Russischer Premier spricht in Bulgarien über Gas und Atomkraftwerke
Sofia/EU-weit (APA) - Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew beginnt am Montag auf Einladung des bulgarischen Regierungschefs Bojko Bor...
Sofia/EU-weit (APA) - Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew beginnt am Montag auf Einladung des bulgarischen Regierungschefs Bojko Borissow einen zweitägigen Besuch in Sofia, bei dem Energielieferungen im Fokus stehen sollen. Russland sei bereit, in das auf Eis gelegte umstrittene Projekt zum Bau eines zweiten AKW in Bulgarien einzusteigen, erklärte Vize-Ministerpräsident Sergej Prichodko am Vorabend der Visite.
Der staatliche Konzern Rossatom könne die Fertigstellung des Atomkraftwerks bei Belene an der Donau „in kurzer Frist“ abwickeln, hieß es. Wie das bulgarische Staatsradio BNR meldete, reist Medwedew mit einem konkreten Vorschlag zur Finanzierung des AKW-Projektes nach Bulgarien. „Sobald Sofia die entsprechende Entscheidung trifft, können wir in die Verhandlungen über die konkreten Ausmaße des Projekts einsteigen“, zitiert der Sender Prichodko.
Das über 30 Jahre alte Belene-Projekt ist immer wieder gestartet und aufgegeben worden, weil erhebliche Zweifel an seiner Wirtschaftlichkeit bestehen. Die Anlage sollte anfänglich von der Rossatom-Tochter Atomstroyexport gebaut werden, die bereits auch die beiden 1.000-MW-Reaktoren angeliefert hat. Nach einem negativen wissenschaftlichen Gutachten erwarten Beobachter in Sofia, dass die konservative Regierung Bulgariens eine Finanzierung aus Russland in Erwägung ziehen wird. Anlass für diese Vermutung gibt das Beispiel des ungarischen Atomkraftwerks Paks, das mit russischen Geldern erweitert werden soll.
Die zweitägige Visite von Ministerpräsident Medwedew, bei der er auch Staatspräsident Rumen Radew treffen soll, gilt als ein Zeichen für eine Wiedererwärmung der Beziehungen, nachdem das Erdgasprojekt South Stream 2014 auf Druck der EU und der USA gescheitert war. Die Pipeline vom russischen Küstenort Anapa am Schwarzen Meer sollte russisches Gas durch Bulgarien bis nach Österreich liefern.
Das Projekt des russischen Staatskonzerns Gazprom scheiterte jedoch am Dritten Energiepaket der EU, das die Trennung des Netzbetriebs von Vertrieb und Erzeugung vorsieht und somit für Wettbewerb sorgen und die Verbraucherrechte schützen soll. Gazprom trat beim gescheiterten South-Stream-Projekt als Versorger und Netzbetreiber zugleich auf.
Nun gilt eine Abzweigung der im Bau befindlichen russisch-türkischen Erdgasleitung Turkish Stream als Ersatzprojekt. Sie soll nach vollständiger Fertigstellung durch das Schwarze Meer bis zur türkischen Küste rund 100 Kilometer westlich von Istanbul führen und von dort aus an ein schon bestehendes Netz angeschlossen werden. Durch zwei Stränge sollen dann jährlich bis zu 31,5 Milliarden Kubikmeter Gas fließen.
Turkish Stream soll voraussichtlich noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. „Mindestens die Hälfte“ der Gaslieferung werde an Europa gehen, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Ende November bei der Einweihung eines Teilabschnitts der Pipeline in Istanbul. Gazprom will durch die beiden Stränge von Turkish Stream ab 2022 auf den Transit durch die Ukraine verzichten, kommentieren Energieexperten.
Die Betreiber in Ungarn, der Slowakei und Österreich haben bereits eine Auktion für die Reservierung neuer Kapazitäten (open season) ab Oktober 2022 für sieben Jahre durchgeführt.
~ WEB http://www.gazprom.com/ ~ APA155 2019-03-04/11:14