Für Gleichstellung: Zehntausende protestieren in Deutschland und Spanien

Weltweit fordern am Frauentag zahlreiche Organisationen die volle soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Gleichstellung von Frauen. In Berlin wurde der Tag zum ersten Mal als Feiertag begangen. In Spanien wurde unter dem Motto „Wenn wir aufhören, steht die Welt still“ die Arbeit niedergelegt.

  • Artikel
  • Diskussion
Die Organisation Femen machte in Hamburg auf „die sexuelle Ausbeutung von Frauen, Menschenhandel und sexuelle Gewalt hinter den Türen der Sexindustrie“ aufmerksam.
© dpa/Lue

Berlin – Zehntausende Menschen haben am Freitag in etlichen deutschen Städten für die Gleichstellung von Frauen und Männern demonstriert. Allein in Berlin beteiligten sich mehrere Tausend Menschen an einer Kundgebung auf dem Alexanderplatz. Auch in vielen anderen Städten gab es Aktionen und Demonstrationen. Mit nacktem Oberkörper und schwerem Gerät haben etwa mehrere Aktivistinnen in Hamburgs Rotlichtviertel einen Sichtschutz abmontiert. Mit der Aktion am Frauentag wollte die Organisation Femen „die sexuelle Ausbeutung von Frauen, Menschenhandel und sexuelle Gewalt anprangern, die sich hinter den Toren und Türen der Sexindustrie versteckt“, wie die Gruppe am Freitag via Facebook mitteilte.

Eines der großen Themen am Frauentag war die politische Teilhabe von Frauen und die Frage, ob es dafür gesetzliche Regelungen braucht.

In der Bundeshauptstadt war der Frauentag zum ersten Mal ein Feiertag. Auch die Bundesministerien und andere Behörden waren quasi „geschlossen“, während der Rest Deutschlands arbeitete. Die Berliner Senatorin für Gleichstellung, Dilek Kolat (SPD), sprach von einem „Riesensignal“ aus der Hauptstadt. „Berlin ist die Stadt der Frau“, sagte sie im RBB-Inforadio. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag des Redaktionsnetzwerks Deutschland würde sich mehr als die Hälfte der Bundesbürger (54 Prozent) den Internationalen Frauentag als Feiertag wünschen.

Kritik an dem neuen Feiertag kam von FDP-Generalsekretärin Nicola Beer. „Der Feiertag in Berlin ist eine nette Idee“, sagte sie dem Südwestrundfunk. „Nur wer arbeitet denn mehrheitlich auch in Berlin an diesem Feiertag im Gesundheitsbereich, im Pflegebereich – das sind die Frauen.“ Beer machte sich stattdessen für einen Kulturwandel stark, der nicht durch einen Feiertag am Weltfrauentag erreicht werden könne.

Weltweit fordern am Frauentag zahlreiche Organisationen die volle soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Gleichstellung von Frauen. Der Frauentag wurde auf Anregung der deutschen Sozialdemokratin Clara Zetkin erstmals 1911 organisiert.

Parität von Männern und Frauen in Politik gefordert

Eines der großen Themen in diesem Jahr war die politische Teilhabe von Frauen. Die deutsche Justizministerin Katarina Barley (SPD) forderte eine Parität von Männern und Frauen in den Parlamenten. Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) plädierte für eine gesetzliche Regelung. Es reiche nicht, dass im Grundgesetz festgehalten sei, dass Frauen und Männer gleichgestellt seien. Auch Grünen-Chefin Annalena Baerbock plädierte in einem Gastbeitrag für den „Tagesspiegel“ dafür.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer kündigte in einem Gastbeitrag für die „Passauer Neue Presse“ an, einer ihrer persönlichen Schwerpunkte als Parteivorsitzende werde es sein, „verstärkt Frauen für die Politik zu gewinnen und das Quorum in unserer Partei konsequenter umzusetzen“. Der Frauenanteil in den Parlamenten und den Parteien – „gerade auch in der CDU“ – sei „für eine repräsentative Demokratie und für uns als Volkspartei peinlich“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilte zum Frauentag mit, das Grundgesetz sehe „in Artikel 3 die Gleichberechtigung von Männern und Frauen vor. Dies aber in die gesellschaftliche Realität umzusetzen, bleibt eine dauerhafte Aufgabe“. Aus Sicht der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Julia Klöckner ist es an der Zeit, dass Deutschland auch ein weibliches Staatsoberhaupt bekommt.

„Wenn wir aufhören, steht die Welt still“

In Spanien legten viele Frauen anlässlich des heutigen Tages die Arbeit nieder. Sie folgten einem Aufruf der großen Gewerkschaften, unter dem Motto „Wenn wir aufhören, steht die Welt still“ für zwei Stunden zu streiken. Kleinere Gewerkschaften hatten zu einem ganztägigen Ausstand aufgerufen. In Madrid werden ab 18 Uhr außerdem Hunderttausende Teilnehmer bei einer Demonstration für Frauenrechte erwartet.

Im vergangenen Jahr hatten sich landesweit Millionen Frauen an den Streiks und Kundgebungen beteiligt. Auch diesmal schlossen sich Prominente wie die linke Bürgermeisterin von Madrid, Manuela Carmena, oder die Rundfunkjournalistin Pepa Bueno den Streiks an. Viele Minister der sozialistischen Regierung hatten ebenfalls angekündigt, auf die Straße zu gehen. Regierungschef Pedro Sánchez sicherte den Protestierenden seine Unterstützung zu. (APA/dpa/AFP/TT.com)


Kommentieren


Schlagworte