Champions League

Real am Boden: Trauer nach „Niederlage des Jahrhunderts“

Nach dem Schlusspfiff blieb den Madrilenen rund um Mittelfeldspieler Marco Asensio nichts übrig als düppiert abzutreten.
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Real Madrid zerstörte in nur einer Woche sämtliche noch verbliebenen Titelchancen. Am Tag nach der 1:4-Niederlage gegen Ajax Amsterdam herrschte Katzenjammer bei den Spaniern. Die Niederlande schoben sich indes durch den Sieg von Ajax in der UEFA-Fünfjahreswertung wieder vor Österreich auf Platz 11.

Madrid/Dortmund – Real Madrid hat am Dienstagabend mit dem 1:4-Heimdebakel gegen Ajax Amsterdam im Champions-League-Achtelfinal-Rückspiel auch seine letzte Titelchance in dieser Saison verspielt. Dementsprechend hart gingen Spaniens Medien am Mittwoch mit den „Königlichen“ ins Gericht. Die Sportzeitung AS erwartete, dass nach der „Niederlage des Jahrhunderts Köpfe rollen werden“.

„Ajax reißt Real das Herz heraus“, schrieb Marca nach Reals höchster Heimschlappe in der Champions League, die von den Madrilenen zuletzt dreimal en suite gewonnen worden war. Einen „totalen Schiffbruch“ attestierte indes El Mundo Deportivo dem Team von Santiago Solari, dessen Tage gezählt sein dürften, und bezeichnete die Niederlage gegen das stark aufspielende niederländische Team als „absolutes Fiasko“.

Gareth Bale konnte nicht den Unterschied ausmachen.
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Carvajal hat sich „noch nie so schlecht gefühlt“

„Ich habe mich noch nie so schlecht gefühlt“, gestand Verteidiger Dani Carvajal nach dem Match. „In dieser einen Woche ist alles gegen uns gelaufen.“ Denn innerhalb von nur sieben Tagen verspielte Real sämtliche Titelchancen. Das 0:3 zu Hause gegen den FC Barcelona am vergangenen Mittwoch im Cup-Halbfinal-Rückspiel war nur der Auftakt der Horror-Woche für den Rekordchampion. Es folgten die 0:1-Heimniederlage am Samstag im „Clasico“ gegen „Barca“, womit der katalanische Erzrivale in der Meisterschaft auf bereits zwölf Punkte enteilte, und das erstmalige Aus im Champions-League-Achtelfinale seit neun Jahren, obwohl man das Hinspiel in Amsterdam 2:1 gewonnen hatte.

Drei Heimniederlagen en suite hatte Real zuletzt vor 15 Jahren kassiert. Und das frühe Out in der Königsklasse ist für das „weiße Ballett“ die größte Blamage seit 20 Jahren: 1999 waren die Madrilenen im Viertelfinale mit Dynamo Kiew zuletzt an einer Mannschaft gescheitert, die nicht in einer der fünf europäischen Topligen spielt. Durch den Sieg von Ajax liegen den Niederländer in der Fünfjahreswertung der UEFA nun wieder unmittelbar vor Österreich auf Platz elf.

Tadic freute sich über „bestes Spiel der Karriere“

Amsterdams Matchwinner war Dusan Tadic, der die ersten beiden Tore mustergültig aufgelegt und vorbereitet hatte, ehe er das zwischenzeitliche 3:0 für die Gäste selbst erzielte. „Das war wohl das beste Fußballspiel meiner Karriere“, betonte der 30-jährige Serbe nach seiner Glanzleistung. „Wir haben den besten Club der Welt geschlagen. Ich bin sehr stolz, wir haben viele Leute heute Nacht sehr glücklich gemacht.“

Im Gegensatz zu Real Madrid war mit dem Ausscheiden von Borussia Dortmund nach dem 0:3 im Hinspiel bei Tottenham Hotspur gerechnet worden. Das Team von Lucien Favre versuchte zwar von Beginn weg alles, um das Wunder noch zu schaffen, doch dafür fehlte die nötige Durchschlagskraft im Abschluss. Deshalb durften am Ende wieder die Gäste aus London jubeln, die nach einem Tor von Englands Stürmerstar Harry Kane (49.) 1:0 gewannen.

Dortmund nützte auch hoher Ballbesitz nichts

Für die Dortmunder gab es trotzdem keine Pfiffe, sondern Applaus von den Fans auf der mächtigen Südtribüne. Damit quittierte der Anhang den leidenschaftlichen und starken Auftritt des BVB in der ersten Hälfte, in der 20 Schüsse, 62 Prozent Ballbesitz und eine Passquote von 90 Prozent nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatten. „Natürlich war die Enttäuschung bei uns riesengroß“, gestand Dortmund-Kapitän Marco Reus bei Sky, „aber was die Fans gemacht haben, war Weltklasse. Wir hatten Gänsehaut. Solche Momente geben uns viel Kraft.“

Diese Energie werden die Dortmunder, die nur eines ihrer jüngsten acht Spiele gewonnen haben, in den kommenden Wochen brauchen. Denn binnen eines Monats haben sie sich aus dem DFB-Pokal verabschiedet, ihren großen Vorsprung in der Bundesliga und den Einzug ins Viertelfinale der Champions League verspielt. Nun gilt die volle Konzentration der Meisterschaft, die man punktegleich mit Serienchampion Bayern München nur aufgrund der um zwei Treffer besseren Tordifferenz anführt. (APA/dpa)