Vielschreibender Wahlwiener: Sachbuchautor Dietmar Grieser wird 85
Wien (APA) - Mit literarischen Reportagen wie „Sie haben wirklich gelebt“, „Alle Wege führen nach Wien“ oder „Die böhmische Großmutter“ wurd...
Wien (APA) - Mit literarischen Reportagen wie „Sie haben wirklich gelebt“, „Alle Wege führen nach Wien“ oder „Die böhmische Großmutter“ wurde Dietmar Grieser zu einem der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs. Der in Hannover geborene Autor lebt schon seit 1957 in Wien und begeht am kommenden Samstag (9. März) seinen 85. Geburtstag.
„Wien ist für mich das ideale Biotop um zu schreiben und zu recherchieren“, sagte Grieser einmal über seine Wahlheimat. Dabei hatte der Autor in Studientagen lediglich ein Auslandssemester geplant, geblieben ist er ein ganzes Leben. Seine Ankunft in Wien beschreibt er als seinen „zweiten“ Geburtstag. In mehr als deinem Dutzend Wien-Büchern hat er der Stadt ein Denkmal gesetzt, große Erfolge feierte er aber auch mit seinem Bestseller „Die böhmische Großmutter“, der allerdings sechs Jahre brauchte, um ins Tschechische übersetzt zu werden, wie der Autor zu seinem 80. Geburtstag im APA-Gespräch anmerkte. Für das Werk erhielt er 2014 den höchsten tschechischen Kulturpreis „Artis Bohemiae Amicis“. Der Nachfolger „Der Vetter aus Pressburg“ habe ihm in der Slowakei viel Lorbeeren eingebracht: „Die Slowaken zeigten sich glücklich, dass uns und auch ihnen jemand erzählt, was sie für Berühmtheiten haben, von denen sie gar nicht wissen“, so Grieser.
Nach seinem Publizistik- und Sozialwissenschaftsstudium in Münster, München und Wien arbeitete der am 9. März 1934 geborene Grieser als Kulturkorrespondent zahlreicher deutscher Medien. Die Publikation seines ersten Buches „Von Schloss Gripsholm zum River Kwai: Literarische Lokaltermine“ im Jahr 1973 markierte den Beginn einer sehr erfolgreichen Laufbahn. Über 40 weitere Buchtitel folgten, in denen sich Grieser dem Wechselspiel von Literatur und Leben, Fiktion und Realität widmete. Sein Spezialgebiet sind literarische Reportagen, Dokumentationen und Feuilletonbeiträge, viele seiner Bücher sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Außerdem gestaltete er zahlreiche Sendereihen im Rundfunk sowie die Fernsehserien „Schauplätze der Weltliteratur“ und „Köpfe“.
Dietmar Grieser, dem 1977 die österreichische Staatsbürgerschaft, 1988 der Berufstitel Professor, 1991 der Donauland-Sachbuchpreis und 1994 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen wurde, verfasste neben autobiografischen Büchern wie „Das gibt‘s nur in Wien“ (2012) und „Landpartie“ (2013), in denen er Erinnerungen an Wien beziehungsweise Anekdoten aus seinen Reisen in die Bundesländer zum Besten gab, zuletzt auch wieder themenbezogene Sachbücher wie etwa 2018 „Was bleibt, ist die Liebe“ über Beziehungen berühmter Menschen und spannt dabei den Bogen „von Beethovens Mutter bis Kafkas Braut“, wie es im Untertitel heißt. Eine Reise zu bekannten und unbekannten Musik-Schauplätzen unternahm er in „Schön ist die Welt“ (2017).
Mit weiteren Werken wie „Schauplätze österreichischer Dichtung“ oder „Alle Wege führen nach Wien“ stellte Grieser seine Verbundenheit zu Österreich und dessen Hauptstadt unter Beweis. Treu blieb er seiner Wahlheimat auch in „Der erste Walzer“: In einem nostalgischen Streifzug durch Österreichs Geschichte ging Grieser diversen Premieren nach: vom ersten Papstbesuch bis zum ersten Opernball, vom ersten Sparbuch bis zum ersten Toto-Zwölfer, von der ersten Muttertagsfeier bis zur ersten Schönheitskönigin.
In seinen erfolgreichsten Jahren hat Grieser rund 100 Lesungen pro Jahr absolviert, zusätzlich ist so gut wie jedes Jahr ein neues Buch erschienen. „Aber ich mache das furchtbar gern. Schon in der Schule war ich immer derjenige, der die Gedichte vorgetragen hat.
(S E R V I C E - www.dietmargrieser.at)
(B I L D A V I S O - Fotos von Dietmar Grieser sind im AOM abrufbar, zuletzt am 6. März 2014)