Wertpapiere und Co: Frauen risikoscheuer als Männer
Wien (APA) - Bei der Veranlagung sind die Österreicher konservativ und setzen trotz Niedrigzinsen gerne auf das Sparbuch. Frauen sind dabei ...
Wien (APA) - Bei der Veranlagung sind die Österreicher konservativ und setzen trotz Niedrigzinsen gerne auf das Sparbuch. Frauen sind dabei noch sicherheitsorientierter als Männer. Besonders bei Wertpapieren sind Frauen skeptischer und bewerten sie eher als kompliziert und unsicher, geht aus einer Studie der Erste Bank anlässlich des Weltfrauentags hervor.
Dabei sei es bei einer Scheidungsrate von 41 Prozent und der hohen Teilzeitquote besonders für Frauen wichtig, Vermögen aufzubauen, meint Karin Kiedler, Leiterin der Marktforschung der Erste Bank am Dienstag in Wien. Dass Frauen oft das Interesse und die Zeit fehlt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, liege unter anderem an den traditionellen Geschlechterrollen und den Einkommensunterschieden.
Laut der Umfrage, die im Jänner 2019 online unter 1.000 Personen durchgeführt wurde, interessieren sich 58 Prozent der Frauen für Wirtschaft, bei den Männern sind es 67 Prozent. Größer wird der Unterschied im Hinblick auf Finanzthemen: Während sich 61 Prozent der Männer gerne damit beschäftigen, sind es bei den Frauen nur 41 Prozent. Das Thema Wertpapier ist für viele ein Rätsel: 68 Prozent der Frauen und 57 Prozent der Männer empfinden sie als sehr komplex. Trotzdem haben Männer „doppelt so oft Fonds und dreimal so häufig Einzeltitel in ihrem Portfolio wie Frauen“, so Karin Kiedler.
Viele - sowohl Frauen als Männer - glauben zudem, dass man nur mit großen Summen in Wertpapiere investieren kann, so Privatkundenvorstand Thomas Schaufler. Dabei könne man schon mit 50 Euro pro Monat einsteigen, versucht er die Österreicher und Österreicherinnen zu motivieren. „Je früher, desto besser.“ Dass sich viele gerne mit Wertpapieren beschäftigen würden, aber nicht wissen, wo sie sich beraten lassen können, freut Schaufler freilich nicht. Deshalb sei es wichtig, Informationen möglichst einfach und allen zugänglich zu machen. Denn erst wenn man ein Anlageprodukt versteht, soll man investieren, betont er.
Das beliebte Sparbuch sei bei Niedrigzinsen zum Erhalt und Aufbau von Vermögen ungeeignet: Wer heute nur aufs Sparbuch setzt, „verliert Geld“, so Schaufler. Zwar sei es für kurzfristige Investitionen sinnvoll, drei Monatsgehälter auf dem Konto oder dem Sparbuch zu parken. Zur Vorsorge sollte man sein Geld aber anders investieren und auf einen langfristigen Sparplan setzen. Je länger die Laufzeit ist, desto höher sollte der Aktienanteil sein, so Schaufler. Gegen Ende der Laufzeit sollte der Mix wieder umgestellt und die Aktien wieder reduziert werden. In diesem Zusammenhang fordert Schaufler die Politik erneut auf, Anreize zu schaffen: Wer sein Geld 15, 20 Jahre in private Vorsorge steckt, soll keine Kapitalertragsteuer (KESt) mehr zahlen müssen, so Schaufler.