Schwazer Trompeter Franz Hackl: Tiroler Vibes in Harlem

Jazztrompeter Franz Hackl und Mitglieder der Wiener Philharmoniker spielten in einem Lokal in New York auf. Musik aus der Tiroler Heimat durfte dabei nicht fehlen.

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Jazztrompeter Franz Hackl und Mitglieder der Wiener Philharmoniker spielten in einem Lokal in New York auf. Musik aus der Tiroler Heimat durfte dabei nicht fehlen.
© Ahrens

Aus New York: Angelika Ahrens

New York –„Alle Schweinereien sein erlaubt. Spielts spacig, so als obs ihr auf die Berg seids.“ Der Schwazer Trompeter Franz Hackl gibt bei der kurzfristig anberaumten Probe in New York den Ton an. Hackl, einer der erfolgreichsten Auslandsösterreicher und Jazzlegende in New York, hat mit einigen Mitgliedern der Wiener Philharmoniker sichtlich seine Gaudi im Big Appl­e. Und die Philharmoniker ebenso.

Während es schwierig ist, noch an Karten für Konzerte in der Carnegie Hall zu kommen, spielt diese spezielle „Band“ einfach so wenig später in einem winzigen Lokal in Harlem auf, am Sugar Hill. Es ist das Zentrum, wo sich der Jazz im 19. Jahrhundert entwickelte und florierte. Dort, wo schon Jazz-Legenden wie Duke Ellington, Louis Arm­strong oder Billie Holiday gespielt haben.

Das Lokal gehört Daniel Schnyder, einem der führenden Schweizer Musiker und Komponisten, sozusagen ein Nachbar von Franz Hackl in Harlem. „Ich wollte schon immer mal da spielen, wo der Rhythmus zu Hause ist“, meint Christoph Gigler, der sonst eigentlich Tubist bei den Wiener Philharmonikern ist. Für den Gig in Harlem hat er eigens seine Diatonische aus Österreich mitgebracht.

Franz Hackl und die Blechbläser Christoph Gigler, Josef Reif, Mark Gaal, Dietmar Kübl- böck sowie Valerie Schatz am Kontrabass haben innerhalb kürzester Zeit ein einstündiges Programm zusammengestellt. Eine Mischung aus Tiroler Volksweisen und Jazz.

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Teilweise haben sie sogar eigene Kompositionen für diesen Abend in Harlem mitgebracht. Im Programm sind aber auch Stücke wie „Tirolerland“, „Mondnacht“ und „Abendsonne“ oder der „Bärnbach Walzer“, der „Gamsjaga“-Marsch und „Edelweiss“.

Und damit hatte man letztendlich auch das US-amerikanische Publikum komplett berührt und in der Hand. „Edelweiss – die heimliche Nationalhymne“, lacht Franz Hackl. Das Stück „Edelweiss“ ist durch das amerikanische Musical „Sound of Music“ und die Trapp-Familie sogar bis in den kleinsten Winkel von Harlem bekannt. Lora, die in der Nachbarschaft wohnt, ist begeistert: „Edelweiss, diesen Song kennt hier jeder!“

Auch die Musiker wie Christoph Gigler freuen sich über das gelungene Zusammenspiel: „Wir haben letzte Woche noch gar keine Stückeln beisammengehabt, wir kommen direkt vom Opernball.“

Franz Hackl fordert die Mitglieder der Philharmoniker zum Mitsingen auf. Zum Beispiel, als sie „Mir ist’s gleich“, ein Wienerlied aus dem Film die „Deutschmeister“ mit Rom­y Schneider und Hans Moser, anstimmen.

Hackl lebt mittlerweile seit fast 30 Jahren in New York, zusammen mit seiner aus Haiti stammenden Frau Rose und ihrem gemeinsamen Sohn Unico. Er ist damals nach NY gekommen, weil er von den Besten der Besten lernen wollte. Und weil er Jazzmusik hier nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis studieren konnte.

Die Chance bekam der 52-Jährige schnell, als sein Lehrer, der Komponist und Jazztrompeter Lew Soloff, ihn als Ersatz zu Konzerten schickte. Hier in Harlem verkauft Hackl auch Trompeten und Flügelhörner, die er gemeinsam mit seinem Vater in Schwaz in Tirol baut.


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