Schwerer Name, großer Cellist: Narek Hakhnazaryan begeisterte in Wien
Wien (APA) - Narek Hakhnazaryan hat einen zweifelsohne schwer zu memorierenden Namen - und dennoch einen, den man sich merken sollte. Der 30...
Wien (APA) - Narek Hakhnazaryan hat einen zweifelsohne schwer zu memorierenden Namen - und dennoch einen, den man sich merken sollte. Der 30-jährige Cellist ist seit der Vorsaison Stipendiat des Great-Talent-Förderprogramms der Wiener Konzerthausgesellschaft. Und doch scheint diese Eleven-Titulierung bei dem gebürtigen Armenier, der mittlerweile in Wien lebt, zu kurz gegriffen.
Schließlich ist Hakhnazaryan doch bereits weit mehr als nur ein vielversprechendes Talent, wie er am Freitagabend im Großen Saal des Konzerthauses eindrucksvoll unter Beweis stellte. An der Seite der Wiener Symphoniker interpretierte der Cellist, der am 23. Oktober 1988 in Armeniens Hauptstadt Jerewan geboren wurde und mit dem Gewinn des Tschaikowsky-Wettbewerbs 2011 seinen Durchbruch feierte, Edward Elgars bekanntes Solokonzert.
Die Wahrnehmung dieses Klassikers der Cello-Literatur ist vornehmlich geprägt von legendären Einspielungen wie der von Jacqueline du Pre - emphatische Interpretationen, herausgeschriener Weltschmerz, Gefühl, Gefühl, Gefühl. Hakhnazaryan hingegen liefert ungeachtet seines jungen Alters eine innerliche, introvertierte Deutung dieses Spätwerks des britischen Komponisten, das 1919 unter dem Eindruck des beendeten Weltkriegs und als letztes großes Stück des Tonsetzers entstand.
Vibrato kommt bei Hakhnazaryan spärlich zum Einsatz, nicht das Auftrumpfen, sondern die Reduktion dominiert den Gesamtbogen und ermöglicht so einen selten gebotenen, neuen Blick auf ein allzu bekanntes Werk. Dass das aus 1707 stammende Guarneri-Cello des Solisten vornehmlich in der Tiefe trägt und sich in den Höhen in vornehmer Zurückhaltung übt, trägt sein Scherflein zu dieser Gesamtstimmung bei.
Dabei war der Aufbau von Stimmung alles andere als leicht nach dem Auftakt, den die Symphoniker unter dem Bamberger-Chefdirigent Jakub Hrusa ablieferten. Das unter Philippe Jordan erarbeitete Renommee als Beethoven-Orchester schien bei der Symphonie Nr. 1 des Titanen gänzlich vergessen. Der erst 37-jährige Hrusa führte das Orchester gemächlich, beinahe schleppend durch das Frühwerk Beethovens, lieferte eine Deutung, die eher zurück zum Klischee von Papa Haydn als nach vorne blickte. Trocken wie ein Martini und handzahm wie ein Schoßhündchen kam diese Deutung daher.
Umso erstaunlicher gestaltete sich da der Abschluss des Abends, der mit Dmitri Schostakowitschs 9. Symphonie doch nicht direkt von Kernrepertoire der Symphoniker bestimmt war. Was bei Beethoven gänzlich fehlte, gelang bei Schostakowitsch, wenn kleine stilistische Preziosen am Wegesrand scheinbar spielerisch mitgenommen wurden, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Hier gelingt der fein ziselierte Dialog zwischen Holzbläsern und Streichern. Ein versöhnlicher Abschluss nach einem verhunzten Auftakt.
(S E R V I C E - Wiederholung des Konzertprogramms am Sonntag, 10. März, um 19.30 Uhr. https://konzerthaus.at/konzert/eventid/55961. Ö1 strahlt eine Aufzeichnung des Konzerts am 17. März ab 11.03 Uhr im Rahmen der „Matinee“ aus.)