Ein Schritt zum Gleichgewicht der Superkräfte

Mit „Captain Marvel“ erobert die erste Superheldin das „Marvel Cinematic Universe“. Brie Larson beweist in der Titelrolle, dass sie nichts beweisen muss.

Oscar-Preisträgerin Brie Larson gibt als Captain Marvel ihr Debüt in der inzwischen auf 21. Filme angewachsenen Marvel-Superhelden-Reihe.
© Disney

Von Marian Wilhelm

Innsbruck –„Ich muss dir nichts beweisen.“ Das antwortet Captain Marvel (Brie Larson) am Ende ihrer ersten Mission dem Gegner. Und das haben sich wohl auch die Macher hinter dem neuesten Marvel-Superheldenfilm gedacht. Ihr „Captain Marvel“ fliegt erstaunlich leicht und souverän. Man merkt: Im immerhin schon 21. Teil der kommerziell erfolgreichsten Filmreihe der Kinogeschichte geht es auch darum, das Pferd nicht totzureiten. Die Marvel-Masterminds rund um Über-Produzent Kevin Feige haben schließlich nicht nur den nächsten Blockbuster im Blick. Sondern auch den übernächsten. Und den überübernächsten.

Aber auch in Bezug auf die Inhalte ihres Endlos-Epos wäre Stillstand tödlich. Vielmehr gilt es, mit der Zeit zu gehen. Mit Captain Marvel wird nach jahrelangem Vorlauf die erste Marvel-Titelheldin eingeführt. Das mehr oder weniger erfolgreiche DC-Franchise von Konkurrent Warner hatte hier 2017 mit „Wonder Woman“ mit einer stark überzeichneten Superheldin vorgelegt. Marvel ist hier subtiler. Auch, weil nichts mehr bewiesen werden muss. Ähnlich wie im Disney-Paralleluniversum von „Star Wars“ wird über die selbstverständliche Superkräfte-Gleichberechtigung nicht lange geredet. Den eher angekündigten als tatsächlich umgesetzten Boykott rechtskonservativer Männerbündler in den USA kann Disneys Marvel-Gelddruckmaschine selbstbewusst ignorieren.

Doch wer ist sie nun, diese von Fans lang herbeigesehnte Captain Marvel? Das Regieduo Anna Boden und Ryan Fleck („Half Nelson“) nähert sich der Erklärung geschickt von hinten. Gemeinsam mit der Mitautorin Geneva Robertson-Dworet lassen sie ihre Hauptfigur zunächst auf einem futuristisch-fernen Planeten als Teil einer Elite-Kampfeinheit auf Mission gehen. Als sie im Kampf gefangen genommen wird, bekommen wir in einer genial-kompakten Verhör-Gedankenlese-Szene erste unklare Flashbacks in ein früheres Leben als „Top Gun“-Kampfpilotin.

Das aktuelle Abenteuer führt sie dann auf den Planeten C-53, unsere Erde. Ganz ohne Zeitreise befinden wir uns plötzlich im Jahr 1995. Damals gab es noch keine Marvel-Filme, dafür R.E.M. mit „Man On The Moon“ und Nirvanas „Come As You Are“. Doch „Krieg ist eine universelle Sprache“, meint S.H.I.E.L.D.-Agent Nick Fury (Samuel L. Jackson), der als Bindeglied zwischen „Captain Marvel“ und dem „Marvel Cinematic Universe“ dient. Diesmal erfährt die quasi globale Fangemeinde, wie Fury zu seiner Augenklappe kam. Jackson, seit „Iron Man“ (2008) Teil der Marvel-Familie, unterzog sich einer digitalen Verjüngungskur. Er brilliert als Sidekick mit perfektem Pointentiming neben Hauptdarstellerin Brie Larson. Deren irdische, menschliche Entdeckungsreise in die eigene Vergangenheit birgt einige wohl platzierte Wendungen, was die etwas mehr als zwei Stunden lange Vorstellungsrunde zum kurzweilig packenden Film macht. Ihren wirklichen Einstand im inzwischen beinahe unüberschaubaren Superhelden-Superensemble hat Captain Marvel dann Ende April in „Avengers: Endgame“. Dann gilt es nicht nur die Welt, sondern gleich das halbe Universum zu retten.

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