Uni Graz pumpt bis 2021 Millionen Euro in die Forschungsinfrastruktur

Graz (APA) - Die Universität Graz bekommt in der dreijährigen Leistungsvereinbarungsperiode bis 2021 ein Budget von rund 614 Millionen Euro....

Graz (APA) - Die Universität Graz bekommt in der dreijährigen Leistungsvereinbarungsperiode bis 2021 ein Budget von rund 614 Millionen Euro. Mit dem Geld sollen unter anderem rund 40 neue Professuren eingerichtet werden. Rund zwölf Millionen Euro sollen in Forschungsinfrastruktur und digitale Ausstattung fließen, berichtete die scheidende Rektorin Christa Neuper am Dienstag im Interview mit der APA.

In ihren strategischen Zielen hat sich die Universität Graz bis 2021 auf fünf Profilbildende Bereiche geeinigt, die ausgeprägte internationale Sichtbarkeit und teils Themenführerschaft erlangen sollen. Dabei setzt die Universität auf die großen Herausforderungen des Jahrhunderts wie die alternde Gesellschaft (BioHealth) und Klimawandel mit all seinen Folgen und Anpassungserfordernissen (Climate Change Graz), die bereits gelauncht wurden. Bis 2021 sollen noch drei weitere folgen, wobei eine Evaluierung im Jahr 2020 eine Entscheidungshilfe geben soll, ob und in welcher Form sie letztlich weitergeführt werden. Zu allen fünf Bereichen werden zusätzliche Professuren geschaffen und auch bewusst in die Forschungsinfrastruktur investiert, erklärte Neuper. Insgesamt sind bis 2021 rund 40 Professuren geplant. „In etwa die Hälfte werden Laufbahnstellen sein“, sagte die Rektorin.

Mit den ersten Berufungsverfahren wurde im Oktober 2018 gestartet, erläuterte Neuper. Neben je fünf Professuren in den Bereichen BioHealth und Klimawandel und den weiteren Profilbildenden Bereichen stehen auch welche in Zeitgeschichte oder der Archäologie früher Hochkulturen auf der Liste. Um die Betreuungsverhältnisse in der Bewegungs- und Sportpädagogik, der Englischen Literatur und Kulturwissenschaften zu verbessern, werden ebenso Professuren ausgeschrieben, wie in fachdidaktischen Bereichen.

„Wir sind natürlich in einem massiven internationalen Wettbewerb, was die Besetzung der Professuren anbelangt“, schilderte Neuper. Um für Spitzenforscher interessant zu sein, sei die Erhaltung und Erneuerung der Forschungsinfrastruktur sowie moderner Labors für Forschung und Lehre essenziell: „Da haben wir einen gewissen Aufholbedarf. Deshalb nützen wir einen gewichtigen Teil unseres Budgetzuwachses von 14,4 Prozent, um die Forschungsinfrastruktur entsprechend zu erneuern“, begründete die Rektorin das Investitionsprogramm. „Wir investieren rund dreimal so viel wie in der letzten Leistungsvereinbarungsperiode in Geräte gesetzt wurde“, so Neuper.

Zu den nächsten Investitionen in die Forschungsinfrastruktur gehören etwa ein Isotopenverhältnis-Massenspektrometer, das den Geo- und Umweltwissenschaftern tiefste Einblicke in Strukturen ermöglichen soll. Ein neues Lasermikroskop soll im Bereich BioHealth ein in die Jahre gekommenes Gerät ersetzen. Zu den größeren Anschaffungen zählt auch ein hochauflösendes Massenspektrometer für die Pharmazie, mit dem komplexe Protein- und Lipidgemische analysiert werden können. Zudem erhält das Wegener Center ein hochmodernes Messgerät: „Alles in allem wurden für die erste Runde Investitionen in der Höhe von rund vier Millionen Euro beschlossen“, berichtete Neuper. Mit mehr als zwei Millionen Euro soll das Forschungsfeld Digitalisierung vorangetrieben werden - etwa mit dem Aufbau eines Business Analytics and Data Science Center.

Bis Ende 2020 muss die Grazer Universität - wie die meisten österreichischen Unis - jedoch auch die Prüfungsaktivität ihrer Studierende steigern und von zuletzt 18.600 prüfungsaktiven Studierenden auf 19.300 zulegen. Neuper kündigte auch hier Maßnahmen an. „Wir haben uns einige Studienrichtungen genauer angeschaut und es hat sich leider herausgestellt, dass das Ganze kein eindimensionales Problem ist: Man muss auf verschiedenen Ebenen ansetzen“, erklärte die Rektorin. In den MINT-Fächern habe es beispielsweise in den vergangenen fünf Jahren eine 20-prozentige Steigerung der Prüfungsaktivität gegeben, „in den Geisteswissenschaften fallen uns jedoch die prüfungsaktiven Studierenden weg“, so Neuper.

Aus ihrer Sicht gebe es nicht die eine richtige Maßnahme, die automatisch zur Steigerung führt. Erkennbar sei allerdings, dass das erste Jahr im Studium und der Abschluss „kritische Phasen“ seien. Hier werden die Initiativen ansetzen. Der - langfristig angelegte - Maßnahmenkatalog sehe daher u.a. ein sogenanntes Nudging-Projekt vor, in dem Studierende online Rückmeldungen über ihren individuellen Studienerfolg bekommen sollen. Neben einer Überarbeitung der Studieneingangs- und Orientierungsphase und dem Ausbau der Studierendenberatung seien auch die Anpassung von Curricula und praxisnahe Zusatzangebote vorgesehen.

Im Jahr 2011 war es Christa Neuper, die als erste Frau das Rektorat der Uni Graz übernahm. Einen Großteil der für die neue Leistungsvereinbarungsperiode initiierten Maßnahmen wird die studierte Psychologin nicht mehr als Rektorin verfolgen. Ihre zweite Amtszeit läuft im Herbst 2019 aus und der langjährige Vizerektor und Studiendirektor Martin Polaschek übernimmt das Ruder an der größten steirischen Universität.