Frauentag - Expertinnenliste von Frauen mit Behinderung

Wien (APA) - Der Behindertenrat hat eine Expertinnenliste von Frauen mit Behinderungen für Vorträge, Podiumsdiskussionen und Interviews erst...

Wien (APA) - Der Behindertenrat hat eine Expertinnenliste von Frauen mit Behinderungen für Vorträge, Podiumsdiskussionen und Interviews erstellt. Damit will man der Praxis entgegenwirken, dass meist Männer für Veranstaltungen eingeladen werden und Frauen mit Behinderung „sichtbar machen“, erläuterten die Initiatorinnen am Donnerstag in einer Pressekonferenz.

Die auf www.behindertenrat.at/expertinnenliste abrufbare Liste umfasst derzeit 31 Expertinnen, die für Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Sie soll laufend erweitert werden und auf mehrere hundert Personen anwachsen, wie die Geschäftsführerin des Behindertenrates, Gabriele Sprengseis, erläuterte. Die Frauen veröffentlichen hier ihr Profil und die Art ihrer Expertise und sie machen deutlich, dass sie eine Behinderung haben. Mit welcher Behinderung die Frauen leben, wird nicht angegeben - außer sie entscheiden sich bewusst dafür. Der Behindertenrat als Dachorganisation von mehr als 80 Mitgliedsorganisationen und als Interessenvertretung für 1,4 Millionen Menschen mit Behinderungen in Österreich hat im Vorjahr das Kompetenzteam Frauen mit Behinderung gegründet. Daraus entstand die Idee der Expertinnenliste.

Ziel ist es, statt der meist männlich besetzten Podien Frauen mit Behinderung als Expertinnen auf die Bühnen zu holen. Frauen und Mädchen haben aber auch vielfältiges Fachwissen und sollen damit nun in der Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden.

Die Unsichtbarkeit sei nur ein Teil der Diskriminierung, sie würden häufig als Behinderte und als Frauen diskriminiert, betonten Sprengseis sowie die Vorsitzende des Unabhängigen Monitoringausschusses, Christine Steger und die Frauenreferentin des ÖZIV Steiermark, Beate Koch. Frauen mit Behinderung seien häufiger von physischer, psychischer und sexueller Gewalt betroffen, sie seien häufiger und länger arbeitslos und hätten damit auch ein höheres Armutsrisiko. Während die Arbeitslosigkeit generell sinkt, sei sie bei Menschen mit Behinderung weiter gestiegen. Die Geschäftsführerin der Assistenzgenossenschaft WAG, Jasna Puskaric, forderte eine Valorisierung der Fördergelder für die persönliche Assistenz. Mit mehr persönlicher Assistenz könnten auch mehr Personen mit Behinderung arbeiten und ein selbstständiges Leben führen, sagte Puskaric, die selbst eine persönliche Assistentin hat und sogar im Elektro-Rollstuhl Fußball spielt.

Die Expertin Julia Moser bezifferte die Zahl der Frauen mit Behinderung in Österreich mit rund 650.000. Sprengseis verwies allerdings darauf, dass die Statistiken unvollständig seien. Schätzungen zufolge haben 20 Prozent der Menschen weltweit eine Behinderung, sieben Prozent davon seien sichtbar, 13 Prozent für andere nicht wahrnehmbar. Moser, die mit einer Seh- und Hörbehinderung lebt, erzählte, dass sie ihre Behinderung jahrelang verstecken musste, um das gleiche Leben wie Nicht-Behinderte führen zu können. Andere Expertinnen schilderten die ihnen im Berufsleben und vor allem bei Bewerbungen entgegen geschlagene Ablehnung.

Unterstützung bekam die Expertinnenliste auch von der SPÖ-Behindertensprecherin Birgit Sandler. Sie kündigte in einer Aussendung an, dass der SPÖ-Parlamentsklub diese Plattform für Enqueten, Diskussionsveranstaltungen und inhaltliche Expertisen nützen werde. „Reden wir mit den Frauen und Mädchen mit Behinderung und nicht über sie“, sagte Sandler.