INCB - Besorgt über schlechte Regelung bei medizinischem Cannabis
Wien (APA) - Der in immer mehr Staaten liberalisierte Gebrauch von medizinischem Cannabis ist dabei, die Drogenkonventionen der Vereinten Na...
Wien (APA) - Der in immer mehr Staaten liberalisierte Gebrauch von medizinischem Cannabis ist dabei, die Drogenkonventionen der Vereinten Nationen (z. B. „Single Convention“ aus 1961) mit dem enthaltenen Cannabis-Verbot zu durchlöchern. In seinem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht kritisiert der Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) mit Sitz in Wien diesbezüglich schlecht geregelte Programme.
„Das erste thematische Kapitel des INCB-Jahresberichts für 2018 beschäftigt sich mit Risiken und Nutzen von medizinisch-wissenschaftlichem Gebrauch von Cannabis und Cannabinoiden und mit den Trends beim sonstigen Konsum. Wir merken an, wie schlecht geregelte medizinische Cannabis-Programme und ein zu geringes Bewusstsein für die Gefahren dadurch zur Legalisierung von nicht-medizinischem Cannabisgebrauch in einigen Ländern beigetragen hat“, merkte INCB-Präsident Viroj Sumyai anlässlich der Publikation des Reports an.
Unzureichend regulierte und mit der Konvention nicht übereinstimmende Programme zu medizinischem Cannabis würden jedenfalls „das Risiko des Abzweigens von Cannabis für nicht-medizinische Zwecke fördern und Cannabis dafür leichter erhältlich machen“, heißt es in dem Report. Das könnte die Preise für die Droge fallen lassen und noch potentere Produkte wie Konzentrate fördern.
„Das Kultivieren von medizinischem Cannabis durch den Einzelnen ist mit den (Drogen-; Anm.)Konventionen nicht in Übereinstimmung. Das Rauchen von Cannabis ist medizinisch inakzeptabel“, stellte der INCB fest. In immer mehr Staaten - so auch in Deutschland - kann mittlerweile Cannabis ärztlich verschrieben werden. Der INCB stellte aber fest, dass mit dem Rauchen von Cannabis nur schwer eine spezifische Dosis für den einzelnen Patienten verschrieben werden kann und das Rauchen selbst eine Gesundheitsgefahr darstellt.
Nach der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) in Lissabon und vor kurzem nach einem Bericht österreichischer Experten an das Parlament in Wien stellt auch der Suchtstoffkontrollrat fest, dass es für Cannabinoide zumeist nur beschränkte Beweise für eine Wirksamkeit von THC und/oder CBD in der Medizin gibt: „Es existiert schwache Evidenz, dass Dronabinol (THC; Anm.) bei Übelkeit und Erbrechen bei Krebspatienten nützlich sein könnte. Es gibt moderate Evidenz, dass Nabiximols (THC und CBD in Mischung; Anm.) eine Wirksamkeit in der Behandlung von Nervenschmerzen und Muskelkrämpfen bei Multipler Sklerose haben könnte. Moderate Belege existieren dafür, dass CBD die Häufigkeit von Anfällen bei manchen genetisch bedingten und sonst unbehandelbaren Epilepsieformen von Kindern reduzieren könnte. Cannabinoide sind aber bei keinem dieser Zustände die Erstlinien-Therapie.“
In der Übersicht zu den regionalen Entwicklungen in Sachen Drogen weist der INCB darauf hin, dass Afrika eine zunehmende Rolle als Transitregion für den Transport von Kokain darstellt. Hier werde Nordafrika immer wichtiger.
In den USA hat sich die Opioid-Epidemie in den vergangenen Jahren nur noch vergrößert. „2017 gab es mehr als 70.000 registrierte Todesfälle durch Überdosierungen, was einen Anstieg um zehn Prozent gegenüber 2016 bedeutete“, schrieben die Experten. „Todesfälle durch Opioid-Überdosierungen trugen zu einem Verlust der durchschnittlichen Lebenserwartung der US-Bürger um 0,21 Jahre im Zeitraum 2000 und 2015 bei. Vor allem die viel zu häufige Verschreibung von Opioiden als Schmerzmittel durch die Ärzte in den USA, die Möglichkeit, mit dem Abzweigen der Präparate Geld zu verdienen und soziale Faktoren nach dem Finanzcrash spielten hier eine bedeutende Rolle.
In Südamerika wiederum stiegen beispielsweise in Kolumbien der Anbau von Koka-Pflanzen und die Produktion von Kokain im Jahr 2017 um 17 bzw. 31 Prozent. Stabil auf hohem Niveau geblieben ist hingegen der Heroin-Nachschub aus Afghanistan in Richtung Europa. In Afghanistan wird offenbar auch immer mehr Cannabis produziert.
In Europa schließlich gab es 2016 - der Report als globale Veröffentlichung ist hier jeweils auf die Berichte aus den einzelnen Weltregionen angewiesen und damit in den Daten verspätet - eine Million Fälle von Drogen-Beschlagnahmen. 70 Prozent davon betrafen Cannabis, dann erst kamen - mit deutlichem Abstand - Kokain, Amphetamine, Heroin und Ecstasy. 40 Prozent des Umsatzes mit illegalen Drogen werden mit Cannabis gemacht. Die Kokain-Form „Crack“ ist in Europa leichter verfügbar geworden. Auch ein vermehrter Gebrauch von Ecstasy wurde in machen Regionen der EU registriert.