Atomenergie - Anschober: Künftig keine Subventionen mehr für neue AKW

Brüssel (APA) - Der oberösterreichische Umweltlandesrat Rudi Anschober hat am Donnerstag in Brüssel die Aussetzung von Subventionen für den ...

Brüssel (APA) - Der oberösterreichische Umweltlandesrat Rudi Anschober hat am Donnerstag in Brüssel die Aussetzung von Subventionen für den Bau neuer Atomkraftwerke gefordert. Dabei hofft er auch auf die EuGH-Entscheidung zum britischen AKW Hinkley Point, wo Österreich gegen Staatsbeihilfen für das Nuklearkraftwerk geklagt hatte. In erster Instanz war dies abgewiesen worden.

Anschober glaubt trotzdem an einen Erfolg und meinte, bis Jahresende dürfte die Entscheidung fallen. Insgesamt seien in der EU heute 125 AKW in Betrieb, wobei deren Durchschnittsalter bei 33,4 Jahren liege. Die „Allianz der Regionen für einen europaweiten Atomausstieg“ will nun auf EU-Ebene Regeln durchsetzen, dass die maximale Laufzeit von Kernkraftwerken begrenzt und es eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) gibt. Der Allianz gegen die Atomkraft gehören 16 Regionen an.

Die deutsche Grün-Abgeordnete Rebecca Harms kritisierte, dass in der EU-Kommission „noch eine letzte Festung von Atomkraftbefürwortern“ sitze. In dem aus 2018 stammenden PINC-Papier (Programme illustrative nucleare de la communaute europeenne) sei enthalten, dass 50 Prozent der AKW-Flotte eine Laufzeitenverlängerung bis 60 Jahre erhalten sollte. „Eine bedrohliche Ansage“, weil jedes Jahr zusätzlichen Betriebs das Risiko um 15 Prozent steigere, erklärte Paul Dorfman vom University College London.

Nikolaus Müllner von der University of Natural Resources and Life Sciences Vienna malte ein düsteres Bild. Mehr als 90 Prozent aller europäischen AKW hätten mindestens 25 Betriebsjahre auf dem Buckel, ein gutes Drittel mehr als 40 Jahre Laufzeit. Eine Sicherheitsnachrüstung sei nur begrenzt möglich. Aus einem alten AKW könne keines so wie ein neu zu bauendes mit den schärfsten Sicherheitsanforderungen nachgerüstet werden. Dem seien technische Grenzen gesetzt. Er brachte einen Vergleich mit einem 50 Jahre alten Auto. Auch dieses könnte man besser ausstatten, aber es werde niemals ein neues sein. Konkret heiße das aber, „dass wir bei alten Anlagen ein höheres Risiko akzeptieren“, warnte er.

Anschober sagte, der deutsche Atomausstieg könne durchaus als Vorbild genommen werden. „Es geht, wenn man es planbar und vernünftig macht und die Erneuerbare Energie ausbaut‘“. Außerdem sei der Ausbau der Erneuerbaren Energien wesentlich preisgünstiger und wirtschaftlicher als ein Neubau eines AKW, das hundert Milliarden Euro kosten könne. Dorfman konzedierte, dass bei einem einmal bestehenden AKW der reine Strompreis sinke und günstiger werde als bei Erneuerbaren. Wenn man allerdings eine Laufzeit von 60 Jahren nehme, würden je nach Art der Erneuerbaren Energiesysteme diese um ein paar bis über zehn Prozent alles in allem günstiger sein als das AKW-System.