Krieg gegen IS

Kalifat des IS hielt drei Jahre: Aufstieg und Fall der Terrormiliz

In Baghouz befanden sich die letzten Stellungen des IS.
© AFP

Vor drei Jahren rief Daesh-Chef Abu Bakr al-Baghdadi ein Kalifat aus. Nun ist die Terrormiliz zumindest von ihrem Gebietsanspruch am Ende. Eine Übersicht über die Geschichte des „IS“.

Beirut – Die Jihadistenmiliz IS (Daesh) steht in ihrer letzten Enklave im ostsyrischen Baghouz an der Grenze zum Irak vor der Niederlage. Eine Übersicht über Aufstieg und Fall der von der UNO als terroristische Vereinigung eingestuften Organisation, die zeitweise weite Teile des Irak und Syriens eingenommen und über die Staatsgrenzen hinweg ein Kalifat ausgerufen hatte.

November 2004 – Im Chaos, das nach der 2003 von den USA angeführten Invasion im Irak herrscht, bildet sich eine Splittergruppe der Extremistenorganisation Al-Kaida, die für die Anschläge vom 11. September 2011 in den USA verantwortlich zeichnet. Sie ändert 2006 ihren Namen in „Islamischer Staat im Irak“.

2011 – Nach Ausbruch des Syrien-Konflikts schickt der Chef der Gruppe, Abu Bakr al-Baghdadi, Gefolgsleute nach Syrien, um dort einen Ableger aufzubauen. Baghdadi bricht 2013 mit Al-Kaida, geht nach Syrien und benennt die Organisation um in „Islamischer Staat im Irak und Syrien“ (ISIS).

2014 – Die Eroberungen von Falluja im Irak und Raqqa in Syrien zu Beginn des Jahres sind der Ausgangspunkt für den militärischen Feldzug des IS in beiden Ländern. Im Juni nehmen die Jihadisten im Irak Mossul (Mosul) und Tikrit ein und dringen weit auf syrisches Gebiet vor. In der Großen Moschee von Mossul benennt Baghdadi die Organisation in „Islamischer Staat“ (IS) um und ruft ein Kalifat aus.

In seinem Herrschaftsgebiet regiert der IS mit brutaler Gewalt. Im Irak tötet er in Sinjar Tausende Angehörige der Minderheit der Yeziden (Jesiden) und verschleppt über 7000 Frauen und Mädchen als Sex-Sklavinnen. In Syrien massakriert der IS Hunderte Angehörige des Sheitaat-Stammes. Westliche Gefangene werden enthauptet, die Bilder davon als Propaganda im Internet verbreitet.

Das von den Vereinten Nationen als Völkermord eingestufte Vorgehen des IS gegen die Yeziden veranlasst die USA, eine Anti-IS-Koalition zu schmieden und mit Luftangriffen zu beginnen, um den Vormarsch der Jihadisten zu stoppen. Zudem unterstützen die USA die syrische Kurdenmiliz YPG im Kampf um die Rückeroberung der Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei.

2015 – Mit den Attentaten auf die satirische Zeitschrift „Charly Hebdo“ und einen Supermarkt für koschere Lebensmittel in Paris beginnt eine weltweite Anschlagserie, zu der sich der IS bekennt. In Libyen enthaupten Jihadisten Christen und schwören dem IS Gehorsam. Militante in anderen Ländern folgen dem Beispiel, operieren aber unabhängig voneinander.

Im Mai nehmen IS-Kämpfer Ramadi im Irak und die historische Wüstenstadt Palmyra in Syrien ein, wo sie zum Welterbe zählende antike Tempel zerstören. Gegen Ende des Jahres wendet sich das Blatt aber gegen den IS, und er ist in beiden Ländern auf dem Rückzug.

2016 – Im Juni erobern die irakischen Streitkräfte Falluja zurück, die erste Stadt, die der IS unter seine Gewalt gebracht hatte. Im August vertreiben die von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) mit der Kurdenmiliz YPG an der Spitze den IS aus der syrischen Stadt Manbij. Beunruhigt durch die kurdischen Vorstöße in der Nähe ihrer Grenze startet die Türkei eine Offensive in Syrien gegen den IS und die YPG.

2017 – Das Jahr wird zu einem Jahr der Niederlagen für den IS. Im Juni verliert er im Irak den Kampf um Mossul, und Baghdadi erklärt das Endes des Kalifats. Im September erobern die syrischen Streitkräfte mit Unterstützung Russlands und des Iran Deir al-Zor im Osten des Landes zurück und bringen das Gebiet bis zum Grenzfluss Euphrat wieder unter ihre Kontrolle. Einen Monat später vertreiben die SDF den IS aus seiner syrischen „Hauptstadt“ Raqqa.

2018 – Die syrischen Streitkräfte erobern das südlich von Damaskus gelegene Yarmouk sowie Enklaven an der Grenze zu den von Israel besetzten Golan-Höhen zurück. SDF-Einheiten rücken aus dem Nordosten nach Süden entlang des Euphrats vor, während die irakischen Streitkräfte auf der anderen Seite des Flusses die Grenzregion wieder voll unter ihre Kontrolle bringen. US-Präsident Donald Trump kündigt zur Verwunderung seines Militärs den Abzug der US-Truppen aus Syrien an.

2019 – Die SDF nehmen den Kampf um die letzte IS-Enklave in Syrien, Baghouz, auf. (APA/Reuters)