Kirche kritisiert Aus für Operation Sophia als „moralisches Versagen“

Berlin (APA/AFP) - Die evangelische Kirche in Deutschland hat das Aus für den EU-Einsatz im Mittelmeer scharf kritisiert. „Die heutige Bestä...

Berlin (APA/AFP) - Die evangelische Kirche in Deutschland hat das Aus für den EU-Einsatz im Mittelmeer scharf kritisiert. „Die heutige Bestätigung der Europäischen Union, die Seenotrettung im Mittelmeer im Rahmen der Operation Sophia auszusetzen, ist ein moralisches und politisches Versagen Europas auf dem Rücken der Schwächsten“, erklärte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, am Mittwoch in Hannover.

„Mehr Menschen werden von jetzt an im Mittelmeer ertrinken, weil Kräfte zur Seenotrettung fehlen“, warf Bedford-Strohm den politisch Verantwortlichen vor. Seenotrettung sei aber „keine politische Verhandlungsmasse, sondern international gültige Rechtsverpflichtung“. „Als Kirchen werden wir weiter für Seenotrettung im Mittelmeer und die Einhaltung von Menschenrechten für Geflüchtete streiten und weiterhin für eine dauerhafte europäische Lösung zur Aufnahme und Verteilung der aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlinge eintreten“, kündigte der Bischof an.

Die EU-Kommission hatte zuvor bekanntgegeben, dass die Rettung von Flüchtlingen auf See vorerst eingestellt werde. Lediglich aus der Luft soll das Seegebiet zwischen Italien und Libyen weiter überwacht werden. Hintergrund ist die Forderung Italiens, gerettete Flüchtlinge auf die EU-Staaten zu verteilen. Darüber konnte auf EU-Ebene keine Einigung erzielt werden. Italien weigert sich seit Monaten, gerettete Flüchtlinge an Land gehen zu lassen. Der Sophia-Einsatz fand mit auch mit Beteiligung der deutschen Bundeswehr statt.