Bruder von Straßburg-Angreifer wegen Anschlagsdrohungen verurteilt
Straßburg (APA/AFP) - Knapp drei Monate nach dem Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt ist der ältere Bruder des Angreifers wegen Ans...
Straßburg (APA/AFP) - Knapp drei Monate nach dem Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt ist der ältere Bruder des Angreifers wegen Anschlagsdrohungen verurteilt worden. Ein Gericht in der elsässischen Stadt verhängte am Montag eine sechsmonatige Gefängnisstrafe gegen Malek Chekatt und setzte sechs weitere Monate Haft zur Bewährung aus.
Allerdings ordnete das Gericht keine sofortige Überstellung des 38-Jährigen in eine Haftanstalt an. Vermutlich wird Chekatt die Haftstrafe nicht antreten müssen. Das Gericht ordnete aber für die zweijährige Bewährungszeit an, dass Chekatt arbeitet und sich behandeln lässt.
Das Gericht blieb mit dem Strafmaß unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von einem Jahr Gefängnis. Der Vorsitzende Richter Philippe Schneider sagte, er wolle Chekatt „nicht dafür zahlen lassen, dass er der ‚Bruder von‘ ist“ - auch wenn der Verurteilte „die Tatsache genutzt hat, der ‚Bruder von‘ zu sein, um Angst zu verbreiten“.
Der ältere Bruder des Straßburg-Angreifers Chérif Chekatt war am vergangenen Freitag festgenommen worden. Der mehrfach vorbestrafte Mann hatte auf Facebook Nachrichten und ein Foto mit Waffen veröffentlicht, die als Anschlagsdrohung interpretiert wurden. Die Waffen waren allerdings nicht echt, wie sich später herausstellte.
Die Staatsanwaltschaft erklärte, Chekatt habe Aufmerksamkeit auf sich und seine Probleme lenken wollen. Der 38-Jährige ist seit dem von seinem Bruder verübten Anschlag arbeitslos und hat nach Angaben seines Anwalts vor Kurzem das Sorgerecht für seinen Sohn verloren. Der Angeklagte selbst sagte vor Gericht, er habe eine „Dummheit“ begangen.
Sein jüngerer Bruder Chérif Chekatt hatte am 11. Dezember in der Nähe des Straßburger Weihnachtsmarkts auf Passanten geschossen und sie mit einem Messer angegriffen. Er tötete fünf Menschen. Nach einer zweitägigen Großfahndung wurde Chekatt von der Polizei erschossen. Er hatte vor seiner Tat der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) die Treue geschworen.