk von Riiko Sakkinen, das neben einem Bild des Monarchen eine Liste „Unsere Lieblingskönige“ zeigt, auf der sich Felipe hinter den Heiligen Drei Königen, dem „König der Löwen“, King Kong, ja sogar dem Burger King rangiert.

Ein Bild wollte Felipe aber auf jeden Fall verhindern: Fotos am Stand der italienischen Galerie Prometeo. Sie zeigt den neuesten Streich der bekannten spanischen Provokationskünstler Santiago Serra und Eugenio Merino: Sie fertigten im Stil der valencianischen Ninots eine vier Meter hohe, hyperrealistische Nachbildung von König Felipe VI. an.

Ninots sind karikaturistische Darstellungen, um umstrittene Persönlichkeiten im Karnevals-Stil zu kritisieren. Auf den Fallas-Festen in Valencia werden diese Figuren am Ende der Feiern abgefackelt. Und so muss sich auch der Käufer des 200.000 Euro teuren Kunstwerks vertraglich dazu verpflichten, den Monarchen aus Wachs innerhalb eines Jahres öffentlich zu verbrennen. Eine Kritik an der Monarchie und die in Spanien immer noch unter Strafe stehende „Majestätsbeleidigung“, die gerade im Zuge des aktuellen Unabhängigkeitsprozesses in Katalonien immer wieder zum Politikum wurde.

So mieden Felipe VI. und Königin Letizia bei der heutigen ARCO-Eröffnung tunlichst Stände mit zu polemischen Werken - oder zu politischen. Von denen gibt es bei der aktuellen 38. Messe-Ausgabe allerdings eine Menge. Die deutsch-spanische Galeristin Helga de Alevar zeigt die mittelalterlichen Pferde-Schlachtrüstungen von Julian Rosefeldt, mit denen der deutsche Künstler auf die Bedrohung der Demokratie durch Populisten wie Salvini, Bolsonaro, Trump, Le Pen, Farage oder Orban aufmerksam machen will. Umrahmt werden sie von Rosefeldts Foto-Serie Manifest, in welcher der Künstler Hollywoodstar Cate Blanchett in unterschiedlichen Charakteren abbildete, um über Marx, Engels, Guy Debord oder Paul Elouard nachzudenken.

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Werke von Fotokünstlern wie Fernando Baena und Beatriz Sanchez nahmen Spaniens Flüchtlingspolitik unter die Lupe. Der venezolanische Künstler Marco Montiel-Soto vergleicht in seinen Collage-Arbeiten aus Fotografien und Geldscheinen den Untergang des römischen Reichs mit der Zukunft von Nicolas Maduros Regime im heutigen Venezuela.

Zweifelsohne zogen die zahlreichen „politischen“ Werke bisher die Aufmerksamkeit der Medien und Messebesucher auf sich. Dennoch ist auf der ARCO in diesem Jahr auch wieder gute Kunst zu sehen, die nicht polemisiert. Unheimlich präsent sind Videoinstallationen, Keramik und Malerei - vor allem Gemälde von Joan Miro, Tapies und Picasso. Die französische Galerie Lelong bietet den wundervollen Miro „Personnage et oiseau“ für mehr als vier Millionen Euro an. Bei Edward Tyler Nahem steht Jackson Pollocks „Sunscape“ für 2,1 Millionen Euro zum Verkauf.

Unter den 203 Galerien aus 31 Ländern befinden sich auch fünf österreichische Galerien. Die Wiener Galerie Krinzinger bietet interessante Arbeiten von Monica Bonvicini, Secundino Hernandez, Zhang Wei, Marina Abramovic und Jannis Varelas an. Auch die Installationen von Angela de la Cruz und der aus Saudi-Arabien stammenden Künstlerin Maha Malluh ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Auf einem eigenen Messestand stellt Krinzinger zudem die Videoinstallationen und architektonischen Raummodelle des Innsbrucker Künstlers Bernd Oppl vor.

Während sich die Wiener Galerie Crone auf Daniel Lergons grüne Abstraktmalerei, Gemälde von Robert Muntean und Tobias Hofknechts Edelstahl-Installationen konzentriert, stehen bei Rosemarie Schwarzwälder die großformatigen Arbeiten von Luisa Kasalicky, die Werke von Ernst Caramelle und ein kurioser Gemäldefetzentisch von Adrian Schiess im Mittelpunkt.

Besonders interessant sind in der ARCO-Rubrik „Dialoge“ auch die Werke vom Venezolaner Alessandro Balteo-Yazbeck und der mexikanischen Künstlerin Tania Perez Cordova, welche die Wiener Galerie Martin Janda in Madrid vorstellt. In dieser Rubrik sollen jeweils zwei Künstler in den „Dialog“ gesetzt werden. „Alessandro und Tania verbindet vor allem ihr Interesse an Geschichte durch den Einsatz von Alltagsobjekten“, erklärt Galeriedirektorin Elisabeth Konrath der APA. Perez Cordova geht es in ihren Skulpturen von Türen, Kochtöpfen und Dächern vor allem um den Materialverlust, um über den „Moment des Verlustes“ zu philosophieren. Balteo-Yazbeck setzt sich in seinen Fotoarbeiten hingegen kritisch mit der Korruption und Propaganda in seiner Heimat Venezuela auseinander. In seiner Hängematten-Installation, in der eine Fotoarbeit des deutschen Künstlers Holger Niehaus liegt, geht es unterdessen um den Raubbau im Amazonas, die Verteilung und Ausbeutung von natürlichen Ressourcen und die Bedrohung der indigenen Völker durch die Ölindustrie und korrupte Politiker und Wirtschaftsinteressen.

Diese Themen spielen auch bei zahlreichen peruanischen Künstlern eine wichtige Rolle. Kunst aus Peru ist in diesem Jahr auf 31 Ständen vertreten und steht im Fokus der Madrider Kunstmesse, da Peru das diesjährige ARCO-Gastland ist. Mit Peru nimmt ARCO, die besucherstärkste Kunstmesse der Welt, auf der auch in diesem Jahr bis zum 3. März rund 140.000 Besucher erwartet werden, erneut ihre traditionelle Funktion als Brücke zwischen Europa und Lateinamerika wahr.

Zahlreiche Ausstellungen beschäftigen sich auch im Rahmenprogramm der Messe mit Kunst aus Peru. Parallel zur ARCO finden in ganz Madrid zudem zahlreiche Kunstfestivals statt wie ART Madrid, Flecha, Hybrid ART Fair, Drawing Rooms, S - Salon für moderne Kunst, die Streetart-Messe Urvanity oder Woman is Art. Auf der JustMadrid für junge, aufstrebende Künstler zeigt die Klagenfurter Galerie 3 / Flux 23 wundervolle Malereien von Elisabeth Wedenig, Linda Berger und die musikalischen Installationen von Edith Payer.

(S E R V I C E - ARCO Madrid: 27. Februar bis 3. März. Infos unter www.ifema.es/arcomadrid_06)


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