Ermordung von 180 ungarischen Juden bei Rechnitz im März 1945

Rechnitz (APA) - Noch während bereits der Geschützdonner von der sich nähernden Front zu hören war, zeigte sich das Naziregime im Südburgenl...

Rechnitz (APA) - Noch während bereits der Geschützdonner von der sich nähernden Front zu hören war, zeigte sich das Naziregime im Südburgenland ungebremst von seiner grausamen Seite. In der Nähe von Rechnitz (Bezirk Oberwart) wurden am 24. März 1945 180 ungarische Juden ermordet, die das NS-Regime beim Bau des Stellungssystems des „Südostwalls“ als Zwangsarbeiter einsetzen wollte.

Die Kriegshandlungen waren nur mehr wenige Kilometer entfernt, als am 24. März 1945 nach Informationen der Gedenkinitiative RE.F.U.G.I.U.S. an die 1.000 ungarische Jüdinnen und Juden vom Lager in Köszeg/Güns (Ungarn) mit der Eisenbahn über die Grenze in den kleinen Ort Burg (Ortsteil von Hannersdorf, Bezirk Oberwart) transportiert wurden. 200 Männer, bereits zu krank und zu schwach für den Arbeitseinsatz, der unter anderem im Ausheben von Gräben bestand, wurden einige Kilometer zurück zum Bahnhof Rechnitz gebracht.

Am selben Abend fand im Schloss Batthyany in Rechnitz ein NSDAP-Kameradschaftsfest statt, an dem etwa 40 bis 50 Personen teilgenommen haben dürften. Laut den Aussagen von Zeugen erhielt der NSDAP-Ortsgruppenleiter Franz Podezin einen Anruf und ließ daraufhin 15 Männer bewaffnen.

Die Gruppe machte sich vom Schloss auf den Weg in die Nähe des sogenannten Kreuzstadls, wohin in der Zwischenzeit die bereits völlig erschöpften Juden gebracht worden waren. Nach Mitternacht ermordeten sie 180 Menschen. Nach dem Massaker an den Juden kehrten sie ins Schloss zurück, wo weiter gefeiert wurde.

18 der rund 200 nach Rechnitz gebrachten Juden hatte man vorerst am Leben gelassen, weil sie noch gebraucht wurden: Sie mussten die Leichen der Opfer verscharren. Danach wurden auch sie an einer anderen Stelle ermordet und vergraben.

Das Grab mit 18 Toten wurde Ende der 1960er-Jahre im Rahmen einer Such- und Umbettungsaktion durch das Österreichische Schwarze Kreuz und den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge gefunden. Die Leichen wurden im März 1970 auf dem Jüdischen Friedhof in Graz bestattet.

Opfer des Massakers wurden nach Kriegsende - im April 1945 und Frühjahr 1946 - zweimal exhumiert, ohne dass es zu einer Umbettung der Toten kam. Mit den Jahrzehnten wurde das Wissen um die Lage des Grabes verdrängt und geriet in Vergessenheit. Nach Kriegsende gab es immer wieder Bemühungen, das Grab zu finden. Bis 2018 wurden von verschiedenen Organisationen und Institutionen insgesamt 15 Versuche unternommen - bisher ohne Erfolg.