Dresdner Barock bis neue estnische Musik - Klassiknews
Wien (APA) - *...
Wien (APA) - *
Barockmesse für den heiligen Joseph (Carus): Frieder Bernius hat mit seinem Kammerchor Stuttgart Jan Dismas Zelenkas beeindruckende „Missa Sancti Josephi“ eingespielt, ein frühes Werk des böhmischen Komponisten, der am Dresdener Hof wirkte. Für die Musikpraxis war dieses Werk bisher verloren, da die autografe Partitur als einzige erhaltene Quelle im Jahre 1945 schwer beschädigt worden war. Eine Rekonstruktion war mittlerweile möglich und liegt nun erstmals in einer Edition beim Carus-Verlag vor, auf deren Grundlage auch die Aufnahme erfolgte. Bernius arbeitete mit exzellenten Solisten zusammen, darunter erstmals mit der jungen Sopranistin Julia Lezhneva. Ergänzt wird die Einspielung durch die Zelenkas Psalmkompositionen „De profundis“ sowie „In exitu Israel“.
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Von Rameaus bis zur estnischen Moderne (Paschenrecords): Unter dem Titel „Gewaltakt“ hat das junge ensemble reflektor aus Hamburg Musik aus unterschiedlichen Epochen nebeneinandergestellt. Beethovens „Coriolan“-Ouvertüre machte den Anfang, sie wird ebenso mit Ecken und Kanten gespielt wie die 5. Symphonie des Komponisten, die am Ende der Einspielung steht. Innerhalb dieser klassischen Klammer findet sich „Entree pour les Muses“ aus Jean-Philippe Rameaus Oper „Les Boreades“, ein ernst-dunkler Zwischenton. Beim darauffolgenden Stück des estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür scheinen aus der barocken Fülle noch einzelne Klangbilder übrig geblieben zu sein, die sich zu einem intensiv-kargen Muster fügen. Dem Kammerorchester ist mit dieser CD ein ungewöhnlicher Blick auf scheinbar Bekanntes gelungen.
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Weltliche Musik des Frühbarock (Carus): Vom deutschen Komponisten Heinrich Schütz ist in erster Linie geistliche Musik überliefert. Im Zuge der ersten Schütz-Gesamteinspielung sind nun seine Lieder und Hochzeitsmusiken auf CD erschienen und können als Zeugnis seiner meisterhaften Madrigalkunst, die er sich in Venedig aneignete, angehört werden. Die farbenprächtigen Werke zeichnen ein anderes Bild des Komponisten, sie machen seine spielerischen Sprachbilder und seinen feinen Witz sichtbar. Ausgezeichnete Solisten wie Dorothee Mields, Georg Poplutz und Isabel Schickedanz und Instrumente wie Zinken, Posaunen und Gamben ergeben ein stimmiges Klangbild, das vom Dresdner Kammerchor unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann ergänzt wird.
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Symphonie eines Grazer Komponisten (cpo): Joseph Marx (1882-1964) war zu Lebzeiten ein angesehener Komponist, dessen spätromantisch-impressionistische Werke allerdings nach seinem Tod fast völlig aus den Konzertsälen verschwanden. Die Grazer Philharmoniker haben nun unter Johannes Wildner seine 1920/21 entstandene „Herbstsymphonie“ eingespielt. Dabei handelt es sich weniger um eine Symphonie, sondern eher um eine mehrsätzige Rhapsodie von gewaltigen Ausmaßen, sowohl von der Besetzung als auch der Aufführungsdauer von fast 70 Minuten. Die einzelnen Teile tragen die Bezeichnungen „Ein Herbstgesang“, „Tanz der Mittagsgeiger“, „Herbstgedanken“ und „Ein Herbstpoem“ und lassen erkennen, dass es sich um Stimmungsbilder rund um das Abschiednehmen und Hinsterben der Natur handelt. Das Grazer Orchester bleibt der Musik weder aufrührende Leidenschaft noch schöne melancholische Bögen schuldig.