Simulierte Partizipation: „Was ihr wollt: Der Film“ im Schauspielhaus
Wien (APA) - Mit der hochpolitischen Leitfrage „Wie soll es mit der Demokratie weitergehen?“ setzt sich das Performancekollektiv FUX in sein...
Wien (APA) - Mit der hochpolitischen Leitfrage „Wie soll es mit der Demokratie weitergehen?“ setzt sich das Performancekollektiv FUX in seinem neuesten Stück auseinander. „Was ihr wollt: Der Film“ kam am gestrigen Donnerstagabend im Wiener Schauspielhaus zur Uraufführung und machte dem Titel alle Ehre. Denn der politischen Mitbestimmung wurde auf der Bühne nicht zuletzt mit filmischen Mitteln nachgespürt.
Zuallererst: Das Fragment „Was ihr wollt“ im Titel bezog sich in der neuen FUX-Produktion handlungstechnisch nicht auf Shakespeares 1601 verfasstes, gleichnamiges Stück. Dennoch bediente es sich zwei seiner wesentlichen Merkmale: Dem Genre Komödie und dem inhaltlichen Verkleidungs-Wirr-Warr. Das siebenköpfige Ensemble brachte eine Vielzahl an stereotypisierten Charakteren auf die Bühne, oder besser gesagt: in den Live-Film.
Das Regieduo, bestehend aus Nele Stuhler und Falk Rößler, setzte sich dabei auch selbst in Szene, um in persiflierten Interviews, die entweder vor oder hinter der Bühne von einer Live-Kamera begleitet wurden, nach Antworten zum Thema Partizipation zu suchen. Die Szenen wurden regelmäßig von einem „Cut“ beendet, um danach in die nächste Einstellung überzugehen. Als Interviewpartner diente das von Simon Bauer, Vassilissa Reznikoff und Steffen Link angeführte Schauspielhaus-Ensemble, das in den dicht aufeinanderfolgenden Beiträgen mal als Ministerpräsident, Bauversammlungsleiter, Dokumentarfilmerin, EU-Aktivistin oder Stadtplanerin auftrat und zahlreiche Schauplätze mit Mitbestimmungscharakter aufdeckte.
Parallel zu den Interviewsequenzen wurde ein lustiges Spektakel zugeschaltet, das sich nicht zuletzt dank Bluescreen-Technologie von der Steinzeit bis zur Gegenwart zog und sich zwischen absurder Naivität und geistreicher Präzision dem jahrtausendelangen Kampf der Menschheit widmete, sich zwischen diktatorischen und demokratischen Gesellschaftssystemen einig zu werden - oder eben nicht. Die Fragen um das eigene Wollen respektive Nicht-Wollen im Zusammenhang mit Gesellschaft, die das Ensemble in den rund 100 Minuten immer wieder an das zusehends irritierte Publikum richtete, sorgten für so manch gedanklichen Knoten, der nur noch durch lautes Lachen aufgelöst werden konnte.
Zwischen hoffnungsvollen Lösungsansätzen und ernüchternden Sackgassen wandelnd, ergab sich in „Was ihr wollt: Der Film“ eine anspruchsvolle, aber nicht abgehobene Reflexion unserer sich auf Widersprüchen aufbauenden Gesellschaft, welche sich sowohl in den trashigen wie grotesken Kostümen der Darsteller als auch der poppigen Musik fortsetzte. Insgesamt ergab sich ein thematisch zwar komplexer, allerdings durchwegs humorvoll aufgelöster Abend, an dessen Ende das gesamte Team mit langem, wohlwollenden Applaus belohnt wurde.
(S E R V I C E - „Was ihr wollt: Der Film“, Uraufführung von FUX im Schauspielhaus Wien. Regie und Text: Nele Stuhler & Falk Rößler, Bühne & Kostüme: Aleksandra Pavlovi?, Musik: Nils Michael Weishaupt, Video: Jost von Harleßem. Mit Simon Bauer, Jost von Harleßem, Steffen Link, Vassilissa Reznikoff, Falk Rößler, Nele Stuhler, Nils Michael Weishaupt. Weitere Aufführungstermine am 9., 12., 13., 15., 16., 20., 21., 22. und 23. März, jeweils 20 Uhr, Porzellangasse 19, 1090 Wien. Karten unter: www.schauspielhaus.at/was_ihr_wollt_der_film; weitere Infos zu FUX: http://gruppefux.de/works/was-ihr-wollt-der-film)
(B I L D A V I S O – Pressebilder zur Aufführung stehen unter www.schauspielhaus.at/presse/media zum Download bereit.)