Zürcher Börse schließt schwächer
Zürich (APA/dpa-AFX) - Konjunktursorgen haben am Donnerstag den Schweizer Aktienmarkt belastet, der Leitindex SMI schloss klar im Minus. Nac...
Zürich (APA/dpa-AFX) - Konjunktursorgen haben am Donnerstag den Schweizer Aktienmarkt belastet, der Leitindex SMI schloss klar im Minus. Nach einem kurzen Aufbäumen, bei dem der Markt die Verluste wettmachen konnte, rutschten die Kurse bis zum Handelsende mehrheitlich wieder ab. „Das von der Europäischen Zentralbank (EZB) entfachte Kursfeuerwerk war nicht von Dauer“, stellte ein Händler fest.
Die EZB überraschte am frühen Nachmittag die Märkte mit der Entscheidung, die Zinsen unverändert zu belassen und die Märkte noch längere Zeit mit Billiggeld zu versorgen. Die Banken sollen neue Geldspritzen erhalten, damit diese ihre Kreditvergabe ausweiten. Außerdem revidierten die Geldhüter die Wachstums- und auch die Inflationsprognosen deutlich nach unten.
Bei der ING hieß es dazu, es sei nicht klar, ob die EZB in einem Anflug von Panik agiert habe, oder ob sie versucht, dem Markt vorauszueilen. Die EZB mache das Beste aus der Situation, kommentierte Seema Shah, Senior Global Investment Strategist bei Principal Global Investors (PGI). „Zum ersten Mal in ihrer kurzen Historie zeigt sich die EZB eher vorausdenkend als nur reagierend.“
Der SMI schloss um 0,84 Prozent tiefer mit 9.324,58 Punkten und damit über dem Tagestief von 9.284 Zählern. Unmittelbar nach der EZB-Zinsentscheidung hatte sich der SMI vorübergehend erholt, bevor er wieder nach unten drehte. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) verlor 1,02 Prozent auf 1.437,45 Punkte, während sich der breite Swiss Performance Index (SPI) mit minus 0,23 Prozent auf 11.042,46 Punkten besser schlug. Von den 30 SLI-Titeln schlossen 23 im negativen Terrain, während sieben zulegen konnten.
Neben der EZB beeinflusste vor allem die Dividendenzahlung von 8,70 Franken je Titel des Schwergewichts Roche die Marschrichtung. Denn ohne diesen Sondereinfluss hätte der Leitindex SMI wohl nur knapp im Minus gestanden. Die Roche-Aktie sank 3,15 Prozent oder 8,85 Franken auf 271,70 Franken. Der Einfluss der Dividende auf den SMI betrug laut Händlern rund 50 Punkte.
Die sehr volatilen S-Aktien gaben 5,5 Prozent nach. China-Sorgen und die Mitteilung, dass der japanische Chip-Hersteller und Autozulieferer Renesas die Produktion wegen einer schwachen Nachfrage aus China drosseln will, trübten die Stimmung in der Chip-und Automobilbranche. Renesas büßte in Tokio mehr als 14 Prozent ein.
Auch anderen Zyklikern machten die Konjunktursorgen zu schaffen. ABB (minus 1,8 Prozent), Adecco (minus 1,5 Prozent), Clariant (minus 2,3 Prozent), Dufry (minus 2,5 Prozent) und Kühne+Nagel (minus 3,3 Prozent) reihten sich bei den Verlierern ein. Bei Vifor (minus 3,3 Prozent) äußerten sich die Experten von Vontobel und Kepler Cheuvreux eher zurückhaltend vor den Jahreszahlen in einer Woche.
Generell schwächer präsentierte sich auch die Finanzindustrie, wobei sich Versicherer Swiss Re (minus 0,2 Prozent), Swiss Life (minus 0,6 Prozent) und Zurich (minus 1,1 Prozent) besser hielten als die Banken. UBS, CS und Julius Bär gaben um 2,2 bis 2,8 Prozent ab. Händler verwiesen auf den Bankenstresstest der US-Notenbank Fed. Diese lockert zwar den Test für heimische Banken, nicht aber für die Ableger von fünf ausländischen Banken, darunter die beiden Schweizer Großbanken.
~ ISIN CH0009980894 ~ APA535 2019-03-07/18:26