Lungenärzte warnen vor gesundheitlichen Folgen von Luftschadstoffen
Berlin (APA/AFP) - Deutsche Lungenärzte haben davor gewarnt, dass Feinstaub und Stickoxide viele Atemwegserkrankungen auslösen oder verschli...
Berlin (APA/AFP) - Deutsche Lungenärzte haben davor gewarnt, dass Feinstaub und Stickoxide viele Atemwegserkrankungen auslösen oder verschlimmern können. „Bronchitis und Asthma im Kindesalter sind häufig mit Luftschadstoffen verbunden“, so Erika von Mutius von der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) am Mittwoch in Berlin. Es gebe Hinweise, dass die Belastung bei Erwachsenen zu Lungenkrebs führen könnte.
Laut der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) leiden vor allem alte und chronisch kranke Menschen unter einer kurzfristig erhöhten Schadstoffbelastung. Menschen, die an Asthma erkrankt seien, landeten an Tagen mit hohem Schadstoffgehalt in der Luft häufig im Krankenhaus. Langfristig könnten Stickoxide und Feinstaub auch gesunden Menschen gefährlich werden, warnen die Mediziner. Studien legten einen Zusammenhang mit Herzinfarkten, Schlaganfällen, Diabetes und Demenz nahe.
In Deutschland hatte eine Stellungnahme von mehr als hundert Lungenexperten eine rege Debatte über Feinstaubgrenzwerte ausgelöst. Die Mediziner um den federführenden Lungenarzt Dieter Köhler hatten im Jänner in einem gemeinsamen Papier die geltenden Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxid infrage gestellt und deren Wissenschaftlichkeit angezweifelt. Später mussten sie Rechen- und Zahlenfehler einräumen, blieben aber bei ihrer grundsätzlichen Einschätzung.
Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte nach der ursprünglichen Kritik der Ärzte die EU-Kommission aufgefordert, die Stickoxid-Grenzwerte zu überprüfen - derzeit gilt ein Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter für Stickstoffdioxid in der EU-Luftqualitätsrichtlinie. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) beharrt dagegen auf deren Einhaltung. Derzeit überprüft der TÜV Rheinland in Schulzes Auftrag die deutschen Abgas-Messstationen.
Die DGP und die GPP richten vom 13. bis 16. März eine gemeinsame Tagung in München für Kinder- und Lungenärzte aus. Dabei soll auch die Schadstoffbelastung auf der Agenda stehen.