Mögliche Kandidaten im Rennen um die Draghi-Nachfolge
Frankfurt (APA/Reuters) - Das Rennen um die Nachfolge von EZB-Präsident Mario Draghi dürfte spätestens nach der Europawahl Ende Mai in die h...
Frankfurt (APA/Reuters) - Das Rennen um die Nachfolge von EZB-Präsident Mario Draghi dürfte spätestens nach der Europawahl Ende Mai in die heiße Phase gehen. Draghis Amtszeit läuft Ende Oktober nach acht Jahren aus. Offiziell stehen zwar noch keine Kandidaten fest. Es kursieren aber bereits Namen möglicher Anwärter - überwiegend Notenbankchefs aus den einzelnen Ländern. Ein Überblick:
JENS WEIDMANN
Der Bundesbank-Präsident ist einer der heißen Kandidaten. Der 50-Jährige gilt als Verfechter einer strafferen Geldpolitik. Zur Zeit der Euro-Krise stemmte sich der promovierte Ökonom immer wieder gegen Beschlüsse der EZB, die ihre Geldpolitik massiv lockerte. Vorbehalte hatte er unter anderem gegen die großangelegten Staatsanleihenkäufe. Dies brachte dem ehemaligen Merkel-Berater in Deutschland zwar viel Zustimmung ein, in südlichen Euro-Ländern erntete er jedoch Kritik. Daher gilt er in Griechenland oder Italien als schwer vermittelbar. Zuletzt gab es aber in der italienischen Regierung Stimmen, die seiner möglichen Kandidatur offen gegenüber stehen.
FRANCOIS VILLEROY DE GALHAU
Auch der Franzose wird als aussichtsreicher Kandidat gehandelt. Der 59-Jährige, der fließend deutsch spricht, ist seit November 2015 Chef der Banque de France. Er zählt weder klar zu den Vertretern einer strafferen Haltung noch steht er eindeutig für eine lockere Geldpolitik. Vor seinem Wechsel in die Notenbankwelt war der gebürtige Straßburger von 2011 bis 2015 bei der Großbank BNP Paribas zuständig für das operative Geschäft. Davor arbeitete auf verschiedenen Positionen für die Regierung, unter anderem für das Finanzministerium. Von 1990 bis 1993 war er zum Beispiel Europa-Berater unter dem sozialistischen Ministerpräsidenten Pierre Beregovoy. Gegen ihn spricht, dass mit Jean-Claude Trichet von 2003 bis 2011 schon einmal ein Franzose an der Spitze der EZB stand.
OLLI REHN
Der 56 Jahre alte Notenbank-Gouverneur Finnlands war von 2015 bis 2016 Wirtschaftsminister seines Landes, bevor er nach einer langen politischen Karriere zur Notenbank wechselte. Einen Namen in Europa machte sich Rehn, der in Oxford in politischer Ökonomie promovierte, vor allem in seiner Zeit als EU-Wirtschafts- und Währungskommissar von 2010 bis 2014. Während der Euro-Krise galt er als Vermittler, der sowohl gute Beziehungen zu den verschuldeten Staaten als auch zu den kreditgebenden Ländern hielt. Rehn wird daher auch als ein möglicher Kompromisskandidat gesehen. Gegen ihn spricht seine nur kurze Zeit an der Spitze der heimischen Notenbank.
ERKKI LIIKANEN
Er ist Rehns Vorgänger an der Spitze der finnischen Notenbank. Der 68-Jährige leitete die Notenbank von 2004 bis 2018. Davor durchlief er wie Rehn eine politische Karriere. Er war unter anderem Finanzminister seines Landes und viele Jahre EU-Kommissar, bevor er zur Notenbank wechselte. Bereits mit 21 Jahren wurde er Mitglied des finnischen Parlaments. Auch Liikanen gilt als ein eventueller Kompromisskandidat.
BENOIT COEURE
Von manchen Beobachtern wird auch der 49 Jahre alte EZB-Direktor als möglicher Kandidat genannt. Für den Wirtschaftswissenschaftler aus Grenoble, der seit 2012 im sechsköpfigen Führungsgremium der Notenbank sitzt, spricht seine fachliche Kompetenz. Vor seinem Wechsel zur EZB war Coeure, der auch über einen Abschluss in Japanisch verfügt, unter anderem für das Statistikamt Insee tätig. Zudem leitete er die Agence France Tresor (AFT), die für das Schuldenmanagement Frankreichs zuständig ist. Gegen ihn spricht, dass amtierende EZB-Direktoren den Regeln zufolge nicht auf den Notenbank-Chefsessel wechseln können. Er müsste also vorher zurücktreten. Zudem müsste Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ihn statt Notenbank-Chef Villeroy unterstützen, was eine heikle Entscheidung wäre.
KLAAS KNOT
Der Chef der niederländischen Notenbank wird zu den Verfechtern eines strafferen geldpolitischen Kurses gezählt. Im Unterschied zu Weidmann gilt der 51-Jährige, der unter anderem eine Professur an der Universität Groningen innehat, aber als weniger strikt. Der promovierte Ökonom arbeitete von 2009 bis 2011 als Direktor Kapitalmärkte für das Finanzministerium seines Landes. Gegen Knot spricht, dass die Niederlande bereits mit Wim Duisenberg 1998 bis 2003 den ersten EZB-Präsidenten stellten.
~ WEB http://www.ecb.int ~ APA230 2019-03-06/11:55