Schweizer Literaturwissenschafter Jean Starobinski gestorben

Paris (APA/AFP/sda) - Der Genfer Literaturwissenschafter, Arzt und Historiker Jean Starobinski, Ehrendoktor von 14 Universitäten, ist am Mon...

Paris (APA/AFP/sda) - Der Genfer Literaturwissenschafter, Arzt und Historiker Jean Starobinski, Ehrendoktor von 14 Universitäten, ist am Montag im Alter von 98 Jahren gestorben. Das gab seine Familie gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bekannt. Er sei am Mittwoch in Familienkreis beerdigt worden.

Der am 17. November 1920 in Genf geborene Starobinski galt als einer der Begründer der modernen Literaturkritik, die linguistische und philosophische Aspekte einbezieht. Bereits während des Studiums verfasste er Kritiken in Zeitschriften wie „Suisse contemporaine“ und „Lettres“. Seine Erfahrungen als Assistenzarzt in der psychiatrischen Klinik von Cery brachte Starobinski in bedeutende Untersuchungen über Melancholie und körperliche Wahrnehmung in der französischen Literatur ein. Als Professor für französische Literatur an der Universität Genf setzte Starobinski von 1958 bis 1985 seine interdisziplinäre Forschung fort. Er gab auch Vorlesungen in Medizingeschichte. „Die doppelte Ausbildung in Medizin und Literaturwissenschaft hat mein Interesse auf die Kultur in ihrer Gesamtheit gerichtet“, erklärte Starobinski einmal im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA.

Starobinski hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter 1975 den Schiller-Preis, 1984 den hoch dotierten Balzan-Preis für Literaturgeschichte und Literaturkritik, ferner den „Großen Preis für französische Literatur außerhalb Frankreichs“ der Belgischen Königlichen Akademie für französische Sprache und Literatur oder den Europäischen Essay-Preis „Charles Veillon“. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen Essays über Jean-Jacques Rousseau („La transparence et l‘obstacle“, 1957) und Montaigne („Montaigne et le mouvement“, 1982), auch über Corneille, Racine, Diderot, Stendhal und Baudelaire hat er publiziert. Ferner hat er für seine auch sprachlich brillanten Werke „L‘invention de la liberte“ (1964), „Les emblemes de la revolution“ und „La melancolie au miroir“ (1990) weltweite Beachtung gefunden.

Der französische Präsident Emmanuel Macron würdigte auf Twitter Starobinski als einen herausragenden Europäer, der den Geist der europäischen und französischen Kultur hochgehalten habe.