Der Kopf als eigenständiges Motiv: „Talking Heads“ im Belvedere
Wien (APA) - Der Kopf als eigenständiges ästhetisches Motiv steht im Zentrum der Schau „Talking Heads“ in der Orangerie im Unteren Belvedere...
Wien (APA) - Der Kopf als eigenständiges ästhetisches Motiv steht im Zentrum der Schau „Talking Heads“ in der Orangerie im Unteren Belvedere. Dort treffen die barocken „Charakterköpfe“ von Franz Xaver Messerschmidt ab morgen auf zeitgenössische Positionen. Bei den Werken handelt es sich laut Kurator Axel Köhne weniger um repräsentative Porträts denn um „Gesichter als Kommunikations- und Projektionsflächen“.
Und so begrüßt den Besucher bereits im ersten Raum eine große Schwarz-Weiß-Projektion von Lutz Mommartz‘ filmischer Auseinandersetzung mit Joseph Beuys, davor hat Köhne eine jener Skulpturen postiert, die Messerschmidt (1736-1783) Zeit seines Lebens bei sich behielt und die nun zu den Sammlungs-Highlights des Belvedere zählen, wie Generaldirektorin Stella Rollig beim Pressegespräch am Donnerstag betonte. An den Wänden finden sich Arbeiten von Arnulf Rainer aus den 1970er-Jahren, in denen er u.a. Fotos der Messerschmidt-Köpfe übermalte.
„Es ist uns ein Anliegen, unsere Ausstellungen aus der Beforschung und Neubetrachtung der Sammlung zu bestücken“, erläuterte Rollig eines der Motive für die Schau. Die „kunsthistorisch einmaligen Charakterköpfe“ seien ein Publikumsmagnet, in Zeiten der „Bilderflut von Selfies“ werde der „psychische Ausdruck“ und die Selbstreflexion in der Kunst wieder interessant. Und so finden sich gleich im nächsten Raum zahlreiche Stereografien der Wiener Künstlerin Anna Artaker, in denen sie sich mit Totenmasken aus Armenien auseinandersetzt. Durch geschickte Spiegelungen in kleinen Schaukästen werden die zweidimensionalen Fotografien erneut dreidimensional.
Flankiert werden die Arbeiten hier an den Wänden von frühen, sehr abstrakten Arbeiten von Maria Lassnig (u.a. „Selbstporträt“, 1955 oder „Kopf“, 1957) sowie gegenüber von neuen Arbeiten von Mara Mattuschka, in denen sich die Künstlerin direkt auf Messerschmidts Köpfe bezieht. Auch US-Künstler Bruce Nauman ist mit mehreren Fotos vertreten, darunter die Serie „Studies for Holograms“, in der er sich Mund und Lippen als Ausdrucksmittel widmet. In einem der hintersten, abgedunkelten Räume grinsen dem Besucher schließlich die unheimlichen Installationen des US-Medienkünstlers Tony Oursler entgegen, der Gesichter auf verschiedene Formen projiziert und diese so einer Verfremdung unterzieht.
Unter den insgesamt 50 zeitgenössischen Arbeiten, die den 16 „Charakterköpfen“ gegenüberstehen, finden sich weiters Arbeiten von Miriam Cahn, Kurt Kren und Douglas Gordon. In einer gelungenen Medienmischung aus Malerei, Film, Video und Skulptur entsteht so ein faszinierendes Panoptikum der Köpfe, die oft mehr zu sagen scheinen, als Worte es könnten.
(S E R V I C E - „Talking Heads. Zeitgenössische Dialoge mit F.X. Messerschmidt“, Orangerie im Unteren Belvedere, 8. März bis 18. August. Kuratiert von Axel Köhne. Der gleichnamige Katalog umfasst 280 Seiten und kostet 34 Euro. Infos unter www.belvedere.at)