Tirolerinnen verdienen im Schnitt nur 14.398 Euro pro Jahr
Der Nettojahresverdienst von knapp 15.000 Euro zeigt am Weltfrauentag den enormen Aufholbedarf von Tirolerinnen. Auch bei den Pensionen sind die Benachteiligungen nach wie vor groß.
Von Gerlinde Tamerl und Anita Heubacher
Innsbruck – Seit mehr als 100 Jahren wird am 8. März der Internationale Frauentag begangen. Die Forderungen verschiedenster Organisationen an diesem Tag sind aber seit Jahren immer dieselben – wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit oder die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die durchschnittliche Tirolerin etwa ist bei der Geburt des ersten Kindes 29,7 Jahre alt und bekommt 1,52 Kinder. Ebenfalls interessant: Die meisten erwerbstätigen Tirolerinnen zwischen 25 und 64 Jahren haben als höchsten Bildungsabschluss eine Lehre im Bereich Wirtschaft, Verwaltung und Recht.
Die durchschnittliche Tirolerin verdient im Jahr 14.398 Euro netto. Das ist wenig und liegt am nach wie vor sehr hohen Anteil an Teilzeitkräften. Dementsprechend laut wurde auch gestern wieder die Warnung vor der drohenden Altersarmut ausgegeben.
Pensionslücke als Armutsfalle
Und auch wenn es um ihre Pensionen geht, sind Frauen immer noch benachteiligt und immer noch gibt es den Gender-pay-Gap. Gleichzeitig existiert ein überhöhtes Mutterbild und Frauen konkurrieren auf Instagram darum, wer die schönsten Jausenboxen für die Kinder zusammenstellt. Dabei haben viele Frauen ähnliche Sorgen, den beruflichen Wiedereinstieg etwa nach der Geburt eines Kindes.
Katrin Wilkens, die selbst Mutter von drei Kindern ist, thematisiert in ihrem Buch „Mutter schafft“ die Probleme, die Frauen in Hinblick auf den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben haben. Wilkens hat die Agentur „i.do“ gegründet und dabei 1000 Frauen geholfen, den passenden Job zu finden. Ihr ging es darum, Frauen durch individuelle Beratungen zu helfen, „das Machbare zu bewältigen“. Für Wilkens ist entscheidend, dass eine Frau „ihren Job gerne macht, sich in einem Team aufgehoben fühlt, denn eine Mutter muss nicht immer für ihren Job brennen“. Gleichzeitig macht sie Frauen, die etwa Vollzeit arbeiten, Mut, wenn sie sagt: „Vollzeit arbeitende Mütter verbringen heute genauso viel Quality Time mit ihren Kindern wie in den 70er-Jahren eine Ganztags-Hausfrau.“
Feministische Debatten spielen für Wilkens eine eher untergeordnete Rolle, im Gespräch mit der TT sagt sie: „Der heutige Feminismus spricht urbane, reiche Frauen an, meistens ohne Kinder. Ich vermute, dass Mütter schlichtweg keine Zeit haben, sich für diese politische Bewegung zu engagieren.“
Für Wilkens besteht die größte und gleichsam bedrohlichste Ungerechtigkeit darin, dass viele Frauen eine schlechtere Pension bekommen werden. Deshalb rät sie Frauen dazu, mit ihren Männern – idealerweise vor der Geburt eines Kindes – eine Pensionszusatzzahlung auszuhandeln, wenn sie über einen längeren Zeitraum zuhause bleiben wollen. Im Fall einer Scheidung sind die Partner nicht gerne bereit, Rentenzusatzzahlungen zu leisten. Aus diesem Grund ist es wichtig, diesen Punkt im Vorfeld zu klären. Sie plädiert dafür, nicht erst auf Gesetze zu warten, sondern dieses Problem direkt mit dem Partner zu lösen. Bisher wurde die Forderung nach einer Gleichstellung von Frauen bei den Pensionen wenig diskutiert. Wilkens erklärt warum: „Weil junge Frauen sich nicht mit ihren Pensionen beschäftigen. Und Frauen, die zum ersten Mal ahnen, dass dieses Problem sie betreffen könnte, haben schlicht keine Kraft und keine Stimme mehr, für ihre Rechte auf die Straße zu gehen.“