Wieder Proteste in Algerien - Armee will „Zügel“ in der Hand behalten

Algier (APA/dpa) - Die Proteste gegen eine weitere Kandidatur des altersschwachen algerischen Staatschefs Abdelaziz Bouteflika gehen unvermi...

Algier (APA/dpa) - Die Proteste gegen eine weitere Kandidatur des altersschwachen algerischen Staatschefs Abdelaziz Bouteflika gehen unvermindert weiter. Die Armee erklärte, sie werde für Sicherheit im Land sorgen.

In einer vom algerischen Fernsehen übertragenen Rede sagte Armee-Generalstabschef Ahmed Gaid Salah vor Soldaten, manche in Algerien wollten, dass das nordafrikanische Land in die „Zeiten der Schmerzen“ zurückkehre. Die Armee werde die „Zügel“ jedoch weiter in der Hand behalten, um die errungene Sicherheit zu festigen.

Auch am Dienstag zogen überall im Land wieder Tausende auf die Straße, um ihrem Unmut Luft zu verschaffen. Augenzeugen und Journalisten berichteten von Protesten im Zentrum der Hauptstadt Algier, wo ein großes Polizeiaufgebot im Einsatz war.

Algerien hatte in den 1990er Jahren einen blutigen Bürgerkrieg zwischen der Regierung und radikalen Islamisten erlebt. Ihm fielen mehr als 150.000 Menschen zum Opfer. Die Armee sah damals in Bouteflika einen geeigneten Kandidaten, um das gespaltene Volk wieder zu einen. Bis heute ist das algerischen Militär einer der zentralen Machtpfeiler Algeriens.

In Algier zogen die Demonstranten am Dienstag auf den zentralen Audin-Platz. Ein starkes Aufgebot an Sicherheitskräften sperrte jedoch Straßen, um einen Weitermarsch zu verhindern. Auch in anderen Städten kam es zu Protesten, wie Medien und Aktivisten in sozialen Medien meldeten. Getragen werden die Demonstrationen von Studenten.

Bereits in den vergangenen Tagen hatten Menschen in vielen Städten Algeriens gegen Bouteflikas Kandidatur demonstriert. Der 82-Jährige ist seit 1999 an der Macht und will sich bei der Abstimmung am 18. April für eine fünfte Amtszeit wählen lassen. Seit einem Schlaganfall ist er jedoch auf einen Rollstuhl angewiesen und hat große Probleme zu sprechen. Öffentlich tritt er nur noch selten auf. Medien zufolge hält er sich derzeit zu medizinischen Untersuchungen in Genf auf.

Bouteflika hatte am Sonntag seine Kandidatur offiziell einreichen lassen. Er verband sie mit dem Versprechen, keine volle Amtszeit mehr zu regieren und außerdem Reformen voranzutreiben. Kritiker werfen der algerischen Führung vor allem Günstlingswirtschaft und Korruption vor.

Das flächenmäßig größte Land Afrikas ist vom Öl- und Gasexport abhängig und leidet unter einer Wirtschaftskrise. So ist in den vergangenen Jahren die Arbeitslosigkeit gewachsen. Bei den Jüngeren liegt sie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge bei mehr als 25 Prozent.