Seefeld zog Bilanz: Breites Lächeln auf den WM-Gesichtern

Schon vor dem heutigen Schlusstag ziehen die Veranstalter eine positive Bilanz. Und die 200.000 Zuschauer während der WM sollten sich ausgehen.

Fantastische Stimmung, begeisterte Fans: Seefeld hat sich bei der WM auch mit Gastfreundschaft ausgezeichnet.
© APA/Gindl

Von Angela Dähling und Peter Nindler

Seefeld — Das nordische Fest geht heute zu Ende. „Unsere Erwartungen wurden voll erfüllt und wurden teilweise sogar übertroffen", lautet die Bilanz zur Weltmeisterschaft in Seefeld von OK-Chef Christian Scherer. Zehn Tage stand die Gemeinde ganz im Zeichen des nordischen Sports. „Das war die beste Werbung für den Sport und den Austragungsort", meint Scherer. Man freue sich auf weitere sportliche Bewerbe in der Region. Laut dem OK-Chef waren über 700 Sportler aus 260 Nationen in Seefeld am Start. 1300 Medienvertreter berichten von dem sportlichen Großereignis.

„Das war die beste Werbung für den Sport und den Austragungsort Seefeld.“
Christian Scherer (OK-Direktor der WM)

Der örtliche OK-Chef und Seefelder Bürgermeister Werner Frießer war am Samstag ebenfalls bereits entspannt. Nur die Stimme lässt wegen der anstrengenden Tagen nach. Schließlich ist Frießer in Seefeld einfach alles. Samstag, um halb sechs in der Früh, musste etwa das Wasser aus dem Auslauf der Sprungschanze gepumpt werden. Fällt der Tausendsassa nach der WM in ein Loch? „Ich muss mir wohl ein neues Projekt suchen", scherzte er. Um sofort wieder in die Rolle des „gschamsten Dieners" für den Empfang der norwegischen Ministerpräsidentin Erna Solberg zu schlüpfen.

„Eine Weltmeisterschaft wirkt langfristig"

Die Nächtigungsbilanz für diesen Februar wird in Seefeld nicht weltmeisterlich ausfallen. Im Gegenteil. „Es werden weniger Nächtigungen sein als sonst im Februar, aber das war uns klar", sagt TVB-Geschäftsführer Elias Walser. Ein Minus von 10 bis 15 Prozent habe man einkalkuliert. „Und ich hoffe, dass es in etwa so sein wird. Genaue Zahlen wissen wir am 10. März", informiert der Tourismusverbandschef.

Durch die WM-Teilnehmer und Betreuer hätten viele Doppelzimmer eine Einzelzimmerbelegung gehabt. Komplett ausgebucht gewesen sei Seefeld auch zu keiner Zeit während der WM. „Einige Gruppen wichen nach Innsbruck und Seefeld aus, weil sie alle in einem Haus unterkommen wollten", erklärt Walser. Sogar bis in die Area 47 habe es WM-Besucher zum Nächtigen verschlagen.

Es gebe Gewinner bei den Bars, Restaurants und etlichen Hotels, aber auch Verlierer. „Dazu zählen abgelegenere Hotels, Skiverleih-Geschäfte und auch einige Skihütten, die ein Vielfaches weniger an Umsatz haben", weiß Walser. „Aber in diesen zehn WM-Tagen wird man hier weder reich noch arm. Es gilt, das ganze langfristig zu sehen", fügt er an. Man habe viele neue Gäste lukrieren können, die wiederkommen wollen. In einem Monat werde eine Wertschöpfungsstudie des MCI zur WM vorliegen.

Die 200.000 Besucher sollten sich bis heute ebenfalls ausgehen, auf jeden Fall, wenn die 8000 von der Eröffnungsfeier hinzugezählt werden.

Unmittelbar profitierte der Seefelder Tourismus laut Elias Walser nicht von der WM. Langfristig betrachtet aber schon.
© Dähling

Dafür, dass alles wie am Schnürchen lief, waren 500 Volunteers und 200 bis 400 Exekutivbeamte im Einsatz. Auch das Bundesheer. Es war laut Tirols Militärkommandant Herbert Bauer täglich mit 30 bis 40 Soldaten im Einsatz. „Sie leisteten etwa 8000 Mannstunden beim Aufbau, der Sicherung von Wegen, die vor allem zu Beginn der WM verschneit und vereist waren. Auch die Betriebsbereitschaft der Tribüne fiel in das Aufgabengebiet der Salzburger Pioniere. Nicht zu vergessen: Die Siegerehrungen, bei denen die Landesfahnen der Erstplatzierten zu hissen waren und Fanfaren durch die Militärmusik erklangen.

„So friedlich wie erwartet"

Mit bis zu 400 Polizisten (an den Berg­isel-Tagen) war die Polizei bei der Seefelder WM im Einsatz. Im Schnitt waren es täglich 200 Polizisten, sagt Bezirkspolizeikommandant Gerhard Niederwieser. Die Bilanz fällt positiv aus. Niederwieser: „Es gab erfreulich wenig Delikte." Einige Verwaltungsdelikte, illegale Gewerbeausübungen und Anstandsdelikte (u. a. Lärmbelästigung) habe man verzeichnet.

Überwiegend agierte die Polizei als Freund und Helfer, etwa wenn WM-Besucher ihr Quartier nicht mehr fanden. „Der Servicegedanke stand im Vordergrund", erklärt Landespolizeidirektor Helmut Tomac. Zudem war der Verkehr zu regeln. Eine Herausforderung war es, kurzfristig 3000 neue Parkplätze zu organisieren, da bestehende im Matsch versanken. Es gelang. Die WM bedeutete 1000 Seiten Sicherheitskonzept und 1000 Seiten Bescheide. Tomac: „Sie wurde als friedlich eingestuft, das bestätigte sich."

Auch für Andreas Knapp, der für das Mobilitätskonzept zuständig war, war die WM ein voller Erfolg. Neun zusätzliche Züge waren täglich im Einsatz, um WM-Besucher von Innsbruck oder München bzw. Garmisch nach Seefeld zu bringen. „Am Mittwoch und Donnerstag kam ein weiterer Zug dazu, weil der Andrang so groß war", freut sich Knapp. Viele hätten kurzfristig Tickets an der Tageskassa gekauft. „Da waren wir unbürokratisch: Wer mit Fahne etc. als Fan erkennbar war, fuhr auch ohne Ticketvorlage gratis. Bei der Rückfahrt musste das Ticket aber vorgezeigt werden", sagt Knapp. Die erwarteten Besucherzahlen seien „mit Sicherheit erreicht worden", betont er.

Am Freitag wurde die 100.000er-Marke bei Bus und Bahn allerdings geknackt. Einige Tausende werden da in der Endbilanz wohl noch vom Wochenende dazukommen.

Gerhard Niederwieser (l.), Helmut Tomac (Mitte) und Edelbert Kohler (2. v. r.) mit einsatzbereiten Polizisten.
© Dähling

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