Versetzung ärgert Kirchenvolk in Kufstein: Abgang wirklich freiwillig?
Stadtpfarrer Thomas Bergner verlässt Kufstein, wie die Erzdiözese mitteilt. Damit will sich nicht jeder abfinden, viele glauben an einen nicht ganz freiwilligen Abgang.
Von Wolfgang Otter
Kufstein –Seit Längerem absolviert der beliebte Kufsteiner Dekan Thomas Bergner Erholungs- und Rehabilitaionsaufenthalte, nachdem er eine gesundheitliche Krise hinter sich hat. Eine, die nun einen kompletten Neustart notwendig mache, wie von Roland Rasser, Generalvikar und „Personalchef“ der Erzdiözese Salzburg auf Anfrage der TirolerTageszeitung zu erfahren ist. Am besten finde dieser in einer anderen, kleineren Pfarre statt, die weniger herausfordernd als die jetzige in Kufstein sei.
Dekan Thomas Bergner wird also St. Vitus verlassen. Der Abschied des Festungsstädter Pfarrherrn wirbelt aber einigen Staub auf und erzeugt bei manchem Kufsteiner, darunter nicht nur bei Katholiken, einige Fragen. Der Seelsorger ist wegen seiner Geselligkeit und seines lockeren Umgangs bekannt und äußerst beliebt.
Bergner war 2011 als Pfarrprovisor in die Festungsstadt gekommen. 2016 wurde er als Pfarrer für den Pfarrverband Kufstein eingesetzt. Entsprechend groß sei die Aufgabe, betont Generalvikar Rasser – und belastend, wie er hinzufügt.
Auch seitens des Pfarrgemeinderates St. Vitus/Kufstein wird betont, dass Bergner „gemeinsam mit Rasser im besten Einvernehmen zu dem Entschluss gelangt ist, diesen Schritt aus gesundheitlichen Gründen zu gehen“. Eine Verlautbarung, die auch in der Kirche verlesen wird. Bergner selbst ist derzeit für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Diese Freiwilligkeit wird aber hinterfragt. So mancher vermutet, dass man auf den Pfarrer aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme Druck ausgeübt habe, die Dekanatsstelle zu verlassen. Dieser Druck sei auch aus den Reihen des Pfarrgemeinderats gekommen, weil sie mit Bergners Art nicht mehr konnten, heißt es. Pfarrgemeinderatsobmann Thomas Oberhuber weist das aber zurück. Auch er bedauert den Abgang des Pfarrers, sieht aber ebenfalls für Bergner selbst die beste Lösung darin.
Trotz der Beteuerungen aus kirchlichen Kreisen hat sich der Kufsteiner Gemeinderat Horst Steiner in einem offenen Brief an Erzbischof Franz Lackner in Salzburg gewandt: „Die bevorstehende Versetzung des beliebten und anerkannten Pfarrers ist ein großes Thema in Kufstein. Die Meinungen darüber reichen vom völligen Unverständnis bis hin zur Empörung über diesen weit reichenden Schritt.“ Und es geschehe in einer Zeit, in der „die Kirche selbst seit Jahren mit den diversesten Schwierigkeiten zu kämpfen hat“, warnt GR Steiner. Es möge schon sein, „dass Thomas Bergner für manche aus dem Bereich der Kirche menschliche Schwächen gezeigt hat. Doch niemand hat aus seinem Verhalten deshalb Schaden genommen. Auch die Kirche nicht“, fährt der Kommunalpolitiker fort. Er glaubt sogar, dass die katholische Kirche ob der Beliebtheit des Priesters gewonnen habe. „Von einer großen Mehrheit der Kufsteinerinnen und Kufsteiner wird er nicht umsonst als ,unser Pfarrer‘ bezeichnet.“ Steiner ersucht Lackner, „die Entscheidung, einen der ,Ihren‘ aus seinem geliebten Wirkungskreis zu versetzen, zu überdenken. Wir Kufsteiner werden es Ihnen danken.“ Auch von Unterschriftenlisten gegen die Versetzung ist bereits die Rede.
Nur seien all diese Bemühungen „verlorene Liebesmüh’“, wie Rasser sagt. Die Stelle in Kufstein soll bis September mit einem Priester neu besetzt werden und sei bereits ausgeschrieben.
Einen Nachfolger zu finden, wird nicht leicht, ist man sich in kirchlichen Kreisen sicher. Pfarrer sind gesuchte Fachkräfte. Der Pfarrgemeinderat will auf alle Fälle Thomas Bergner eine „wertschätzende Abschiedsfeier“ bereiten. Der Termin werde rechtzeitig bekannt gegeben.