Das Massaker von Rechnitz in der kulturellen Aufarbeitung
Wien/Rechnitz (APA) -...
Wien/Rechnitz (APA) -
~ BÜCHER HINTERGRUND Walter Manoschek (Hrsg.): „Der Ein Forschungsprojekt des Fall Rechnitz. Das Massaker an Politikwissenschafters Walter Juden im März 1945“, Braumüller, Manoschek zum Massaker in Rechnitz Wien 2009 (ISBN hatte ein unerwartetes Resultat: 978-3-7003-1714-2) Ein Student fand heraus, dass
einer der Täter eines weiteren
Massakers in der Nachbargemeinde
Deutsch-Schützen noch lebte. Eine
Anklage gegen den 90-jährigen
ehemaligen SS-Mann war die Folge. Hellmut Butterweck: „Das Der Wiener Journalist und Autor Schweigen von Rechnitz - Hellmut Butterweck beschäftigte Endphasenverbrechen“, in: Hellmut sich ausführlich mit der Butterweck: „Verurteilt und Verhandlung von NS-Verbrechen vor begnadigt. Österreich und seine österreichischen Gerichten. Teil NS-Straftäter“, Czernin, Wien der von Begnadigungen, Halbheiten 2003 (ISBN 3-7076-0126-9) und Versäumnissen geprägten
Geschichte war auch die
geschilderte Unmöglichkeit, bei
manchen der kurz vor Ende des
Zweiten Weltkriegs verübten
Massaker - wie in Rechnitz - die
Mauer des Schweigens zu
durchbrechen, um Zeugen für eine
Anklage zu finden. Sacha Batthyany: „Und was hat das Der Großneffe der Gräfin Margit mit mir zu tun? Ein Verbrechen im von Batthyany-Thyssen, Journalist März 1945 - die Geschichte meiner und USA-Korrespondent des Familie“, Kiepenheuer & Witsch, Schweizer „Tages Anzeigers“, Köln 2016 (ISBN begibt sich in diesem Buch auf die 978-3-462-04831-5) Spuren seiner Vorfahren und
untersucht Vorgänge rund um das
Massaker von Rechnitz. Gastgeberin
des Festes im März 1945, in dessen
Verlauf Nazigrößen 180 Juden
erschossen, war seine Großtante,
eine reiche Stahlerbin und
leidenschaftliche Jägerin. Ob sie
selbst bei dem Massaker mitgewirkt
hat, ist nicht geklärt. DOKUMENTARFILME „Totschweigen“ von Margareta Die beiden Regisseure Margareta Heinrich und Eduard Erne 1994 Heinrich und Eduard Erne haben die
Grabungsarbeiten nach den
verscharrten Opfern drei Jahre
lang mit der Kamera verfolgt und
dokumentieren auch das nachhaltige
Schweigen über die damaligen
Ereignisse. Der Film wurde 1994 in
Rechnitz uraufgeführt. „Arpad und Geza“ von Timo Novotny Der Dokumentarfilm, zu dem der und Alfred Weidinger 2015 Kunsthistoriker und nunmehrige
Museumsdirektor Alfred Weidinger
das Drehbuch schrieb, wurde
anlässlich des 70. Jahrestags des
Massakers von Rechnitz produziert. SPIELFILM „Das Testament“ von Amichai Die israelisch-österreichische Greenberg 2017 Koproduktion von Amichai Greenberg
hatte 2017 im Rahmen der 74.
Filmfestspiele von Venedig in der
Sektion Orizzonti Premiere. Als
Vorlage für die Geschichte rund um
den jüdischen Historiker Yoel
Halberstam und ein Massaker im
fiktiven
ungarisch-österreichischen
Grenzort Lendsdorf, in dem ein
Einkaufszentrum gebaut werden
soll, diente Rechnitz. Halberstam
hat zwei Wochen, um Zeugen und
Dokumente beizubringen, die den
Ort des Massakers belegen, um den
Bau über einem Massengrab mit 200
Leichen zu verhindern. THEATERSTÜCKE „März. Der 24.“ von Peter Wagner Das 1995 im Offenen Haus Oberwart 1995 uraufgeführte Stück „ist keine
Rekonstruktion eines historischen
Ereignisses“ und auch keine
Schuldzuweisung, betont der Autor.
Die Figuren seien „im Sinne eines
fiktiven dramatischen Werks frei
erfunden und dienen in erster
Linie dem Zweck, eine Parabel auf
die Endzeit einer Gesellschaft zu
erzählen“. „Rechnitz (Der Würgeengel)“ von Elfriede Jelinek schrieb ihr Stück Elfriede Jelinek 2008 als Paraphrase auf den Film „Der
Würgeengel“ von Luis Bunuel. Fünf
Boten teilen sich einen Monolog
über die Geschehnisse von damals,
bei dem sie den Bogen immer wieder
in die heutige Zeit spannen. Nach
der Uraufführung durch Jossi
Wieler 2008 an den Münchner
Kammerspielen wurde das Stück
regelmäßig wieder inszeniert,
zuletzt etwa am Schauspielhaus
Salzburg und am Volkstheater Wien. ~