Sepsis unter Kontrolle: Herzratenfrequenz möglicher Prognose-Marker
Graz (APA) - Wenn eine Sepsis - eine schwere Entzündungsreaktion des Organismus - nicht frühzeitig erkannt wird, sind septischer Schock und ...
Graz (APA) - Wenn eine Sepsis - eine schwere Entzündungsreaktion des Organismus - nicht frühzeitig erkannt wird, sind septischer Schock und Multiorganversagen eine häufige Folge. Trotzdem wird die „Blutvergiftung“ oft zu spät behandelt und rund jeder dritte Patient verstirbt trotz Therapie. Ob die Veränderung der Frequenz des Herzrhythmus als Prognose-Marker dienen kann, wird an der Med-Uni Graz untersucht.
Eine Sepsis - landläufig auch als „Blutvergiftung“ bezeichnet - ist hoch gefährlich, vor allem, wenn diese schwere Komplikation einer Infektionserkrankung bei Intensivpatienten auftritt. Der frühestmögliche Therapiebeginn ist daher entscheidend für den Erfolg, erklärte Susanne Scherübel vom Gottfried-Schatz-Forschungsinstitut an der Med-Uni Graz im Gespräch mit der APA. Die Biophysikerin und Biologin versucht, einen Prognosemarker für diese lebensbedrohliche Immun-Abwehrreaktion zu finden. Vielversprechend erscheint ihr ein Monitoring der Frequenz des Herzrhythmus.
Ein gesunder Organismus kann den zeitlichen Abstand zwischen zwei Herzschlägen den momentanen Erfordernissen anpassen. So unterscheiden sich aufeinanderfolgende Herzschläge in Bruchteilen von Millisekunden durch ihre Länge und ihren Abstand zueinander. Die Fähigkeit unseres Herzens, den zeitlichen Abstand von Herzschlag zu Herzschlag laufend zu verändern, um sich der jeweiligen Belastung optimal anzupassen, wird Herzfrequenzvariabilität (HRV) genannt. Bei Krankheit und im Alter kann diese natürliche Fähigkeit verloren gehen und die Variabilität der Herzraten deutlich reduziert werden. Wie bisherige Studien schon gezeigt haben, weisen Patienten mit systemischen Infektionen eine reduzierte HRV auf.
„In den vergangenen Jahren wurde das Monitoring der Herzfrequenzvariabilität als prognostischer Marker vorgeschlagen, um septische Vorgänge rasch detektieren und therapieren zu können“, sagte Scherübel. In ihrem durch ein Herta-Firnberg-Stipendium des FWF geförderten Projekt erforscht sie im Detail, wie und warum sich die HRV unter septischen Bedingungen verändert.
Der Taktgeber für jeden Herzschlag ist der Sinusknoten im rechten Vorhof der Herzkammer. Er wird maßgeblich vom autonomen Nervensystem beeinflusst. Der Sinusknoten selbst trägt laut Scherübel jedoch noch einmal eine gewisse Variabilität in sich, „diese entsteht im Herzen selbst“, wie sie erklärte. Laut Scherübel liege die Vermutung nahe, „dass die HRV-Reduktion während der Sepsis zu einem gewissen Grad durch Veränderungen im Schrittmacherprozess bedingt sein könnte, oder bzw. und von einer veränderten Empfindlichkeit sinoatrialer Zellen gegenüber autonomer Impulse des Sinusknoten ausgelöst wird“. Hier will die Forscherin in den kommenden drei Jahren mithilfe von Experimenten im Sinusknoten-Zellgewebe von Mäusen Klarheit schaffen. Mit dabei sind wissenschaftliche Kooperationspartner in Israel und Frankreich. Ziel ist ein Werkzeug zur Früherkennung der Sepsis im intensivmedizinischen Bereich.