Coface: Türkische Unternehmen leiden unter schwacher Binnennachfrage
Wien (APA) - Der Kreditversicherer Coface sieht die Türkei weiterhin als ein stark risikobehaftetes Land für Unternehmen an. Firmen litten v...
Wien (APA) - Der Kreditversicherer Coface sieht die Türkei weiterhin als ein stark risikobehaftetes Land für Unternehmen an. Firmen litten vor allem unter der schwachen Nachfrage innerhalb des Landes, während die abgestürzte Lira die Exporte anheize.
„Das Land erlebt eine starke wirtschaftliche Verlangsamung und einen Inflationsschub als Folge der starken Abwertung der Lira im Jahr 2018“, teilte Michael Tawrowsky, Country Manager für die Türkei bei Coface Österreich, am Montag mit. Am härtesten treffe die starke Teuerung Sektoren, die stark von der Binnennachfrage abhängig seien - wie etwa das Baugewerbe, der Einzelhandel sowie die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT).
Im vergangenen Jahr verlor die Lira gegenüber dem Dollar rund 30 Prozent an Wert. Die Inflation lag laut amtlichen Daten aus der Türkei zuletzt wieder knapp unter 20 Prozent, konkret belief sie sich im Februar im Vergleich zum Vorjahr auf 19,67 Prozent. Ihren Höchststand hatte die Teuerung im Oktober mit rund 25 Prozent erreicht.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will die Inflationsrate aber wieder auf 6 bis 7 Prozent eindämmen. Um dies zu erreichen, hat die Regierung kürzlich die Steuern für Konsumgüter gesenkt und Strafen für diejenigen angekündigt, die Preise künstlich hochzuhalten versuchten.
Bei Coface sieht man derartige Maßnahmen verhalten positiv: „Staatliche Maßnahmen haben zwar dazu beigetragen, einem weiteren Anstieg der Inflation entgegenzuwirken und einige Branchen vorübergehend zu unterstützen. Eine vollständige Erholung wird allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagte Tawrowsky.
Bis dahin profitiert den Angaben zufolge vor allem die türkische Exportindustrie von der schwachen Lira und stützt damit die dortige Wirtschaft. 2018 stiegen deren Ausfuhren laut Coface um 7 Prozent auf 168 Mrd. Dollar, (rund 148 Mrd. Euro) die wichtigste Exportbrache war der Automobilsektor mit einem Anteil von 17 Prozent. Der Sektor lebe von der guten Konjunktur in Europa: Rund die Hälfte aller türkischen Automotive-Exportgüter sei im abgelaufenen Jahr in europäische Länder gegangen, schreibt der Kreditversicherer. Auch die weiteren Exporterlöse würden daher von der Widerstandsfähigkeit des europäischen Wachstums abhängen.
Auch im neuen Wirtschaftsprogramm der türkischen Regierung für 2019 und 2020 nehme die Exportindustrie eine wesentliche Rolle ein und solle gezielt gefördert werden, so Coface in einer Aussendung. Ein Hemmschuh für den Ausbau könne jedoch das „niedrige technologische Niveau und die begrenzte Wettbewerbsfähigkeit“ des Landes sein.
Die Coface-Länderrisikobewertung für die Türkei wurde bereits im Juni des vergangenen Jahres auf hoch (C) herabgestuft. Der Kreditversicherer bewertet 160 Länder auf einer achtstufigen Skala von A1 bis A4, B, C, D und E.