Gesundheit

Pollenzeit hat bereits begonnen: Allergie liegt in der Luft

Pollen machen Allergikern das Leben schwer.
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Mitte Februar hat für viele Pollenallergiker mit der Erlenblüte die harte Zeit des Jahres begonnen. Zwei Experten erklären, warum es Stadtbewohner oft stärker trifft und was es mit dem täglichen Apfel auf sich hat.

Von Theresa Mair

Innsbruck –Von Mitte September bis Mitte Februar war die Luft rein – bis die ersten Erlen zu blühen begonnen haben. „Am 23. Februar ist dann die Hasel explodiert. Es wurden sehr hohe Pollenkonzentrationswerte gemessen“, sagt Notburga Oeggl-Wahlmüller. Die Wissenschafterin betreut am Institut für Botanik der Uni Innsbruck den Pollenwarndienst Tirol.

Solch ein plötzlicher Beginn der Pollensaison sei schwierig für Allergiker. „Die Beschwerden fallen dann meist stärker aus“, sagt die Forscherin. Denn das Immunsystem habe kaum Zeit gehabt, sich anzupassen. „Das heurige wechselhafte, aber warme Wetter bringt uns auch den Blütebeginn der Birke näher. Wenn es so weitergeht, könnte es um den 20. März losgehen.“ Zum Vergleich: 2018 startete die Birkenblüte erst am 8. April.

Temperaturen über zehn Grad, trockenes Wetter und leichter Wind sind ideal für den Pollenflug. Allergiker bekommen das mit tränenden, geschwollenen Augen, laufender Nase, Nies- und Hustenreiz mehr als unangenehm zu spüren.

Oeggl-Wahlmüller empfiehlt Betroffenen, sich nach Möglichkeit nach dem Pollenflugkalender zu richten und den Urlaub entsprechend zu planen beziehungsweise in höhere Lagen auszuweichen. „An der Waldgrenze gibt es viel weniger Pollenflug.“

Außerdem blühen Bäume, Sträucher und Gräser zeitversetzt. Während unten im Tal die Hasel bereits abgeblüht ist, kommen nun die Schattenlagen und das Mittelgebirge dran. „Die Blüte verzögert sich in die Höhe gleich um ein paar Wochen“, erklärt die Wissenschafterin.

Insgesamt sind etwa 15 Prozent der Bevölkerung von Heuschnupfen geplagt. Für Tirol bedeutet das, dass 80.000 bis 100.000 Menschen im Alter zwischen fünf und 65 Jahren betroffen sind, rechnet Norbert Reider, Leiter der Allergieambulanz an der Innsbrucker Universitätshautklinik, vor.

Allergien nehmen insgesamt zu. Denn Umweltgifte wie Nikotin, Stickoxide und Feinstaub belasten Menschen und Pflanzen zusätzlich. Einerseits wisse man, dass dadurch bereits im Mutterleib das Immunsystem in Richtung einer höheren Allergiebereitschaft angeheizt wird. Andererseits schützen sich auch Pflanzen vor den schädlichen Umwelteinflüssen, indem sie vermehrt Stressproteine wie Bet v 1 produzieren. „Pollenallergiker reagieren auf diese Eiweißbestandteile, von denen in schadstoffreicher Umgebung wie Städten mehr produziert werden“, erklärt Reider. Daher empfiehlt auch Oeggl-Wahlmüller, bei der Bepflanzung von Siedlungsgebieten auf Baum-arten zu setzen, die weniger Bet v 1 bilden.

Laut Reider sind aus allergologischer Sicht Erle, Birke und Hasel fast dasselbe – alle drei produzieren Bet v 1. Weiters ist das Protein in Äpfeln und anderem Kernobst sowie Nüsse­n enthalten. Das erklärt, warum Betroffene oft auch allergisch auf das Obst reagieren.

Die Symptome lassen sich mit Antihistaminika in Tabletten-, Tropfen- und Sprayform gut in den Griff bekommen. Doch die Ursache der Allergie bekämpfen diese Mittel nicht. Bisher könne das Immunsystem nur durch eine Hyposensibilisierung mit den allergenen Stoffen lernen, normal damit umzugehen. Das kann die Allergie zur Ausheilung bringen, ist aber aufwändig und deshalb scheuen viele Patienten die Therapie. Drei Jahre lang müssen Betroffene dafür monatliche Spritzen unter die Haut in Kauf nehmen oder täglich Tabletten oder Tropfen einnehmen. Letztlich führt noch kein Weg daran vorbei.

Denn unbehandelt entwickeln Patienten, vor allem Kinder, weitere Inhalationsallergien, etwa gegen Hausstaubmilben oder Tierhaare. Jeder Fünfte bekommt Asthma. Experten arbeiten zwar an einer vorbeugenden Impfung für Hochrisiko-Kinder, deren Eltern beide von Heuschnupfen geplagt sind. „Doch das ist noch Zukunftsmusik“, sagt der Allergologe.

Schon früher, nämlich wenn die Birke heuer zu blühen beginnt, wird Reiders Team sehen, ob eine andere, innovative Behandlungsform greift: „Wir versuchen die Immuntherapie zu ändern, indem wir den Patienten Äpfel geben.“ Im Rahmen der EU-Interreg-Studie „Apple Care“ haben Allergiegeplagte ein Jahr lang jeden Tag einen Apfel gegessen und ein Beschwerden-Tagebuch geführt. „Wir schauen, ob man die Apfelallergie damit heilen kann, und hoffen, dass sich auch die Birkenpollen-Allergie verbessert“, sagt Reider. Falls es tatsächlich Erfolge gibt, wird die Studie im Herbst mit einer größeren Teilnehmerzahl fortgeführt werden.

Weitere Info: Der stets aktualisierte Pollenbericht des Pollenwarndienstes Tirol ist unter www.uibk.ac.at/botany/pollenwarndienst abrufbar.