Ölheizungs-Aus könnte ab 2021 blühen und Erdgas folgen

Tirol will ab dem Jahre 2050 energieautonom sein und auf alle fossilen Energieträger verzichten. Alle Lebensbereiche werden davon betroffen sein.

Die Richtung ist vorgegeben, der Weg dorthin noch nicht: Der Landtag muss sich erst noch für ein Energieszenario entscheiden.
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Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck –Es ist die viel zitierte Energiewende, die Tirol im Jahr 2050 mit dem Vermerk „erledigt“ versehen will. Das Ziel ist mehr als nur ambitioniert, der Weg dorthin nicht viel weniger. Wie bereits mehrfach berichtet, hat das Land anhand einer Studie in Kooperation mit Uni, MCI und Wasser Tirol Zahlen, Fakten und Daten vorliegen, wie die Abkehr von den fossilen Energieträgern in Tirol funktionieren könnte.

Ist-Situation: Auf Basis der Daten des Jahres 2016 ist der Endenergieverbrauch bei Gebäuden mit 41 % am höchsten, gefolgt von der Mobilität (35 %) und dem produzierenden Bereich (24 %). Mit 58,5 % wurde dieser Energiebedarf mit fossilen (Öl, Erdgas, Kohl­e), zu 41,5 % aus erneuerbaren Energieträgern (Strom aus Wasserkraft, Biomasse, Umwelt- und Fernwärme) gedeckt. In Summe lag der Energiebedarf 2016 in Tirol bei rund 87 Terajoule. Unter den Prämissen eines anhaltenden Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums und damit einhergehend eines steigenden Energiebedarfs bedarf die Wende aber nicht nur eines Umstiegs auf erneuerbare Träger, sondern auch Einsparungen in Form einer verbesserten Energie­effizienz.

Energieszenarien: Ausgearbeitet wurden vier Szenarien, wobei dem Wasserstoff- und Methan-Szenario (für Tirol) keine große Zukunft vorhergesagt wird. Wie Rubert Ebenbichler von der Wasser Tirol erklärt, müsse zu deren Herstellung selbst viel Energie aufgewendet werden. Für Nischen seien Wasserstoff und Methan aber weiter von Vorteil. Tirol müsse indes entweder auf das reine Strom- oder ein Energiemixszenario setzen. Für das Jahr 2050 wird ein Gesamtenergieverbrauch von 54 Terajoule angestrebt – ein Minus von 37 Prozent. Dieser könnte sich – so einer der Wege – zu 52 % aus Strom (Wasserkraft 59 %, Photovoltaik 40 %), Umwelt­wärme (19 %), Fernwärme (5 %), Holz (5 %), Wasserstoff (5 %), Methan (4 %), Solarthermie (3 %), Biofuels (3 %) und sonstigen nichtfossilen Energieträgern (4%) zusammensetzen.

Gebäude: Energieeffizienz ist das Zauberwort im Gebäudebereich. Umso wichtiger sei es, Altbestände umfassend zu sanieren, sagt Wolfgang Streicher von der Uni Innsbruck. Doch auch für Neubauten gelte es bereits jetzt, „2050-ready“ zu bauen. Nur so könne das Ziel einer knapp 32-prozentigen Energieeinsparung im Gebäudebereich erreicht werden. In der Praxis hieße das, dass bereits ab 2021 keine Ölheizungen mehr eingebaut werden dürften. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern hat Tirol noch kein Verbot ausgesprochen. „Ich bin eher ein Fan von Anreizen“, sagt LHStv. Josef Geisler (VP). Zudem verweist Bruno Oberhuber (GF Energie Tirol) auf die Tiroler Bauordnung. Wer neu baut und auf Öl- oder Erdgasheizung setzen will, müsse schon jetzt eine „Alternativprüfung“ absolvieren. Das führe in der Praxis bereits dazu, so Oberhuber, dass nur noch wenige Ölheizungen eingebaut würden. Vom Tisch ist ein Verbot für Ölheizungen trotzdem nicht. Zumindest will Geisler nicht dezidiert ausschließen, dass es ab 2021 auch in Tirol in diese Richtung gehen könnte. Anders beim Erdgas. Dieses werde noch zu Diskussionen führen, ist sich Oberhuber sicher. Geisler sagt, diese Umrüstung würde länger und in Etappen erfolgen müssen. Der Vorteil zu Ölheizungen: Gasanlagen können auch mit Biogas oder Ähnlichem betrieben werden. Trotz allem: Auch vom Erdgas will sich Tirol verabschieden.

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Mobilität: Mit bis zu 68 Prozent liegt hier das Einsparpotenzial (im Strom- wie im Mixszenario) am höchsten aller drei untersuchten Teilbereiche. Der Boom in der E-Mobilität und die Annahme, dass ab 2050 bis zu 70 Prozent des Schwerverkehrs mit Wasserstoff fahren, soll diesen Ansatz stützen.

Industrie/Gewerbe: In Summe soll hier der Energiebedarf bis 2050 um knapp zehn Prozent sinken. Die Empfehlung lautet: so viele Produktionsprozesse wie möglich auf Strom umzustellen.

Energiepotenzial: Wie bereits berichtet, liegt das größte nutzbare Potenzial an erneuerbaren Energien in Tirol im Ausbau der Wasserkraft(werke) und in der Photovoltaik. Um das Ziel 2050 zu erreichen, müssten alle verfügbaren Ressourcen angezapft werden, beteuert Ebenbichler.


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