Doping: Chronologie der Blutdoping-Affäre
Wien (APA) - Chronologie der Blutdoping-Affäre um den Deutschen Arzt Mark S., in die österreichische Skilangläufer und Radsportler involvier...
Wien (APA) - Chronologie der Blutdoping-Affäre um den Deutschen Arzt Mark S., in die österreichische Skilangläufer und Radsportler involviert sind.
27. Februar: In einer koordinierten Aktion österreichischer und deutscher Behörden werden während der Nordischen Ski-WM in Seefeld und in Erfurt bei Hausdurchsuchungen neun Personen festgenommen, unter ihnen die österreichischen Skilangläufer Max Hauke und Dominik Baldauf. Sie gestehen bei ihrer Einvernahme ebenso wie die Esten Andreas Veerpalu und Karel Tammjärv sowie der Kasache Andrei Poltoranin Blutdoping und werden wieder auf freien Fuß gesetzt. Hauke wird sogar auf frischer Tat beim Blutdoping ertappt. In Erfurt werden laut deutschem Staatsanwalt 40 Blutbeutel gefunden, Sportmediziner Mark S., mutmaßlicher Kopf des Doping-Rings, und drei mutmaßliche Komplizen werden festgenommen.
Laut der Staatsanwaltschaft München waren Aussagen des 2014 des Dopings überführten österreichischen Langläufers Johannes Dürr gegenüber der Staatsanwaltschaft München Auslöser für die Ermittlungen und Razzien. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen Anwendung von Dopingmethoden am Zeugen Dürr eingeleitet.
28. Februar: ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel kündigt an, als Konsequenz auf den Doping-Skandal die Sparte Langlauf komplett umzubauen. In diesem Zusammenhang muss auch Markus Gandler, Sportlicher Leiter für Langlauf und Biathlon, mit Saisonende sein Amt zurücklegen. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass sich die Causa auf weitere Sportarten ausweitet.
1. März: Hauke und Baldauf werden von Österreichs Nationaler Anti-Doping-Agentur (NADA), Veerpalu, Tammjärv und Poltoranin vom Internationalen Skiverband (FIS) vorläufig suspendiert. Der Verbreiter eines öffentlichen Polizeivideos von Haukes Doping-Aktivität wird ausgeforscht, dem Polizisten drohen straf- und disziplinarrechtliche Konsequenzen. Der norwegische ÖSV-Langlauf-Koordinator Trond Nystad kündigt an, aus Enttäuschung über die Doping-Fälle sein Amt niederzulegen.
3. März: Radprofi Stefan Denifl gesteht infolge der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen sich Blutdoping. Der Tiroler wird danach wieder enthaftet. Gandler kündigt eine Klage gegen Dürr an, da dieser in einer ARD-Dokumentation erklärt hat, dass er auch von ÖSV-Personal bei unerlaubten Praktiken unterstützt worden sei. ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt wiederum berichtet von bis zu 100 oder mehr in der Erfurter Praxis behandelten Athleten. Stefan Matschiner, Ex-Leichtathlet mit Doping-Vergangenheit gibt im selben Beitrag an, dass er sein ehemaliges Doping-Equipment an Mark S. weitergegeben habe. Matschiner war in Dopingpraktiken mit Radprofis wie Bernhard Kohl verwickelt.
4. März: Der steirische Radprofi Georg Preidler macht in der Blutdoping-Affäre eine Selbstanzeige. Er sei vom Zirkel um Mark S. angesprochen worden, habe sich Blut abnehmen lassen, es aber nie rückführen lassen. Österreichs Radsportverband fordert in einer Reaktion auf die Doping-Geständnisse für Sünder Gesetzesverschärfungen mit lebenslangen Sperren sowie Haftstrafen durch ein neues Berufssportgesetz wegen Sportbetrug. Der Münchner Staatsanwalt Kai Gräber spricht in der Causa von Beweismitteln in Hülle und Fülle. Er erwarte die Ausweitung auf weitere Sportler und Sportarten.
5. März: Die Staatsanwaltschaft Innsbruck gibt bekannt, dass ein Langläufer festgenommen wurde. Der deutsche Anwalt Michael Lehner, der Dürr vertritt, bestätigt dies am frühen Abend gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.
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