Guaido warnt vor seiner „Entführung“ bei Rückkehr nach Venezuela
Caracas (APA/AFP/Reuters) - Der selbsternannte venezolanische Übergangspräsident Juan Guaido hat Staatschef Nicolas Maduro davor gewarnt, ih...
Caracas (APA/AFP/Reuters) - Der selbsternannte venezolanische Übergangspräsident Juan Guaido hat Staatschef Nicolas Maduro davor gewarnt, ihn am Montag bei seiner Rückkehr in seine Heimat festnehmen zu lassen. Ihn zu „entführen“ wäre „zweifellos einer der letzten Fehler“ der Maduro-Regierung, sagte Guaido am Sonntagabend in einer Online-Videobotschaft. Für Montag rief er zu neuen Massenprotesten auf.
Guaido ist inzwischen von rund 50 Staaten, darunter Österreich, als Übergangspräsident anerkannt. Er will Maduro aus dem Amt drängen und Neuwahlen organisieren. Am 23. Februar war der Oppositionsführer trotz eines Ausreiseverbots ins benachbarte Kolumbien gereist. Zudem besuchte er in den folgenden Tagen Brasilien, Paraguay, Argentinien und Ecuador. Sein Gegenspieler Maduro hat angekündigt, dass sich Guaido wegen der unerlaubten Ausreise in Venezuela vor Gericht verantworten muss.
Die venezolanischen Behörden ermitteln gegen den Oppositionspolitiker und Parlamentspräsidenten, weil er sich am 23. Jänner zum Interimsstaatschef erklärt und zu Maduros Sturz aufgerufen hatte. Die Behörden hatten Guaido wegen der gegen ihn laufenden Ermittlungen die Ausreise aus Venezuela untersagt.
Am Sonntag kündigte Guaido im Onlinedienst Twitter seine Rückkehr nach Venezuela an und forderte seine Landsleute zu neuen Massenprotesten gegen Maduro auf. Die Venezolaner sollten am Montag ab 11.00 Uhr (Ortszeit, 16.00 Uhr MEZ) „im ganzen Land“ auf die Straße gehen. In der Videobotschaft, die Guaido zusammen mit seiner Frau aufnahm, nannte er seine Rückkehr eine „historische Herausforderung“. Für den Fall einer Festnahme habe er „Vorsorge getroffen, was geschehen solle“, sagte Guaido, ohne Details zu nennen.
Unklar war zunächst, wann genau und wie Guaido zurück ins Land kommen will. Als wahrscheinlichstes Szenario gilt ein Flug von der kolumbianischen Hauptstadt Bogota nach Caracas. Es ist aber auch möglich, dass der 35-Jährige versucht, auf dem Landweg über die kolumbianische Grenze zu kommen. Auf diesem Weg war er vor gut einer Woche auch ausgereist. Nach eigenen Angaben wurde er dabei vom venezolanischen Militär unterstützt, das bisher die wichtigste Stütze von Staatschef Maduro war.
Guaido hatte sich zuletzt in Ecuador aufgehalten. Am Samstag war er in der Küstenstadt Salinas mit dem ecuadorianischen Staatschef Lenin Moreno und venezolanischen Flüchtlingen zusammengetroffen. Am Sonntag reiste er aus Salinas ab, ohne sein Reiseziel zu nennen.
Die USA drohten Maduro mit nicht näher genannten Konsequenzen, sollte Guaido festgenommen werden. Wenn Maduro das täte, würde er damit nur seinen Abgang beschleunigen, sagte US-Sicherheitsberater John Bolton am Sonntag.
Auch de EU warnte die venezolanische Regierung vor einer Festnahme Guaidos bei dessen Rückkehr. In einer Erklärung der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini vom Samstagabend hieß es, jegliche Maßnahme, die Guaidos „Freiheit, Sicherheit oder persönliche Integrität“ gefährde, werde die Spannungen erheblich eskalieren. Auch die USA und andere Verbündete äußerten sich besorgt um seine Sicherheit.
Nach Einschätzung von Beobachtern in Venezuela steht Maduro vor einem Dilemma: Wenn er Guaido festnehmen lässt, muss er erneut mit scharfer Kritik im In- und Ausland rechnen, wie der Politikexperte Luis Salamanca sagte. Wenn er ihn aber unbehelligt einreisen lasse, werde dies als weiterer Autoritätsverlust für den unter Druck stehenden Staatschef gewertet. Eine militärische Intervention muss Maduro nach Einschätzung von Experten indes weiterhin nicht fürchten.