Arbeitsmarkt

Ein Fahrzeug-Kosmetiker mit Wellness-Ausstattung

Keinen Bereich im Auto vergisst Rüstem Ünal. Mit einem Spezialgemisch und per Pinsel werden beispielsweise die Lüftungsschlitze gereinigt.
© Foto TT / Rudy De Moor

Was Rüstem Ünal in die Hände bekommt, wird sauber, glänzt und duftet. Schmutzige Karossen verwandelt der Autoaufbereiter in Schönheiten.

Von Margit Bacher

Vomp –Rüstem Ünal ist vernarrt in Autos – wie sein Vater, gesteht er lachend. Die Technik unter der Motorhaube, das Design, die verschiedenen Modelle, die Reifen, die Felgen, die Innenausstattung – an Fahrzeugen fasziniere ihn alles, „seit ich denken kann – schon als Kind“, strahlt der gelernte Kfz-Techniker.

Nach knapp zehn Jahren als Mechaniker in einer Auto- bzw. Lkw-Werkstatt kümmert er sich seit letzten Sommer um das optische Erscheinungsbild von Autos – innen und außen. Ünal ist Autoaufbereiter. Er pflegt und reinigt Fahrzeuge, mit entsprechenden Techniken, chemischen Mitteln und mithilfe von Gerätschaften und Werkzeugen. Sauberkeit habe er von seiner Mutter vorgelebt bekommen und das sei – so der Älteste von insgesamt drei Geschwistern – nun sein großer Vorteil. Sein Vorrat an Pflegematerialien und -equipment ist erstaunlich. Für jed­e noch so winzige Problemzone hat Ünal die passende Reinigung oder Pflege. „Ein Wundermittel hole ich extra aus Italien. Damit kriegst du alles sauber – wirklich alles“, schwärmt der 24-Jährige.

Das Fachwissen für seinen Beruf hat sich der gebürtige Schwazer selbst beigebracht und dafür auch unzählig­e Fachschulungen in halb Europ­a absolviert. Seit August 2018 bietet er seine Dienste unter dem Firmennamen „Car Clean Cosmetics“ an – als freie­s Gewerbe. Gestartet werde immer mit einer Grundreinigung, erzählt der Autofan: „Zuerst wird das Auto gewaschen und getrocknet. Dann wird der gesamte Innenraum gesaugt und entstaubt“, erzählt Ünal – aber das sei eben nur die Basisarbeit. Dann geht’s um die Frage, was möchte der Kunde: Lack ein- oder zweimal versiegeln, mit Nanotechnik oder normal. Haben sich Baumharze in den Lack gebrannt, rückt er diesen Dingen mit Spezialtechniken und Chemikalien zu Leibe.

In seiner Werkstatt hat der Aufbereiter zusätzlich vier Leuchtkörper montiert, um beim Polieren jedes noch so kleine Hologramm zu beseitigen.
© Foto TT / Rudy De Moor

Aber egal, was bei der Auto­pflege gerade ansteht, ob saugen, Flecken entfernen oder die Lackpflege: Jeder Handgriff wird äußerst sorgfältig und mit höchster Konzentration ausgeführt. Und damit Ünal auch wirklich alle Schlieren oder Hologramme auf dem Lack sieht, hat er sein­e Werkstatt lichttechnisch extra aufgerüstet und vier Spezial-Leuchtkörper eingebaut. Seinen Putz- und Reinigungskünsten vertraue­n nicht nur Privatpersonen, sondern auch Autohäuser oder Kfz-Werkstätten. Ünal reinigt ganze Lkw- und Bus-Flotten – mobil. Auch Traktoren und Luxus­autos werden von ihm auf Hochglanz poliert. „In dem Beruf darfst du dich nicht grausen. Du hast keine Ahnung, was du da alles zu sehen bekommst“, sagt der Jungunternehmer. Aber das sei für ihn kein Problem, „denn dazu bin ich ja da“. Wenn Ünal die picobello geputzten Fahrzeuge übergibt, muss eines für ihn zu 100 % passen: „Die Reifen, auch die müssen bei mir sauber sein und glänzen.“

TT-Berufsporträt

Voraussetzung: gute körperliche Verfassung, Unempfindlichkeit gegenüber Staub, chemisches Verständnis, handwerkliches Geschick, Aufmerksamkeit, Kundenorientierung, Kommunikationsfähigkeit, Hygienebewusstsein, Umweltbewusstsein, systematische Arbeitsweise, Organisationsfähigkeit, Diskretion und Verschwiegenheit.

Ausbildung: In Westösterreich bietet das Wifi Salzburg die Ausbildung zum Autoaufbereiter an. Der Grundkurs umfasst 16 Lehreinheiten.