Deutschland- Studie: Fast 90 Prozent der Imame kommen aus dem Ausland

Berlin (APA/AFP) - In den rund 2.000 Moscheen in Deutschland predigen nach einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung weiterhin zu fast 90 Pr...

Berlin (APA/AFP) - In den rund 2.000 Moscheen in Deutschland predigen nach einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung weiterhin zu fast 90 Prozent Imame aus dem Ausland. Sie stammen demnach insbesondere aus der Türkei, Nordafrika, Albanien, dem ehemaligen Jugoslawien, aus Ägypten und dem Iran. Zuerst hatte die „Rheinische Post“ am Dienstag über die Studie berichtet.

Hauptentsender der Imame ist demnach die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), diese stelle fast die Hälfte der etwa 2.500 Imame in ihren rund 1.000 Moscheen. Zahlenmäßig bedeutsam seien ferner die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs mit 323 Moscheen, der Verband Islamischer Kulturzentren mit etwa 300 sowie die Islamische Gemeinde der Bosniaken in Deutschland mit mehr als 70 Moscheen.

Dem Zentralrat der Muslime (ZDM) zufolge ist der Anteil der Imame aus dem Ausland geringer als in der Studie angegeben. „Die Zahl scheint etwas zu hoch gegriffen, nach unseren Daten liegt die Gewichtung etwa bei 80 Prozent“, sagte ein Sprecher des Zentralrats der Nachrichtenagentur AFP.

Der Zentralrat kritisierte zudem, dass die Untersuchung die Frage auslasse, welche Lösungs- und Finanzierungsvorschläge es für eine Imamausbildung in Deutschland gebe. „Darüber schweigt sich Studie aus“, sagte der Sprecher. Der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek hatte in der Vergangenheit bereits mehr Unterstützung für eine Ausbildung von Imamen in Deutschland gefordert.

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer (CSU) will die ausländische Einflussnahme auf Muslime in Deutschland möglichst beenden. Im Rahmen einer Tagung der Deutschen Islam Konferenz im November hatte Seehofer betont, die praktische Schulung von Geistlichen sei Angelegenheit der islamischen Gemeinschaften. Er forderte den Zentralrat der Muslime auf, im Jahr 2019 „zwei Dutzend“ Imame in Deutschland auszubilden.

Der zu den Verfassern der Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung zählende Andreas Jacobs kritisierte in der „Rheinischen Post“, die von der deutschen Bundesregierung geplante Deutschpflicht als Einreisevoraussetzung für ausländische Geistliche sei „nicht viel mehr als eine Ausbesserungsmaßnahme“ bei der gewünschten Abkehr des Systems der Entsendung. Derzeit verfügten die meisten Imame weder über religiös-theologische Kompetenzen noch über ausreichende eigene Finanzierungsmöglichkeiten.

Jacobs sagte, in islamischen Ländern erfüllten Vorbeter ihre eng begrenzten Aufgaben unter genauer Kontrolle des Staates. In Europa hingegen seien Imame als Seelsorger, Erzieher und Integrationslotsen gefragt. Dafür bräuchten sie „mehr als eine klassische Ausbildung in türkischen, ägyptischen oder marokkanischen Religionsseminaren plus ein paar Grundkenntnissen der deutschen Sprache“.

Der Experte der Konrad-Adenauer-Stiftung regte auch eine Neureglung der Bezahlung der Imame an. Sie bräuchten attraktive Berufsperspektiven und ein angemessenes Gehalt, das von muslimischen Strukturen in Deutschland finanziert werde.