Dammbruch in Brasilien - Vorwürfe gegen deutsches Unternehmen TÜV Süd
Brasilia/Hamburg (APA/AFP) - Nach dem verheerenden Dammbruch im brasilianischen Brumadinho gerät das deutsche Unternehmen TÜV Süd einem Beri...
Brasilia/Hamburg (APA/AFP) - Nach dem verheerenden Dammbruch im brasilianischen Brumadinho gerät das deutsche Unternehmen TÜV Süd einem Bericht zufolge weiter unter Druck. Aus Unterlagen der brasilianischen Staatsanwaltschaft gehe hervor, dass der brasilianische Bergbaukonzern Vale und der TÜV schon mehr als ein Jahr vor dem Unglück über Sicherheitsprobleme Bescheid gewusst hätten, berichtete der „Spiegel“ am Donnerstag.
Beide hätten die „Gefahr eines Dammbruchs in Kauf genommen“, sagte der Staatsanwalt William Garcia Pinto Coelho dem Nachrichtenmagazin. Der TÜV Süd hatte den Damm im Auftrag von Vale im September 2018 geprüft und trotz mehrerer Wartungsempfehlungen für sicher erklärt. Laut dem Protokoll einer Zeugenaussage war der TÜV aber bereits im November 2017 von einer damaligen Partnerfirma in Brasilien darauf hingewiesen worden, dass der Damm einen zentralen Sicherheitswert unterschreite, hieß es in dem „Spiegel“-Bericht. Der Wert beziffere das Risiko, dass zu viel Wasser ins Erdreich dringt und feste Erde flüssig wird.
In dem Gutachten vom September 2018 sei der einzuhaltende Mindestwert deutlich abgesenkt worden, hieß es in dem Bericht. Staatsanwalt Coelho warf den deutschen Prüfern vor, sie hätten „sich die Zahlen zurechtgebogen, damit sie die Stabilitätserklärung ausstellen konnten“.
Durch den Dammbruch im ostbrasilianischen Brumadinho am 25. Jänner starben vermutlich mehr als 300 Menschen. Hunderte Arbeiter und Anrainer wurden unter Millionen Tonnen Klärschlamm begraben. 186 Leichen wurden seither geborgen, 122 Menschen werden noch vermisst und sind wahrscheinlich ebenfalls tot. Der TÜV Süd kündigte Mitte Februar an, keine weiteren Sicherheitserklärungen für Abraumdämme in dem Land mehr auszustellen. Zudem leitete das Unternehmen interne Untersuchungen ein.