Kroatentreffen in Bleiburg - Weiter Diskussionen in Kroatien
Zagreb/Klagenfurt/Bleiburg (APA) - Der verweigerte Sanktus für die umstrittene Kroatenfeier am Loibacher Feld bei Bleiburg durch die Diözese...
Zagreb/Klagenfurt/Bleiburg (APA) - Der verweigerte Sanktus für die umstrittene Kroatenfeier am Loibacher Feld bei Bleiburg durch die Diözese Gurk-Klagenfurt sorgt in Kroatien weiter für Diskussionen. Die EU-Abgeordnete Ruza Tomasic erklärte laut einem Bericht der Agentur Hina vom Samstag, die Entscheidung sei „das Ergebnis des Einflusses aggressiver linker Lobbies an der Spitze der kirchlichen Hierarchie in Österreich“.
Hina zufolge schickte Tomasic von der rechtspopulistischen Fraktion „Europäische Konservative und Reformer“ einen offenen Brief an die Diözese Gurk-Klagenfurt, in dem sie das Verbot der Messe als „eine skandalöse und schockierende Tat“ geißelte, „die jede Verurteilung wert ist“. Es sei traurig, dass „die Kirche diese Art von Indoktrination akzeptiert“.
Bereits am Freitag hatte die kroatische Bischofskonferenz scharfe Kritik an der Diözese Gurk-Klagenfurt geübt. In einer Mitteilung warfen die Bischöfe der katholischen Kirche in Kärnten „Respektlosigkeit gegenüber den Opfern“ vor. „Das Gebet für die Opfer dieser großen Tragödie des kroatischen Volkes unmöglich zu machen ist eine Respektlosigkeit gegenüber den Opfern und mangelndes Feingefühl für das Leiden der Unschuldigen“, kritisierten die kroatischen Bischöfe. Kroatiens Parlamentspräsident und früherer Außenminister Gordan Jandrokovic von der nationalkonservativen Regierungspartei HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) erklärte am Samstag laut Hina, er unterstütze diese Erklärung „uneingeschränkt“.
Der Präsident der oppositionellen Sozialdemokratischen Partei (SDP), Davor Bernardic, erklärte wiederum am Samstag, es sei für Kroatien an der Zeit, faschistische Symbole zu verbieten. Er erinnerte daran, dass Österreich das Zeigen faschistischer Symbole und die Verwendung der Heiligen Messe für politische Zwecke „unabhängig von seiner rechten und konservativen Regierung“ verboten habe.
„Es ist an der Zeit, diese Symbole zu verbieten, damit Kroatien sich endlich der Zukunft zuwendet. Aber um dies zu tun, muss die Regierung zunächst einmal die Verbindung zu den Geistern der Vergangenheit auflösen“, sagte Bernardic.
Die Diözese hatte heuer keine Erlaubnis für die Feier der Heiligen Messe bei dem Kroatentreffen im Mai gegeben. Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger hatte das Nein damit begründet, dass die Veranstaltung „politisch instrumentalisiert“ werde und dem Ansehen der katholischen Kirche schade. Im Falle einer Erlaubnis der Liturgiefeier könne man der Kärntner Kirche zu Recht unterstellen, „sie würde die Instrumentalisierung eines Gottesdienstes zu politischen Manifestationen dulden und die entsprechende Distanz zu faschistischem Gedankengut vermissen lassen“. Guggenberger wies auch darauf hin, dass die vor der Feier im Vorjahr von der Diözese gemachten Auflagen „zum überwiegenden Teil“ nicht eingehalten worden seien.
Die Gedenkfeier gilt seit Jahren als Treffpunkt von Ewiggestrigen, die in der Erinnerung an den faschistischen Vasallenstaat Hitler-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg schwelgen. Auch im Vorjahr gab es sieben Festnahmen und neun Anzeigen nach dem Verbotsgesetz. Sechs Teilnehmer wurden vor Gericht gestellt, fünf davon verurteilt. Dabei waren im Vorfeld der Feier politische Fahnen und Transparente ebenso untersagt worden wie einschlägige Abzeichen oder Uniformen.
Offizieller Gegenstand der Feier ist die Ermordung Tausender Ustascha-Soldaten nach der Kapitulation der Nationalsozialisten 1945. Rund 40.000 geflüchtete Soldaten, die aufseiten Deutschlands gekämpft hatten, wurden in Bleiburg mit ihren Familienangehörigen von der britischen Besatzungsmacht an die kommunistischen Einheiten Titos ausgeliefert. Tausende verloren an Ort und Stelle und auf dem Rückmarsch nach Jugoslawien gewaltsam ihr Leben.