Chemieindustrie will Recyclingquote in Österreich weiter steigern
Wien (APA) - Der Fachverband der chemischen Industrie (FCIO) will die bereits hohe Kunststoffrecyclingquote in Österreich noch steigern. Daf...
Wien (APA) - Der Fachverband der chemischen Industrie (FCIO) will die bereits hohe Kunststoffrecyclingquote in Österreich noch steigern. Dafür präsentierte der FCIO bei einem Mediengespräch am Dienstag Maßnahmen. Bis 2025 sollen über 95 Prozent der PET-Flaschen recycelt werden, bis 2040 strebt man das gleiche Ziel mit anderen Kunststoffarten an, deren Recyclingrate derzeit im Schnitt bei 34 Prozent liegt.
„Wir gehen davon aus, die Kunststoffkreisläufe bei gewissen Materialen bis 2040 schrittweise zu schließen und Recyclingquoten von über 95 Prozent zu haben“, sagte Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des Fachverbands der Chemischen Industrie.
Die von der EU vorgegebene Recyclingquote für Kunststoffe soll bis 2025 auf 50 Prozent erhöht werden. Österreich ist laut Hofinger mit derzeit 34 Prozent bereits Musterschüler unter den EU-Ländern. Trotzdem sollen die Recyclingquoten in den nächsten sechs Jahren wesentlich gesteigert werden. Zudem sollen bis 2029, laut EU-Vorgabe, rund 90 Prozent der Kunststoffflaschen europaweit eingesammelt werden. Die Sammelquote von PET-Flaschen liegt in Österreich aktuell bei 73 Prozent.
Technisch ist laut Hofinger die Wiederverwertung mancher Kunststoffe beliebig oft möglich. Erst durch ein mechanisches Recycling und in weiterer Folge durch chemische Lösungen. Sie kritisiert daher auch das Stigma, dass Kunststoffprodukten angehängt werde. So seien viele Produkte aus Kunststoff wiederverwertbar, während es gewisse biogene Stoffe nicht seien.
Die viel diskutierte Debatte um das Plastiksackerlverbot wertete Hofinger als Symbolpolitik: „Plastiksackerl weisen einen wesentlich besseren ökologischen Fußabdruck auf, als Tragtaschen aus Papier“. Eine wesentlich effektivere politische Maßnahme wäre laut FCIO die Festlegung eines EU-weiten Deponie-Verbots oder die Anerkennung von Rezyklat als Produkt. Daher appelliert der Verband an eine faktenbasierte Politik, die bei künftigen Maßnahmen verpflichtende Ökobilanzen hinzuziehen soll.
Unternehmen könnten auch beim Produktdesign Akzente setzen: So ist die Farbgebung eines Produktes ausschlaggebend für die Wiederverwertbarkeit. Dunkle oder schwarze Materialen sind schwieriger bis gar nicht zu recyceln. Der Einsatz von Mehrwegprodukten (beispielsweise Getränkebecher) sei ein weiterer wichtiger Schritt für einen nachhaltigen Umgang, allerdings nur wenn er ökologisch und hygienisch vertretbar ist.
Zudem könnte Österreich durch seine Technologieführerschaft in Recycling und Abfallmanagement einen wesentlichen internationalen Beitrag leisten, wenn es um die Vermittlung von Know-how in andere Regionen der Welt geht. Vor allem Afrika und Asien seien für 90 Prozent des sogenannten „Marine Litters“, also der Umweltverschmutzung von Meeren und Küsten, verantwortlich.
In einem nächsten Schritt möchte der Verband in Gespräche mit Vertretern aus Handel, Industrie und Politik treten, um die Umsetzung der Maßnahmen zu diskutieren.
Laut FCIO setzten Kunststofferzeuger und -verarbeiter im Jahr 2017 Waren im Wert von 7,5 Mrd. Euro ab. Das entspricht einem Anteil von rund 5 Prozent der Industrieproduktion.