Tirols Spitäler erhalten eine Reformspritze
Angesichts steigender Abgänge werden Bettenpläne über-arbeitet und medizinische Leistungsangebote hinterfragt.
Von Peter Nindler
Innsbruck –99 Millionen Euro – das ist für heuer die magische Zahl, an der sich die Spitalsholding Tirol Kliniken mit den Krankenhäusern Innsbruck, Hall und Hochzirl/Natters orientieren muss. Denn so viel Abgang nimmt das Land zähneknirschend in Kauf. Das Betriebsergebnis für die Tirol Kliniken sieht für das Vorjahr nämlich gar nicht rosig aus. Das Land als Gesellschafter muss einen Fehlbetrag von 70 Millionen Euro verkraften. Wohl auch deshalb, weil sich die finanziellen Rahmenbedingungen ebenfalls deutlich verändert haben. Für die sechs Bezirksspitäler sind die Gemeindeverbände verantwortlich, damit auch für deren finanziellen Ausgleich.
Gehaltsanpassungen und das neue Spitalsärztearbeitsgesetz führten allein in den Tirol Kliniken zu Mehraufwendungen von 37,7 Mio. Euro, dazu kommen noch Mindererlöse aus dem eingefrorenen Klinischen Mehraufwand des Bundes von 27,5 Mio. Euro. Bei den medizinischen Behandlungen ergeben sich darüber hinaus wegen der Neuberechnung der Leistungspunkte (Was kostet etwa eine Operation?) Mindereinnahmen von sieben Millionen Euro. Für Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) heißt es deshalb, so rasch wie möglich gegenzusteuern. Und das kündigt er auch an.
Der Krankenanstalten-Bettenplan wird überarbeitet, derzeit gibt es in den zehn öffentlichen Spitälern rund 4200 Betten. „Im Fokus dabei stehen Maßnahmen zur Spitalsentlastung, zur Kostendämpfung und zur besseren Abstimmung medizinischer Leistungen zwischen den Krankenhäusern“, sagt Tilg. Für ihn muss nämlich die hohe medizinische Versorgungsqualität weiterhin gewährleistet werden.
Zur Entlastung der Tiroler Spitäler drängt Tilg außerdem auf die konsequente Umsetzung der österreichweiten Gesundheitsreform. Dazu zählt er u. a. den Ausbau von tages-, wochenklinischen und spitalsambulanten Leistungen wie das bereits umgesetzte ambulante Erstversorgungszentrum am Krankenhaus Innsbruck, integrierte Versorgungskonzepte wie die Palliativ- und Hospizversorgung oder die Etablierung von Übergangs- und Schwerpunktpflegeeinrichtungen.
SP-Gesundheitssprecherin Elisabeth Fleischanderl begrüßt strukturelle Reformen, die aber nicht zulasten des Personals gehen dürften. Patientenversorgung benötige schließlich Qualität. Liste-Fritz-Klubchefin Andrea Haselwanter-Schneider nimmt Tilgs Gesundheitspolitik ins Visier und fordert nach elf Jahren endlich eine Gesamtplanung. „Alle paar Kilometer dasselbe medizinische Angebot ist für Tirol nicht zielführend.“