EU-Wahlkampf kocht in Tirol (fast) auf Sparflamme
Außer der ÖVP investieren Grüne, FPÖ, SPÖ und NEOS nur kleine fünfstellige Beträge. Enges Rennen um Platz zwei, VP muss mobilisieren.
Von Manfred Mitterwachauer
Innsbruck –Am 26. Mai wird ein neues EU-Parlament gewählt. Nach der AK-Wahl wird dies der zweite Urnengang in diesem Jahr im Land. 2014 fuhr die ÖVP in Tirol zwar ein Minus ein, der erste Platz mit 32,4 % war dennoch unangefochten. Umso enger war das Rennen um Platz zwei. Die Grünen (17,5 %) setzten sich knapp vor FPÖ (17,4 %) und SPÖ (16,7 %) durch. Für die NEOS reichte es mit 9,6 % zu Platz fünf. Zum Fremdschämen war indes die Wahlbeteiligung. Mit nur 35,4 % hielt Tirol hier österreichweit die rote Laterne hoch. 80 Tage haben die Parteien noch Zeit, die Lust an der EU-Wahl in der Bevölkerung zu wecken. Ein erster Überblick:
ÖVP Am Bergisel, unter den Fahnen der Europaregion, läutete die ÖVP gestern ihren Countdown für die EU-Wahl ein. Barbara Thaler (37), Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer und LH Günther Platters Stellvertreterin als VP-Parteichef, ist auf Platz acht der VP-Bundesliste gereiht. Mehr als nur ein Kampfmandat. Dennoch hofft Thaler auf ein Fixleiberl – und zwar über den parteiintern forcierten Vorzugsstimmenwahlkampf hinaus. Trotz allem: Von allen Tiroler Kandidaten hat Thaler noch die besten Karten. Darin sind sich Freund wie Feind einig. Umso intensiver werde auch wahlgekämpft, hieß es gestern: eine maßgeschneiderte Wahlkampflinie, ein Budget von rund 200.000 Euro, wie Landesgeschäftsführer Martin Malaun bestätigt. Mobilisierung heißt das große schwarze Zauberwort – und daher müssen auch die Funktionäre rennen, um die VP-Wähler zur Urne zu bewegen. Thaler ist sich der Unterstützung aller VP-Bünde sicher. Zuletzt war daran bei den Bauern Zweifel aufgekommen. Mehr als 400 Termine hat Thaler für die kommenden Tage im Kalender stehen. Auch einen mit dem „Chef“. Also Kanzler Sebastian Kurz. Der soll am 22. Mai nach Tirol wahlkämpfen kommen.
Grüne Erst gestern gaben die Grünen ihren Tiroler Landeskandidaten bekannt. Dieser ist LA Michael Mingler (27). Welchen Platz er auf der Bundesliste einnehmen wird, wird sich erst auf dem Bundeskongress am 16. März entscheiden. Ein, maximal zwei Mandate seien realistisch, sagen die Grünen. Mingler ist also abseits von Spitzenkandidaten Werner Kogler und Sarah Wiener – beide sollen Anfang Mai nach Tirol kommen – ohne den Funken einer Chance. Dieses Leid teilt er in Tirol mit seinen Pendants bei FPÖ, SPÖ und NEOS. Finanziell machen die Grünen dennoch 30.000 Euro für den Wahlkampf locker. Auf Platz zwei in Tirol wollen sich die Grünen noch nicht festlegen, zu eng sei das Rennen. Zumindest über dem grünen Bundesschnitt will man aber doch bleiben. Und noch eines: Erster werden in Innsbruck, so wie 2014 auch. So richtig wahlkämpfen will man aber erst Ende April.
FPÖ Auch die Freiheitlichen setzen auf die Jugend: Der Innsbrucker Gemeinderat Maximilian Kurz (24) ist Achter auf der FP-Bundesliste. Wenn schon nicht als Abgeordneter, so soll Kurz zumindest in Form von Praktika EU-Luft schnuppern, sagt Parteichef Markus Abwerzger. Mit 20.000 Euro bäckt auch die Tiroler FP kleine Wahlkampfbrötchen. Vieles soll über Social Media erfolgen. Der Auftakt wird mit dem Landesparteitag am 12. April zusammengelegt. Kurz selbst organisiert bereits Funktionärsstammtische, um – eh schon wissen – für die Wichtigkeit der Wahl zu sensibilisieren. Platz zwei sei das Ziel, so Abwerzger.
SPÖ Dass die Innsbruckerin Theresa Muigg (34) für die Tiroler SPÖ ins EU-Rennen gehen wird, stand schon seit Längerem fest. Letztlich landete sie auf Platz zehn der Bundesliste. Erst nach einem „Themenrat“ Anfang April in Wien werde der rote EU-Wahlkampf starten, spätestens vier Wochen vor der Wahl. An die 25.000 Euro hält die Landespartei hierfür in der Hand. Landesgeschäftsführer Lukas Matt umreißt das Wahlziel der SPÖ in Tirol wie folgt: „Dazugewinnen und den vierten Platz verbessern.“ SP-Spitzenkandidat Andreas Schieder ist bereits am 14. März im Land.
NEOS Den ältesten unter allen Tiroler EU-Kandidaten stellt die jüngste Partei, die NEOS. Rechtsanwalt Johannes Margreiter (61) nimmt den Urnengang von Platz fünf auf der Bundesliste aus in Angriff. Wenn nicht ins EU-Parlament, so habe Margreiter danach die Chance, in den Nationalrat zu wechseln, so NEOS-Chef Dominik Oberhofer. Mit Fundraising will man 35.000 Euro in den Wahlkampf stecken. Spitzenkandidatin Claudia Gamon weilt am 11. März in Tirol. Ziel ist ein zweistelliges Ergebnis und „vor den Grünen zu liegen“, erklärt Oberhofer.