Sorge um Zivilisten verlangsamt Offensive auf letzte IS-Bastion

Baghouz (APA/AFP) - Im Kampf um das syrische Dorf Baghus stehen offenbar weitere Evakuierungen bevor. Ein Sprecher der Syrischen Demokratisc...

Baghouz (APA/AFP) - Im Kampf um das syrische Dorf Baghus stehen offenbar weitere Evakuierungen bevor. Ein Sprecher der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) sagte am Montag, der Angriff auf die letzte Bastion der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) werde dadurch behindert, dass sich dort noch Zivilisten aufhielten.

Vergangene Woche waren nach SDF-Angaben tausende Zivilisten sowie aus IS-Gefangenschaft befreite Kämpfer aus Baghus in Sicherheit gebracht worden.

„Wegen einer kleinen Anzahl von Zivilisten, die vom Daesh als menschliche Schutzschilde festgehalten werden, verlangsamen wir unsere Offensive auf Baghus“, sagte SDF-Sprecher Mustefa Bali. „Um ihnen nicht zu schaden, rücken wir langsam vor.“ Die SDF-Truppen, deren Rückgrat die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bilden, belagern Baghus seit Monaten. Sie werden unterstützt von der US-geführten Anti-IS-Koalition.

Nach heftigen Kämpfen am Wochenende war die Situation an der Front am Montag ruhig. Am Himmel über dem Dorf waren Militärflugzeuge zu sehen. Ein Kommandant sagte, der Vorstoß sei langsamer geworden, seit am Sonntag Angehörige von IS-Kämpfern das Gebiet verlassen hatten. „Wir rechnen damit, dass heute weitere von ihnen herauskommen“, sagt er. Eine genaue Zahl gebe es aber nicht.

Die Jihadisten, die Baghus derzeit verteidigen, sind nach SDF-Angaben überwiegend Ausländer. Obwohl sie schlechter bewaffnet und klar in der Unterzahl sind, leisten sie starken Widerstand. Dabei hilft ihnen ein großes Netzwerk an Tunneln unter dem Dorf. Seit Freitag wurden mehrere IS-Positionen in Baghus durch Luftangriffe zerstört, über dem Ort stiegen schwarze Rauchschwaden auf.

Eine Eroberung von Baghus würde das Ende des vom IS begründeten „Kalifats“ bedeuten. Zu seiner stärksten Zeit vor mehr als vier Jahren umfasste es große Teile Syriens und des Iraks.

Die Familien mehrerer französischer Jihadisten sagten, es hielten sich weiterhin Frauen und Kinder in Baghus auf.