Nationalrat: Deutschförderklassen weiter umstritten

Wien (APA) - Die unter Türkis-Blau eingeführten Deutschförderklassen sind weiter umstritten. Aus Sicht von SPÖ und NEOS sind sie nicht das g...

Wien (APA) - Die unter Türkis-Blau eingeführten Deutschförderklassen sind weiter umstritten. Aus Sicht von SPÖ und NEOS sind sie nicht das geeignete Mittel zur Integration. Deshalb lehnten die Oppositionsparteien Mittwoch im Nationalrat auch die - von der Regierungsmehrheit beschlossenen - Adaptierungen ab.

Abgestimmt wurde über ein kleines Schulpaket: Es enthält auch kleinere Änderungen bei der Mathe-Matura (neue Punktvergabe, neuer Notenschlüssel, mehr Zeit für Grundlagenaufgaben an AHS). Für die Deutschklassen wird für das heurige Schuljahr u.a. eine Übergangsregelung getroffen, durch die Lehrer außerordentliche Schüler auch dann aufsteigen lassen können, wenn ihre Sprachkompetenz noch nicht ganz ausreicht, aber eine Leistungssteigerung zu erwarten ist.

„Der Schaden ist maximal angerichtet“, verwies SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid auf erste Testungen, die zeigten, dass der Spracherwerb nicht so rasch erreicht wird wie erwartet. „Herumdoktern“ werde da nicht helfen, befand Hammerschmid, und forderte die Rückkehr zu den gut etablierten integrativen Maßnahmen samt Verdoppelung der Pädagogen in Klassen mit besonderen Herausforderungen.

Auch für die NEOS war die Sache „von Anfang an verbockt“. Jetzt nur an ein paar Schräubchen zu drehen werde nichts ändern, meinte Douglas Hoyos-Trauttmansdorff. Und hielt der Regierung auch vor, dass „nichts weitergehen wird bei der Integration“, wenn noch dazu die Mittel dafür gekürzt werden.

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) lehnte die Forderung nach mehr Mitteln ab: Österreich investiere „wirklich viel“ in das Bildungssystem. Man müsse sich fragen, ob das Geld auch richtig investiert sei. Bei den Deutschförderklassen würden offenbar „unterschiedliche Praxen“ gelebt, das zeige sich an stark unterschiedlichen Ergebnissen von Ländern und Schultypen.

ÖVP-Bildungssprecher Rudolf Taschner gestand ein, dass er sich schnellere Erfolge erwartet hätte. Es sei noch einiges zu verbessern, das werde man auch tun. Dennoch ist er von den Förderklassen überzeugt: Ohne sie „würden noch weniger Kinder Deutsch können“. Auch für Wendelin Mölzer (FPÖ) ist es „zielführend“ auf dem gewählten Weg zu bleiben. Und die Zahlen aus der Vergangenheiten seien nicht besser.

Einstimmig gebilligt wurde eine - von den NEOS initiierte - Entschließung an den Bildungsminister. Er wird gebeten zu prüfen, ob arbeitslos gewordene S-Trainer an Schulen mit großen Herausforderungen eingesetzt werden könnten.